Zöliakie Leitlinie

Frau Dr. Stephanie Baas, medizinische Beraterin der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e.V. (DZG) in Stuttgart

Die neue Zöliakie-Leitlinie: Was ist wichtig für die Betroffenen?

Noch immer bleibt Zöliakie in vielen Fällen sehr lange unerkannt, bevor die richtige Diagnose gestellt wird. Für die Patienten ist dies verlorene Zeit. Die neue Zöliakie-Leitlinie will u.a. auch bei der Diagnose Klarheit schaffen. Frau Dr. Stephanie Baas, medizinische Beraterin der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e.V. (DZG) in Stuttgart war an der Erarbeitung der neuen Zöliakie-Leitlinie beteiligt. Mit MeinAllergiePortal sprach sie über die wichtigsten Punkte.

Frau Dr. Baas, was ist in Bezug auf die neue Zöliakie-Leitlinie wichtig zu wissen?

Der wichtigste Aspekt ist, dass jetzt erstmals eine Zöliakie-Leitlinie für Deutschland erarbeitet wurde.

Bisher wurden in Deutschland die ESPGHAN-Leitlinien genutzt, die Leitlinien der European Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatogy and Nutrition, d.h. der europäischen Gesellschaft für Kinder-Gastroenterologie. Diese Leitlinien bezogen sich eigentlich nur auf die Behandlung von Kindern.

Die neue Zöliakie-Leitlinie bezieht sich hingegen auf Kinder und Erwachsene gleichermaßen, es wird jedoch in manchen Punkten zwischen der Diagnose, dem Vorgehen bzw. der Behandlung von Erwachsenen und Kindern unterschieden.

Können Sie ein Beispiel für eine unterschiedliche Vorgehensweise bei Kindern und Erwachsenen nennen?

Z.B. wird in der neuen Zöliakie-Leitlinie für Erwachsene auf jeden Fall eine Biopsie zur Diagnose der Zöliakie empfohlen. Für die Kinder hat die  neue Zöliakie-Leitlinie die Empfehlungen aus den ESPGHAN-Leitlinien übernommen und erlaubt in bestimmten Fällen eine Diagnose, auch ohne eine zusätzliche Biopsie.

Was ist ansonsten noch wichtig bei der neuen Zöliakie-Leitlinie?

Im ersten Teil der neuen Zöliakie-Leitlinie gibt es eine sehr umfassende Beschreibung der möglichen Symptome der Zöliakie. Außerdem wird sehr ausführlich beschrieben, wie die einzelnen Formen der Zöliakie aussehen, wie sie sich unterscheiden und mit welchen Begriffen sie benannt werden – einige Bezeichnungen hat man auch verworfen.
In der Vergangenheit kam es häufig zu Missverständnissen. Z.B. kam kürzlich eine Patienten auf mich zu, bei der eine „latente Zöliakie mit den vollumfänglichen Symptomen einer Zöliakie“ diagnostiziert wurde. Die neue Leitlinie schafft hier Klarheit und dadurch haben wir erstmals eine einheitliche Nomenklatur.

Der zweite Teil der neuen Zöliakie-Leitlinie bezieht sich auf die Diagnostik. Hier wurde definiert, wer wie untersucht werden sollte bzw. wie sich die Risikogruppen definieren. Eindeutig festgehalten wurde, wie bei der Diagnose eine Zöliakie vorzugehen ist. Dazu gehören z.B. ein Test auf Transglutaminase-Antikörper oder Endomysium-Antikörper mit Bestimmung des Gesamt-IgA und im zweiten Schritt eine Biopsie. In bestimmten Situationen können die Gliadin-Antikörper bestimmt werden, dies sollte jedoch nicht die erste diagnostische Maßnahme sein. Weiter geht die Leitlinie auf das Vorgehen bei IgA-Mangel ein.

Auch die Voraussetzungen für einen Gentest wurden in der neuen Zöliakie-Leitlinie gut beschrieben, und die Histologie wird in der neuen Zöliakie-Leitlinie sehr gut dargestellt. Letztlich geht die neue Zöliakie-Leitlinie auch auf die Behandlung der Zöliakie und die nötigen Verlaufskontrollen ein.

Im letzten Kapitel beschreibt die neue Zöliakie-Leitlinie die Sondergruppe der refraktären Zöliakie. Dabei werden die verschiedenen Unterformen und Übergänge, z.B. zum Lymphom und die ulcerative Jejunitis sehr genau beschrieben.

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