Kreuzallergien

Ute Körner, Dipl.oec.troph., Praxis für Ernährungstherapie und -beratung, Schwerpunkt Lebensmittelallergien und –unverträglichkeiten, Köln

Kreuzallergien - was bedeutet das für Pollenallergiker?

Bei Jugendlichen und Erwachsenen sind immunologische Kreuzreaktionen die häufigsten Ursachen für Nahrungsmittelallergien - in der entsprechenden Leitlinie* geht man davon aus, dass mehr als der Hälfte  der Nahrungsmittelallergien eine Sensibilisierung auf Atemwegsallergene zugrunde liegt. MeinAllergiePortal sprach mit Ute Körner, Dipl.oec.troph., Praxis für Ernährungstherapie und -beratung, Schwerpunkt Lebensmittelallergien und –unverträglichkeiten, Köln über Kreuzallergien bei Pollenallergikern.


Frau Körner, welche Erkrankung kommt zuerst, die Atemwegsallergie oder die Nahrungsmittelallergie?

Die Nahrungsmittelallergie im Sinne einer Kreuzallergie, genau genommen erst die Sensibilisierung gegen Nahrungsmittel, tritt als Folge einer Atemwegsallergie auf. Manche Betroffenen haben auch nur einen positiven Allergietest auf Pollen ohne Heuschnupfensymptome (Sensibilisierung), dennoch vertragen sie typische kreuzallergene Nahrungsmittel nicht.

Wie kommt es zu einer Kreuzallergie? Geht es hier vornehmlich um Pollenallergene, oder kommen auch Hausstaub und andere Inhalationsallergene in Frage?  

Eine Kreuzallergie entsteht durch Reaktionen des Immunsystems auf Allergene mit ähnlicher Struktur, aber verschiedener Herkunft. Hierbei löst zunächst der Kontakt mit einem Allergen A (z.B. Birkenpollen) eine Sensibilisierung aus. Die dabei gebildeten IgE-Antikörper können dann mit Nahrungsmittelallergenen (Allergen B, z.B. Apfel), die dem Allergen A sehr ähnlich sind, reagieren.
 

kreuzallergien


Das Besondere an Kreuzreaktionen ist, dass ein Allergiker (z. B. Pollenallergiker) aufgrund der bereits vorhandenen Antikörper beim erstmaligen Verzehr des Kreuzallergens (z. B. Sojaeiweiß) sehr heftig reagieren kann.

Welche "Pollenallergiker" sind von Kreuzallergien betroffen und mit welchen pollenassoziierten Nahrungsmitteln müssen diese rechnen?

Am häufigsten trifft es Menschen, die auf Frühblüher (Hasel, Erle, Birke) allergisch reagieren. So können z. B. bei einem Birkenpollenallergiker nach dem Genuss von frischen Äpfeln die Lippen jucken oder nach dem Verzehr von Haselnüssen kann der Gaumen kratzen. Kreuzallergien bei Kräuterpollenallergikern sind seltener als bei einer Allergie gegen Frühblüher, können jedoch sehr viel heftigere Reaktionen auslösen. Gräserpollenallergiker reagieren hierzulande nur sehr selten auf pollenassoziierte Nahrungsmittel, obwohl Allergietests oft fälschlicherweise positiv ausfallen.


pollen

Jeder Pollenallergiker hat sein individuelles Spektrum an Nahrungsmitteln auf die er allergisch reagiert; oft sind es nur wenige der in Listen genannten pollenassoziierten Nahrungsmittel. Ein pauschales Meiden aller Kreuzallergene ist auf keinen Fall notwendig und führt nur zu unnötigen Einschränkungen in der Ernährung. Eine umfangreiche Allergiediagnostik durch einen allergologisch spezialisierten Arzt gibt erste Hinweise auf das Pollenprofil und eine Sensibilisierung auf pollenassoziierte Lebensmittel.


Wie gehen Sie vor, um bei einem Patienten zu ermitteln, welche Nahrungsmittel gemieden werden sollten und welche er essen darf?

  1. Anamnese und Besprechung der vorhandenen Befunde (Allergietests): Durch gezieltes Befragen des Patienten und Analyse eines Ernährungs- und Symptomtagebuches kläre ich ab, welche der im Haut-/Bluttest eingegrenzten Nahrungsmittel bei ihm tatsächlich zu Symptomen führen und welche er sicher verträgt.

  2. Eliminationsdiät bzw. Auslassversuch: Falls sich durch die Anamnese nicht alle Symptome zweifelsfrei bestimmten Nahrungsmitteln zuordnen lassen und/oder das Spektrum der in Frage kommenden pollenassoziierten Nahrungsmittel sehr groß ist (z.B. bei Kombination von Birken- und Beifußpollenallergie und/oder Histaminintoleranz), erstelle ich dem Patienten eine individuell auf ihn abstimmte Eliminationsdiät. Lassen sich jedoch wenige Nahrungsmittel eindeutig ermitteln (z.B. Jucken im Mund nach dem Verzehr frischer Äpfel und Haselnüsse), reicht auch ein Auslassversuch dieser Nahrungsmittel. Den Erfolg der Eliminationsdiät bzw. des Auslassversuchs überwache ich durch ein Ernährungs- und Symptomtagebuch, das der Patient über 1 Woche führt.

  3. Kostaufbau: Durch vorsichtiges Einführen von Nahrungsmitteln, die in der Eliminationsdiät gemieden wurden, aber wahrscheinlich nicht oder nur zu leichten Symptomen führen, helfe ich dem Patienten seinen Speiseplan zu erweitern. Diese Vorgehensweise erfordert sehr viel Erfahrung. Ist eine heftige oder gar lebensbedrohliche Reaktion auf bestimmte Nahrungsmittel nicht ausgeschlossen, empfehle ich dem Patienten, diese in einer so genannten Provokation in einer Klinik auszutesten.

  4. Ergebnis der Ernährungstherapie: Der Patient erhält von mir Empfehlungen zu einem ausgewogenen Speiseplan incl. Einkaufs- und Zubereitungstipps, der seine Lebenssituation und Vorlieben berücksichtigt, aber keine Beschwerden mehr auslöst.

 

Gibt es Möglichkeiten, pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien zu vermeiden?

Wichtig ist eine frühzeitige Behandlung der Pollenallergie durch einen allergologisch spezialisierten Arzt. Eine Pollenallergie ist kein harmloser Schnupfen. Ein nicht (ausreichend) behandelter Heuschnupfen kann chronisch werden und zu einem Asthma führen. Je größer das Pollenspektrum  ist und je länger die Pollenallergie schon besteht, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, auf weitere pollenassoziierte Nahrungsmittel allergisch zu reagieren.

 
Quellen:

  • *„Nahrungsmittelallergien durch Immunologische Kreuzreaktionen“, Leitlinie der Arbeitsgruppe Nahrungsmittelallergie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI) und des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA), http://dgaki.de/wp-content/uploads/2010/05/Leitlinie_NahrungsmittelKreuzallergie2005.pdf
  • Körner U, Schareina A: Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten in Diagnostik,
    Therapie und Beratung. Haug Verlag in MVS Medizinverlage, Stuttgart, 1. Aufl. Okt. 2010.

 

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