Diagnose Schimmelpilz Allergie

Prof. Dr. Monika Raulf, Leiterin des Kompetenzzentrums Allergologie/Immunologie am Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA) zur Schimmelpilzallergie-Diagnose!

Allergie auf Schimmelpilze: Was erschwert die Schimmelpilzallergie-Diagnose?

Viele Menschen haben den Verdacht, eine Allergie auf Schimmelpilze zu haben. Manchmal ergeben die Allergietests jedoch keinen eindeutigen Nachweis, was für die Patienten sehr unbefriedigend ist. Woran liegt es, dass eine Schimmelpilzallergie manchmal nicht nachgewiesen werden kann? MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. Monika Raulf, Leiterin des Kompetenzzentrums Allergologie/Immunologie am Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA) darüber, was die Schimmelpilzallergie-Diagnose erschwert.

Frau Prof. Raulf, die Diagnose einer Allergie auf Schimmelpilze gilt als schwierig, woran liegt das?

Die Diagnostik einer Schimmelpilzallergie unterscheidet sich nicht grundsätzlich von der Diagnostik anderer allergischer Erkrankungen. Schwierig wird sie dadurch, dass das Repertoire der kommerziell verfügbaren Schimmelpilzallergenextrakte beschränkt ist und hauptsächlich typische Arten der Außenluft umfasst.

Auch stellt die Standardisierung der Schimmelpilzextrakte nach wie vor noch eine Herausforderung bei der Herstellung dar. Vergleiche der Testlösungen unterschiedlicher Hersteller zeigen, wie heterogen die Extrakte trotz identischer Allergenquelle sind. Dieses könnte ein möglicher Grund für abweichende Befunde zwischen Hauttest und serologischer IgE-Bestimmung sein.

Warum sind die Schimmelpilzallergenextrakte nur beschränkt verfügbar und was macht die Standardisierung der Schimmelpilzextrakte so schwierig?

Die Schwierigkeit der Herstellung von geeigneten und standardisierten Schimmelpilzextrakten liegt u.a. auch daran, dass die Kultivierungs- und Wachstumsbedingungen der Schimmelpilze die Expression – d.h. die Ausprägung der genetischen Information - von Proteinen stark beeinflussen kann, so dass z.B. bei einer kürzeren Kultivierungszeit weniger Proteine und damit auch weniger potentielle Allergene exprimiert werden. Somit führen die Komplexität der Pilze und ihre unterschiedlichen Wachstumsphasen zu einer großen Allergenvielfalt.

Sind denn alle Schimmelpilzarten bekannt?

Es wird allgemein davon ausgegangen, dass es über eine Million Schimmelpilzarten gibt. Bislang sind ca. 350 Arten als potentiell sensibilisierend gelistet. Die WHO/IUIS-Kriterien zur Klassifizierung eines Allergens erfüllen aktuell 107 Pilzallergene aus 43 Pilzarten.

Wie hoch der Anteil der sensibilisierenden Schimmelpilzarten insgesamt ist, kann aus dieser Angabe allerdings nicht geschlussfolgert werden. Extrakte zur Hauttestung bzw. serologische Testallergene zum Nachweis einer IgE-vermittelten Schimmelpilzallergie sind aktuell in Deutschland von ca. 15 Pilzspezies erhältlich und die Tendenz ist sinkend. Testallergenlösungen von typischen Innenraumpilzallergenextrakten fehlen weitgehend.

Welche Schimmelpilzarten sind häufige Verursacher von Schimmelpilzallergien und wo kommen sie vor, in häuslichen Innenräumen, am Arbeitsplatz oder in der Natur?

Da Pilzsporen die typischen Verbreitungsorgane von Schimmelpilzen sind, spielt die Flugfähigkeit der Sporen, die wiederum von der Größe und dem Gewicht abhängig ist, sowohl für die Verbreitung als auch für die Sensibilisierung eine nicht unerhebliche Rolle. So besitzen Penicillium- und Aspergillus-Arten trockene und sehr flugfähige Sporen, die durch leichte Luftbewegungen verbreitet werden können. Schlecht flugfähige Sporen, weil sie z.T. feucht und in einer Schleimmatrix eingebettet sind, besitzen die Gattungen Acremonium und Fusarium sowie die Art Stachybotrys chartarum.

Als häufigen Auslöser von Allergien findet man den Außenluft-Schimmelpilz Alternaria alternata. Auch Cladosporium-Sporen gehören zu den dominanten Schimmelpilz-Vertretern der Außenluft und werden eher häufiger getestet, so dass Sensibilisierungsprävalenzen bekannt sind.

Schimmelpilze wie Aspergillus fumigatus, Penicillium chrysogenum gehören ebenfalls zu den Schimmelpilzen, von denen allergisierendes Potential häufiger getestet wird, wobei Penicillium chrysogenum und auch einige Aspergillus-Arten (wie z.B. Aspergillus versicolor) eher zu den typischen Vertretern in Innenräumen gezählt werden.

In bestimmten Arbeitsbereichen können Schimmelpilze in hohen und z.T. gesundheitlich-relevanten Konzentrationen auftreten, wobei es sich dabei um Schimmelpilzbefall der Arbeitsumgebung (z.B. Bausubstanzen der Arbeitsräume) oder auch um einen direkten Umgang mit schimmelpilzhaltigen Arbeitsstoffen handeln kann.

Ein Umgang mit schimmelpilzhaltigen Arbeitsstoffen ist bei Landwirten durch Umgang mit schimmeligem Heu oder Stroh, bei Beschäftigten in der Abfallwirtschaft, z.B. auf Kompostieranlagen, und im Gartenbau gegeben. Untersuchungen zeigen, dass in einem 1-Monat alten Kompost die Schimmelpilzflora bis zu 90 Prozent aus Aspergillus fumigatus bestand, so dass dieser Schimmelpilz häufig als Leitschimmelpilz bei entsprechenden Expositionsbestimmungen erfasst wird.

Aber auch bei Expositionen gegenüber anderen organischen Stäuben, so genannten Bioaerosolen, wie z.B. in der Holzverarbeitung oder beim Umgang mit Futtermittel-, Mühlen- und Bäckereistäuben, wurden erhöhte Schimmelpilzkonzentrationen nachgewiesen.

In Bereichen der Lebensmitteltechnologie, wie z.B. in Käsereien, Mälzereien oder bei der Säureproduktion, kommt es ebenfalls zu aerogener Belastung mit Schimmelpilzen.

Vergleicht man das sensibilisierende Potential von Schimmelpilzen mit anderen Umweltallergenen  - wie sieht dann die Gefährdung aus?

Potentiell können alle Schimmelpilze sensibilisierend wirken, allerdings wird das sensibilisierende Potenzial von Schimmelpilzen im Vergleich zu anderen Umweltallergenen, wie etwa Allergenen von Gräser- und Baumpollen oder Hausstaubmilben, als deutlich geringer eingeschätzt. Aktuelle Studien – sowohl bevölkerungs- als auch patientenbezogen – zeigen europaweit eine vergleichsweise geringe Sensibilisierungsprävalenz von 3 bis 10 Prozent gemessen an der Gesamtbevölkerung.

Grundsätzlich ist festzustellen, dass eine Sensibilisierung – auch auf Schimmelpilze – nicht gleichzusetzen ist mit einer klinisch relevanten Allergie.

Gibt es bei der Entwicklung einer Allergie auf Schimmelpilze verstärkende Faktoren? Spielen z.B. auch Schadstoffe oder andere Stoffe eine Rolle, so wie der Feinstaub bei den Pollenallergien?

Ob und in welchem Ausmaß es bei einer Schimmelpilzexposition zu allergischen Symptomen kommt, hängt nicht nur von der Höhe und Stärke der Exposition ab, sondern auch von der Suszeptibilität des Exponierten, d.h. der Empfindlichkeit des Individuums gegenüber äußeren Einflüssen.

Selten findet man eine isolierte Schimmelpilzsensibilisierung (eine Monosensibilisierung), häufiger sind diese bei polysensibilisierten Personen zu finden, so dass nicht allein äußere Faktoren die Schimmelpilzsensibilisierung beeinflussen können. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass sich unter den für Schimmelpilze optimalen Lebensbedingungen auch andere Mikroorganismen wie z.B. die Actinomyceten, eine Bakterienart, und Kleinlebewesen wie Milben als weitere Allergenquelle gut vermehren, so dass hier gegebenenfalls Triggerfaktoren vorliegen können.

Wie sollte man bei der Diagnose einer Schimmelpilzallergie vorgehen? Welches spezielle Fachwissen benötigt ein Arzt, um die Diagnose auf eine Schimmelpilzallergie richtig zu stellen?

Die Diagnose einer Schimmelpilzallergie setzt sich im Prinzip aus den gleichen Schritten zusammen wie der Nachweis einer Allergie gegen andere Sensibilisierungsquellen.

Kernelemente der Allergiediagnostik bei Schimmelpilzen sind Anamnese, Hauttestungen, soweit verfügbar, allerdings mangelt es, wie gesagt, an geeigneten Extrakten, spezifische IgE-Bestimmung und Provokation.

Empfehlenswert für die Diagnostik ist sicherlich die aktuelle AWMF-Schimmelpilz-Leitlinie (S2k), Register-Nr. 161/001 „Medizinisch klinische Diagnostik bei Schimmelpilzexposition in Innenräumen“ (veröffentlicht 11.04.2016).

Wichtig in diesem Zusammenhang ist in der Leitlinie auch die Klarstellung, welche diagnostischen Tests nicht sinnvoll und daher nicht empfehlenswert sind. So ist z.B. ein Lymphozytentransformationstest (LTT) auf Schimmelpilze zum Nachweis einer Schimmelpilzallergie nicht sinnvoll.

Wie findet der Patient, der den Verdacht hat, eine Schimmelpilz Allergie zu haben, einen Spezialisten?

Beim Verdacht auf eine Schimmelpilzallergie sollte sich der Patient an einen Arzt mit der Zusatzbezeichnung ‚Allergologie‘ wenden, der über die entsprechenden Kenntnisse verfügt. Bei Verdacht auf gesundheitliche Beeinträchtigungen durch einen Feucht-/bzw. Schimmelpilzschaden können sich Betroffene z.T. an das zuständige Gesundheitsamt, Wohnungs- bzw. Sozialamt sowie an Verbraucherzentralen wenden, um hier Hilfestellungen zu bekommen. In einigen Städten und Regionen haben sich Netzwerke gebildet, die auch Hilfe vor Ort leisten können. Kontaktdaten findet man auf der Homepage des Umweltbundesamtes, das auch Informationsbroschüren zur Schimmelpilz-Innenraumproblematik bereithält.

Frau Prof. Raulf, herzlichen Dank für dieses Interview!

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.