Schluckbeschwerden Allergie Eosinophile Ösophagitis

Prof. Dr. med. Alex Straumann zu Schluckbeschwerden durch Allergie und die Erkrankung Eosinophile Ösophagitis (EoE)!

Schluckbeschwerden durch Allergie? Eosinophile Ösophagitis?

Schluckbeschwerden sind ein gar nicht seltenes Phänomen, doch viele Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Schlucken haben, plagen sich lange Zeit mit den Symptomen, ohne dass ihnen geholfen wird, obwohl sich hinter diesem Symptom meistens eine ernst zu nehmende organische Erkrankung der Speiseröhre verbirgt. An eine allergische Ursache denken bei Schluckbeschwerden die Wenigsten und selbst den Gastroenterologen ist das Krankheitsbild Eosinophile Ösophagitis (EoE) nicht immer bekannt. Dabei gehört das „Asthma der Speisröhre“, wie die Schluckbeschwerden auch genannt werden, durchaus zu den Allergien. MeinAllergiePortal sprach mit einem der Zweitbeschreiber der Erkrankung, Prof. Dr. med. Alex Straumann, Facharzt für Gastroenterologie FMH und Chairman des Swiss EoE Research Network über Schluckbeschwerden durch Allergie und die Erkrankung Eosinophile Ösophagitis (EoE).

Herr Prof. Straumann, wie häufig tritt die eosinophile Ösophagitis (EoE) auf?

Die Prävalenz der EoE, d.h. die Anzahl diagnostizierter Fälle pro 100.000 Einwohner, liegt aktuell in Europa und den USA zwischen 30 und 55. Umgerechnet heißt das, in einem Kollektiv zwischen 2.000 und 4.000 Einwohnern in Europa oder den USA lebt ein Patient mit Schluckbeschwerden, d.h. einer diagnostizierte Eosinophilen Ösophagitis.

Die Anzahl der EoE-Erkrankten hat in den letzten Jahren massiv zugenommen und zwar nicht nur deswegen, weil man jetzt vielleicht das Krankheitsbild aufmerksamer verfolgt. Vielmehr handelt es sich bei der eosinophilen Ösophagitis um eine echte Zunahme der Prävalenz. Auch die Inzidenz, d.h. neu diagnostizierte Fälle von Patienten mit Schluckbeschwerden, pro Jahr pro 100.000 Einwohner, nimmt zu.

Die EoE wurde 1993 von Steven Attwood und 1994 Alex Straumann erstmals beschrieben. Wir haben gute Hinweise darauf, dass die EoE in den 80er Jahren erstmals auftrat, in Nordamerika und Europa parallel, und davor nicht existierte. Danach kam es zu EoE-Fällen in Australien und jetzt mehr und mehr auch im Fernen Osten und in Südamerika.

Zieht man die Tatsache in Betracht, dass sich die Diagnose der Eosinophilen Ösophagitis nach Auftreten der Erkrankung durchschnittlich um 5 bis 6 Jahre verzögert, kann man außerdem von einer hohen Dunkelziffer ausgehen. Diese Menschen plagen sich mit ihren Schluckbeschwerden, d.h. sie kauen vorsichtig, vermeiden gewisse Speisen, trinken stets mit dem Essen, insbesondere dann, wenn sie festere Speisen zu sich nehmen und müssen doch oft nach dem Essen mühsam Reste aus dem Ösophagus, der Speiseröhre, entfernen. Irgendwann kommt dann das „Fass zum Überlaufen“, sprich eine Einklemmung zwingt sie, zum Arzt zu gehen und manchmal ist es auch der Partner, der die Patienten zum Arztbesuch überredet.

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Was hält Patienten mit Schluckbeschwerden davon ab, zum Arzt zu gehen?

Das Thema Schluckbeschwerden, man nennt es auch „Solid Food Dysphagia“, das heisst wenn Patienten Schwierigkeiten beim Verzehr fester Speisen haben, ist in der öffentlichen Wahrnehmung noch nicht angekommen. Eigentlich sind Schluckbeschwerden aber ein Alarmsymptom, ähnlich wie Blut im Stuhl und es steckt immer eine organische Erkrankung der Speiseröhre dahinter, wenn Patienten nicht richtig schlucken können. Ob es sich um eine EoE, einen Tumor oder eine andere Erkrankung handelt, gilt es dann abzuklären, aber eine funktionelle, stressbedingte Störung sind Schluckbeschwerden nie.

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Und woher weiß man, dass die Eosinophile Ösophagitis vor den 80er Jahren nicht existierte?

Man nimmt das aufgrund der folgenden Beobachtung an:

Patienten mit EoE haben durchschnittlich 5 bis 6 Jahre Schluckbeschwerden, bevor sie zur Abklärung einen Gastroenterologen aufsuchen. Sie gehen erst dann zum Arzt, wenn eine langanhaltende Einklemmung sie dazu zwingt, eine Notfallstation aufzusuchen. Oftmals wird erst dann die Diagnose gestellt. Diese Einklemmungen, d.h. ein Speisebestandteil steckt in der Speiseröhre fest, sehen wir in letzter Zeit zunehmend – früher war dies nicht der Fall.

Das Steckenbleiben von Speisen kannte man früher nur im Zusammenhang mit Fremdkörpern, wie z.B. Fischgräten, Poulet-Knochen, oder wenn ein Kind eine Münze verschluckt hatte. Dass ganz normale Speisen, wie ein Stück Fleisch, Reis oder rohe Karotten in der Speiseröhre stecken bleiben und sie wie mit einem Korken verschließen, gab es früher nicht. Daraus schließen wir, dass es die Eosinophile Ösophagitis vor den 80er Jahren nicht gab.

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