Neurodermitis, richtig cremen im Sommer

Prof. Dr. med. Knut Schäkel, Leitender Oberarzt an der Universitäts-Hautklinik in Heidelberg

Neurodermitis im Sommer: Wie cremt und pflegt man sich richtig?

Die Hautpflege ist bei Neurodermitis ganz besonders wichtig und viele Neurodermitispatienten glauben, dass der Sommer besondere Anforderungen an die Hautpflege stellt. Doch was ist wirklich wichtig ist bei der Pflege neurodermitischer Haut? Welche Wirkstoffe lindern Symptome? Was ist speziell im Sommer, was das ganze Jahr über zu beachten. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. med. Knut Schäkel, Leitender Oberarzt an der Universitäts-Hautklinik in Heidelberg, darüber, wie man bei Neurodermitis im Sommer richtig pflegt und cremt.

Herr Prof. Schäkel, wie unterscheidet sich bei Neurodermitikern die Hautpflege im Sommer von der Hautpflege im Winter?

Ausschlaggebend für die Hautpflege bei Neurodermitikern ist in erster Linie die Ausprägung der Symptome und dann erst die Jahreszeit. Bei Neurodermitis-Patienten ist die Haut immer sehr trocken. Es gibt jedoch Patienten, bei denn die trockene Haut das dominante Symptom ist, d.h. bei denen es nicht zu Rötungen der Haut oder zu einer Überwärmung der Haut kommt. Diese Patienten kommen mit einer guten fetthaltigen Lotion aus. Es gibt aber auch Neurodermitis-Patienten, die unter stark entzündlichen offenen Hautveränderungen leiden, die auch oft aufgekratzt sind. Diese Patienten vertragen stark fettende Salben eher nicht, so dass man hier eher zu einer Creme greifen würde.

Bei der Hautpflege-Beratung von Neurodermitikern orientieren wir uns deshalb zunächst nicht daran, ob gerade Sommer oder Winter ist, sondern eher nach der Ausprägung der Neurodermitisymptome. 

Heißt das, dass die Pflege der Neurodermitishaut im Sommer und im Winter gleich sein kann?

Nein, da gibt es schon Unterschiede. Im Sommer schwitzt man natürlich mehr und darauf sollte man bereits durch eine luftigere Kleidung Rücksicht nehmen.

Außerdem braucht der Körper die Möglichkeit, Wärme abzugeben. Bei fetthaltigen Cremes funktioniert der Wärmeaustausch der Haut nicht so gut – es kommt zur Occlusion, vergleichbar mit dem Effekt einer Frischhaltefolie über der Haut - und es kann passieren, dass die Patienten aufgrund dessen schwitzen. Das Schwitzen führt dann zu starkem Juckreiz und Hautentzündungen – man hätte dann den gegenteiligen Effekt erzielt.

Eine Lotion ist im Sommer deshalb für Menschen mit Neurodermitis besser geeignet als eine Creme oder eine Salbe, d.h. die Cremes zur Hautpflege bei Neurodermitis sollten im Sommer grundsätzlich weniger Fett enthalten.

Als Faustregel gilt bei Neurodermitis: Je wärmer es ist, desto weniger Fett sollte die Creme enthalten.

Es gibt aber auch im Sommer immer Neurodermitispatienten, denen man eine sehr fetthaltige Salbe verordnen wird, weil sie eine extrem trockene Haut haben. Jeder Neurodermitispatient hat einen individuellen Hauttyp und auch die unterschiedlichen Hautpartien eines Patienten zeigen manchmal unterschiedlich ausgeprägte Symptome bzw. sind an einigen Stellen entzündet und an anderen nicht. Das Wichtigste ist deshalb, dass Neurodermitispatienten eine individuell auf sie persönlich abgestimmt Therapie erhalten. Auch im Sommer ist es deshalb sinnvoll, unterschiedliche Hautpartien, die unterschiedliche Neurodermitis-Symptome aufweisen, mit einer Basistherapie bzw. Basispflege, die bei der Neurodermitis sehr wichtig ist,  sowie mit unterschiedlichen Lotions, Salben und Cremes zur symptomatischen Therapie zu behandeln.

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