Dermatitis herpetiformis Duhring Zöliakie

Professor Dr. med. Andreas Stallmach, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie am Universitätsklinikum Jena und Experte der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs-, und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)

Dermatitis herpetiformis Duhring - eine Sonderform der Zöliakie

"Chamäleon der Gastroenterologie" – so nennen Mediziner die Zöliakie. Individuell sehr unterschiedliche Symptome und eine ganze Reihe von Erkrankungen, die mit der Zöliakie einhergehen können, u.a. auch die Dermatitis herpetiformis Duhring, auch Morbus Duhring genannt, verhalfen ihr zu dieser Bezeichnung. Die Folge: Viel zu oft bleibt die Zöliakie unerkannt! Abhilfe schaffen soll die kürzlich veröffentlichte Leitlinie, die Mediziner bei der Diagnose und Therapie der Erkrankung unterstützt. MeinAllergiePortal sprach mit Professor Dr. med. Andreas Stallmach, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie am Universitätsklinikum Jena und Experte der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs-, und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), der an der Koordination der Zöliakie-Leitlinie der DGVS maßgeblich beteiligt war, über den Zusammenhang von Dermatitis herpetiformis Duhring und Zöliakie.

Herr Prof. Stallmach, was versteht man unter einer Dermatitis herpetiformis Duhring? Welche Zusammenhänge bestehen zwischen der Dermatitis herpetiformis Duhring  und der Zöliakie?

Der Morbus Duhring ist eine chronische blasenbildende Hauterkrankung. Zunächst bemerken die Patienten einen starken Juckreiz und es bilden sich kleine Pickel oder Pusteln, die dann in Blasen übergehen. Das Hautbild verschlimmert sich und kann sich auch auf die Extremitäten, den Rücken oder im Genitalbereich ausdehnen.

Die Dermatitis herpetiformis Duhring ist allerdings eine sehr seltene Erkrankung. In Deutschland gehen wir von einem Patienten mit Morbus Duhring auf ca. 1 Million Einwohner aus. In einigen Ländern Europas kommt die Erkrankung allerdings wesentlich häufiger vor. Dazu gehören z.B. Skandinavien, England, Schottland und insbesondere Irland. Die Inzidenz, d.h. die Häufigkeit, mit der die Erkrankung auftritt, liegt dort bei 1 zu 100.000 bis 1 zu 50.000. Für eine Stadt wie Berlin mit 4,5 Millionen Einwohnern heißt das, dass zwischen 4 und 10 Patienten einen Morbus Duhring haben. Man kann sich also ausrechnen, wie oft ein Berliner Hautarzt in seinem Leben einen solchen Patienten zu sehen bekommt.

Weiß man, warum der Morbus Durhing in diesen Ländern gehäuft auftritt?

Man weiß, dass beim Morbus Duhring genetische Einflüsse eine ganz wesentliche Rolle spielen. Die Dermatitis herpetiformis Duhring kann im weitesten Sinne in den Formenkreis der Autoimmunerkrankungen gerechnet werden, d.h. sie gehört zu den Erkrankungen bei denen das körpereigenen Immunsystem eine Rolle spielt. Diese Autoimmunerkrankungen gehen mit einer genetischen Disposition, d.h. mit einer gewissen Empfänglichkeit für die Entwicklung einer Erkrankung, einher. Man erbt von seinen Eltern die Gene und wenn es zur Häufung von Genveränderungen kommt, bestimmte Gene dann zusammentreffen, entsteht eine genetische Disposition, d.h. man ist grundsätzlich empfänglich für die Entwicklung dieser Erkrankung. Kommen dann noch andere Faktoren hinzu, z.B. Umweltfaktoren, kann sich eine solche Erkrankung manifestieren, d.h. sichtbar werden.

Heißt das, dass in den genannten Ländern die Wahrscheinlichkeit, dass zwei durch die Dermatitis herpetiformis Duhring genetisch vorbelastete Eltern aufeinandertreffen, höher ist als in anderen Ländern?

Ja, das kann man so sagen. Ein Beispiel: Wenn in einem kleineren Ort, in dem viele Leute mit roten Haaren leben, untereinander geheiratet wird, ist die Wahrscheinlichkeit, dass viele rothaarige Kinder geboren werden, deutlich größer als anderswo. Ebenso verhält es sich in geographischen Regionen, in denen die genetische Disposition für Morbus Duhring häufiger auftritt.

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