Heuschnupfen Allergietest

Dr. Thomas Potrafke, Hals-Nasen-Ohrenarzt und Allergologe, HNO-Praxis im Ärztehaus Zuffenhausen

Heuschnupfen: Wie erfolgt die Diagnose? Welcher Allergietest sagt was?

Es gibt zur Diagnose von Heuschnupfen eine Reihe von Allergietests. Die Rede ist häufig vom Prick-Test, IgE-Test, RAST, Provokationstest, molekularer Allergiediagnostik etc. Für viele Patienten ist dies verwirrend. Man fragt sich: Welcher Pollenallergie-Test sagt eigentlich was aus? In welchen Fällen reicht ein Allergietest alleine nicht zur Diagnose? Und wie wirken sich die Testergebnisse auf die Therapie des Heuschnupfens aus? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Thomas Potrafke, Hals-Nasen-Ohrenarzt und Allergologe,  HNO-Praxis im Ärztehaus Zuffenhausen und Mitglied im Allergozentrum Stuttgart, über die Allergiediagnostik  bei Heuschnupfen.

Herr Dr. Potrafke, im Zusammenhang mit Heuschnupfen gibt es eine ganze Reihe von Testverfahren: Prick-Test, IgE-Test, RAST, Provokationstest, molekulare Allergiediagnostik etc. - welcher Test wird wann eingesetzt?

Zunächst ist es wichtig festzuhalten, dass am Anfang einer Diagnose nicht der Allergietest steht. Wenn ein Patient zu mir kommt und von Beschwerden berichtet, die auf eine Allergie hinweisen könnten, beginnt die Diagnose mit der Anamnese. Dies ist die ausführliche Befragung des Patienten nach Beschwerden, Umständen und Ausprägung der Symptome. Ergänzt wird die Anamnese durch einen Allergie-Fragebogen, den der Patient in Ruhe ausfüllen kann und aus dem sich oft weitere Hinweise ergeben. Dadurch erhalte ich bereits die wichtigsten Hinweise zur Einschätzung der Luftwegallergie.

Gerade in der Übergangszeit, d.h. im Frühjahr, können aber auch Entzündungen, die im Winter entstanden sind, der Grund für die Symptome sein. Außerdem können Infekte parallel zu allergischen Symptomen auftreten.

Im Anschluss an die Anamnese gehört deshalb eine gründliche Untersuchung der Nase zur Erstdiagnostik. Die Untersuchung der Nase erfolgt zum einen durch eine Endoskopie der Nase bzw. der Nasennebenhöhlen und zum anderen durch eine Ultraschall-Untersuchung der Nasennebenhöhlen, um sich ein Gesamtbild zu machen. Wenn eine Allergie vorliegt, erkennt man das z. B. oft an einem dafür sehr typischen Befund an den Schleimhäuten, der anders ist als bei einer Entzündung.

Nun zu den Allergietests: Der Prick-Test ist ein Hauttest. Der Prick-Test ist der Basistest in der Allergologie der Luftwege. Hierbei  werden die wichtigsten Allergene in Form von Allergenextrakten in einem gewissen Abstand zueinander auf die Haut aufgebracht und mit speziellen Lanzetten in die Haut eingeritzt. Der Test wird an den Innenseiten beider Unterarme durchgeführt. So kann man viele Allergene gleichzeitig testen. Zur Kontrolle wird zusätzlich auch mit dem reinen Lösungsmittel ohne Allergen getestet, dort sollte deshalb das Ergebnis immer negativ sein, und zusätzlich mit Histamin, dem körpereigenen Juckreiz-Hormon, hier sollte das Ergebnis immer positiv sein.

Wenn die Prick-Testergebnisse mit den Hinweisen aus der Anamnese und dem endoskopischen Befund übereinstimmen, was in 80 Prozent der Fälle so ist, hat man eine sichere Diagnose. Die Reaktion an der Haut ist in der Regel ein sicherer Indikator für eine Allergie, denn die Haut an den Unterarmen reagiert genauso wie die Nasenschleimhaut, die Bronchialschleimhaut und die Bindehaut am Auge. Weitere Tests sind dann nicht nötig.

In welchen Fällen muss man denn dann weiter Allergie-Tests durchführen, um einen Heuschnupfen zu diagnostizieren?

Bei 20 Prozent der Patienten sind die Ergebnisse leider nicht klar und eindeutig und in diesen Fällen sind weitere Tests nötig.

Es gibt im Prinzip vier Patientengruppen, bei denen man mit dem Prick-Test nicht weiter kommt:

Zum ersten dann, wenn bei einem Patienten im Prick-Test nichts reagiert, d.h. wenn laut Test keine Sensibilisierung vorliegt, aber wenn andere Anzeichen doch für eine Allergie sprechen.

Umgekehrt kann es auch vorkommen, dass eine sehr große Anzahl von Allergenen positiv sind, obwohl aufgrund der Anamnese nur eine oder zwei Stoffgruppen als Allergieauslöser vermutet werden. In beiden Fällen benötigt man weitere Tests, um Klarheit zu schaffen.

Zum dritten ist ein Prick-Test nicht möglich, wenn ein Patient eine schwere Neurodermitis, eine Urtikaria (Nesselsucht) oder andere Hauterkrankungen hat. Wenn die Haut schon grundsätzlich fleckig und gerötet ist, kann man zum einen die durch etwaige Sensibilisierungen ausgelösten Hautveränderungen nicht mehr klar erkennen. Zum anderen reagiert die gereizte Haut dann oft unspezifisch bereits auf die Negativ-Kontrolllösung mit dem Lösungsmittel.

Auch bei kleinen Kindern ist der Prick-Test manchmal nicht durchführbar, denn der Patient muss für den Test ca. 20 Minuten lang den Arm still halten und das machen kleine Kinder manchmal einfach nicht mit.

Hier kommen dann die anderen speziellen Testverfahren zum Einsatz.

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