Leaky Gut löchriger Darm Tight Junctions

PD Dr. Miriam Stengel, Vorsitzende von MAGDA – das Patientenforum für MAGen-DArm-Störungen der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) und Ärztin an der Klinik für Innere Medizin am Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin

Leaky Gut-Syndrom – Tight Junctions – was ist dran an diesem Krankheitsbild?

Das Krankheitsbild „Leaky Gut-Syndrom“ wird heftig diskutiert. Gerade bei unklaren Bauchbeschwerden hat die Vorstellung, ein „löchriger Darm“ sei die Ursache für die Beschwerden, eine gewisse Logik. Teil des Problems sind die „Tight Junctions“, die nicht „dicht“ genug sind und schädliche Stoffe passieren lassen, die unangenehme Symptome verursachen. Die Frage ist: Wie relevant ist das Leaky Gut-Syndrom für Patienten mit Bauchbeschwerden? Welche Zusammenhänge betehen zu Zöliakie oder Reizdarm? Mit PD Dr. Miriam Stengel, Vorsitzende von MAGDA – das Patientenforum für MAGen-DArm-Störungen der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) und Ärztin an der Klinik für Innere Medizin am Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin sprach MeinAllergiePortal über die Bedeutung des Leaky Gut-Syndroms und der Tight Junctions.

Frau Privatdozentin Stengel, was versteht man unter einem Leaky Gut-Syndrom?

Aus meiner Sicht kann man „Leaky Gut“ nicht als Syndrom bezeichnen. Vielmehr beschreibt „Leaky Gut„  ein Symptom bzw. einen Zustand, der den gesamten Magendarmtrakt betreffen kann. Übersetzt bedeutet „Leaky Gut“ „löchriger Darm“, und ein „löchriger Darm“ kann als Begleiterscheinung bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen, wie z.B. Zöliakie, Typ-1-Diabetes, Rheumatoider Arthritis oder Multipler Sklerose, auftreten. Der Zustand „Leaky Gut“ alleine macht jedoch noch nicht krank. Allerdings muss auch festgehalten werden, dass es zum Thema „Leaky Gut“ sehr gegensätzliche Meinungen gibt.

Wie muss man sich den “Leaky Gut“, den „löchrigen Darm“ denn vorstellen, heißt das, der Darm hat tatsächlich regelrechte „Löcher“?

Der Darm nimmt viele Nährstoffe auf, diese Aufnahme erfolgt kontrolliert, durch verschiedene im Darm vorhandene Kanäle, Transporter und aktive Prozesse. Die oberste Schicht des Darms besteht aus vielen Epithelzellen, die die Außenhaut des Darms bilden und die Aufgabe haben, den Darm einerseits gut abzudichten und andererseits die wichtigen Nährstoffe durchzulassen.

Unter anderem durch kleine Räume zwischen den Zellen, die „Tight Junctions“, die die Zellzwischenräume abdichten, erfolgt die Nährstoffaufnahme. Wenn diese Zellzwischenräume unkontrolliert größer werden oder unkontrolliert entstehen, erhöht dies die Permeabilität, d.h. die Durchlässigkeit, des Darms. Dann können unter Umständen Moleküle durch die Darmwand hindurchgelangen, z.B. Antigene oder Bakterienprodukte, die nicht hindurchgelangen sollten und die im Körper eine Immunantwort auslösen.

Vergleichbar ist dies mit den „Tight Junctions“ der Haut, denn der Darm ist im Grunde nichts anderes als eine „innere Haut“. Schließen die „Tight Junctions“ der Haut nicht dicht, ist die Hautbarriere gestört, schädliche Stoffe gelangen hindurch und lösen ebenfalls  Beschwerden aus. Die Permeabilität des Darms wird jedoch nicht allein von den  „Tight Junctions“ an sich bestimmt, es gibt weitere Faktoren.

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