Nahrungsmittelallergie Mastzellenstabilisatoren

Prof. Dr. med. Dr. phil. Johannes Ring, emer. Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Technische Universität München und Gründungs-Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Anaphylaxie - Training und Edukation e. V.“ (AGATE)

Nahrungsmittelallergie: Wie können Mastzellenstabilisatoren helfen?

Die Behandlungsmöglichkeiten bei Nahrungsmittelallergien sind begrenzt. Die erste Empfehlung lautet, wie bei allen Allergien, das auslösende Allergen zu meiden. Besteht die Gefahr schwererer allergischer Symptome bzw. einer anaphylaktischen Reaktion, wird dem Patienten das ständige Mitführen eines Notfall-Medikamentensets empfohlen. Medikamente zur kausalen Behandlung oder z.B. die Hyposensibilisierung, wie sie bei allergischer Rhinitis oder Asthma eingesetzt werden, gibt es für Nahrungsmittelallergiker zurzeit nicht. Ein Wirkstoff, der in der Vergangenheit u.a. in der Asthmatherapie eine führende Rolle spielte, gerät nun wieder in den Fokus, diesmal als Therapieoption für Nahrungsmittelallergiker. Im Rahmen des Kongresses „Allergologie im Kloster 2015“ sprach MeinAllergiePortal mit Prof. Dr. med. Dr. phil. Johannes Ring, emer. Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Technische Universität München und Gründungs-Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Anaphylaxie - Training und Edukation e. V.“ (AGATE) über den Mastzellenstabilisator Dinatriumcromoglycat (DNCG) und seine Potenziale für die Therapie von Nahrungsmittelallergien.

Herr Prof. Ring, wie zeigen sich Nahrungsmittelallergien?

80 bis 90 Prozent der Symptome betreffen die Haut. Das ist eigentlich überraschend, denn das Allergen wird ja über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen. An der Haut können sich allergisch bedingte Nahrungsmittelunverträglichkeiten in Form von Urtikaria, auch Nesselsucht genannt, oder als Angioödem zeigen. Auch in Form von Ekzemen oder, in ganz seltenen Fällen, als Vaskulitis, d.h. als Gefäßentzündung, können sich Nahrungsmittelallergien zeigen.

Auch an den Atemwegen kann sich eine Nahrungsmittelallergie bemerkbar machen. Man kann z.B. heuschnupfenartige Symptome oder Asthma bekommen, wenn man auf Allergene in Nahrungsmitteln reagiert. Das wird oft übersehen.

Am Darm können sich Nahrungsmittelallergien als Enteritis, d.h. Darmentzündung mit Übelkeit, Durchfall oder Schmerzattacken manifestieren.

Was spielt sich bei Nahrungsmittelallergien im Körper ab?

Bei der häufigsten Form der Nahrungsmittelallergie, der IgE-vermittelten Reaktion, spielen sich im Körper die gleichen Prozesse ab, wie wir sie beim Heuschnupfen an der Nase oder beim Asthma an der Lunge sehen.

Mastzellen werden durch den Kontakt von Allergen und IgE aktiviert und dazu gebracht, Botenstoffe freizusetzen. Dazu gehören Histamin, aber auch viele andere Substanzen, die Symptome verursachen können. Dadurch kann es z.B. zur Verkrampfung von glatten Muskeln, zur Sekretion von Drüseninhalten oder zu einer gesteigerten Permeabilität, d.h. Durchlässigkeit, der Gefäßwände kommen. Im schwersten Fall kann ein anaphylaktischer Schock eintreten, d.h. der Patient kann das Bewusstsein verlieren oder sogar sterben. Leider kann es bei Nahrungsmittelallergien auch zu Todesfällen kommen.

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