Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Dr. Markus Wenzel, Oberarzt am Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft in Schmallenberg

Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten: Unterschiede, Diagnosen, Therapien!

Nahrungsmittelunverträglichkeiten, oft auch als Nahrungsmittelintoleranzen bezeichnet, sind ein weites Feld und werden in der Öffentlichkeit vermehrt wahrgenommen. Dabei wird oft nicht unterschieden, ob es sich um allergische oder nicht-allergische Unverträglichkeiten handelt. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Markus Wenzel, Oberarzt am Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft in Schmallenberg, über die möglichen Formen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten und den jeweils richtigen Umgang mit den Erkrankungen.

Herr Dr. Wenzel, nehmen Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu oder hat man nur den Eindruck, weil sie in den Medien präsenter sind?

Bei dieser Frage spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Zum einen hat sich die Anzahl der Nahrungsmittel, die dem Verbraucher über das ganze Jahr hinweg zur Verfügung stehen, deutlich vergrößert. Dadurch kommen wir zum einen in Kontakt mit Nahrungsmitteln, an die wir nicht gewöhnt sind. Zum anderen stehen diese Nahrungsmittel auch nicht nur dann zur Verfügung, wenn sie natürlicherweise Saison haben, sondern immer.

Gleichzeitig ist in der Öffentlichkeit jedoch auch das Bewusstsein dafür gewachsen, dass Nahrungsmittel nicht grundsätzlich immer gesund sind, sondern manchmal auch schädlich sein können, eine Entwicklung, die grundsätzlich positiv zu bewerten ist. Objektiv hat die Zahl betroffener Patienten in den letzten Jahrzehnten aber zugenommen.

Diese Aussage bezieht sich auf die allergischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten?

Ja, allerdings gibt es natürlich auch nicht-allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel. Beim Verzehr von Riesengarnelen aus Asien, die mit Schimmelpilzen und Antibiotika belastet sein können, kann es zu Problemen kommen, die nichts mit Allergien zu tun haben. In diesem Fall könnte jedoch auch eine Histaminintoleranz, eine nicht-allergischen Nahrungsmittelunverträglichkeit, der Grund für Beschwerden sein. Ein Hinweis auf die Histaminintoleranz wäre es z.B., wenn der Patient auch beim Genuss anderer histaminreicher Nahrungsmittel, wie Rotwein, gereiftem Käse oder Salami, ähnliche Symptome bemerkt. Die Kiwi ist jedoch ein klassisches Beispiel für neu entstandene Allergien. Früher gab es hierzulande keine Kiwis und folglich konnte auch niemand eine Kiwi-Allergie entwickeln.

Vergleicht man jedoch die echten Nahrungsmittelallergien mit den nicht-allergischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten, so kann man aus meiner Sicht sagen, dass die nicht-allergischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten deutlich häufiger vorkommen als die echten Allergien. Dies unterscheidet sich allerdings nochmals, je nachdem um welchen Krankheitskomplex es sich handelt. Nahrungsmittelbedingt kann es zu Enteropathie, d.h. Magen-Darm-Problematiken, Asthma oder Hauterkrankungen kommen. Bei der Enteropathie sind z.B. Intoleranzen gegenüber Laktose, Fruktose und Sorbit ausgesprochen häufige nicht-allergische Unverträglichkeiten, die man sehr gut mit dem ambulant durchzuführenden H2-Atemtest diagnostizieren kann. Übrigens geht die Sorbitmalabsorption zu 90 Prozent mit einer Fruktosemalabsorption einher.

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