Zöliakie Laktoseintoleranz Fruktosemalabsorption

Dr. Stephanie Baas, medizinische Beraterin der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e.V. (DZG) in Stuttgart zu Häufigkeit und Ursachen von Laktoseintoleranz oder Fruktosemalabsorption bei Zöliakie und was man dagegen tun kann!

Zöliakie plus Laktoseintoleranz oder Fruktosemalabsorption: Wie kommt es dazu?

Immer wieder berichten Menschen mit Zöliakie, dass sie auch beim Verzehr von Laktose oder Fruktose Beschwerden haben. Daraus ergibt sich die Frage, ob Zöliakie diese Unverträglichkeiten begünstigen könnte. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Stephanie Baas, medizinische Beraterin der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e.V. (DZG) in Stuttgart über Häufigkeit und Ursachen von Laktoseintoleranz oder Fruktosemalabsorption bei Zöliakie und was man dagegen tun kann.

Frau Dr. Baas, was steckt dahinter, wenn es durch eine Zöliakie zusätzlich zu Laktoseintoleranz oder Fruktosemalabsorption kommt?

In der Dünndarmschleimhaut befinden sich Enzyme, die für die Verdauung von Nährstoffen wichtig sind. Außerdem sind dort wichtige Transportmechanismen lokalisiert. Durch die Zöliakie kommt es zu einer Schädigung der Dünndarmschleimhaut, was dazu führt, dass die Enzyme und Transportmechanismen weniger gut funktionieren. Ursächlich dafür ist zum einen die durch den Abbau der Darmzotten reduzierte Schleimhautfläche des Dünndarms. Zum anderen führt auch die Entzündung dazu, dass die Darmschleimhaut weniger Enzyme und Transporter bilden kann.  

Gerade die Enzymproduktion der Laktase, des Enzyms, das für die Verdauung der Laktose sorgt, ist relativ anfällig. Bereits nach schwereren Magen-Darm-Infekten, wie z.B. einer Rotavirus-Infektion oder einer anderen Virusenteritis beobachtet man häufig bei Kindern, dass sie vorübergehend Laktose schlechter verwerten können, so dass es zu Symptomen kommt. Dabei handelt es sich um eine sogenannte sekundäre Form der Laktoseunverträglichkeit, d.h. einer Laktoseintoleranz auf Grundlage einer anderen Erkrankung. Sobald sich die Dünndarmschleimhaut regeneriert hat, bilden sich auch die Symptome der Unverträglichkeit zurück und die Laktose wird wieder besser vertragen. Es gibt aber auch noch eine primäre Form der Laktoseintoleranz.

Anzeige

Was versteht man unter einer primären Laktoseintoleranz?

Die primäre Form der Laktoseintoleranz ist genetisch bedingt und kann in verschiedenen Ausprägungen vorliegen. So gibt es Allele, die eine Verträglichkeit von Laktose entweder begünstigen oder auch nicht. Ca. 70 Prozent der Menschen weltweit vertragen Laktose nicht lebenslang, d.h. in den ersten Lebensjahren ist Laktose verträglich und danach nimmt die Fähigkeit, Laktose zu verarbeiten, ab.  

Bei der Fruktosemalabsorption kommt es dadurch zu Unverträglichkeitssymptomen, dass der für die Verdauung von Fruktose zuständige Transporter entweder nicht funktioniert oder in zu geringer Zahl in der Darmschleimhaut vorhanden ist. Auch bei der Fruktosemalabsorption können genetische Ursachen eine Rolle spielen.

Wie häufig treten Laktoseintoleranz oder Fruktosemalabsorption im Zusammenhang mit Zöliakie auf?

Zum Vorkommen von Laktoseintoleranz oder Fruktosemalabsorption bei Zöliakie-Patienten gibt es nur wenige Zahlen. Eine Studie weist bei Diagnosestellung von Zöliakie 39 Prozent von Laktoseinoleranz betroffene Patienten aus, bei Patienten unter glutenfreier Diät hat man 13 Prozent Laktoseinolerante festgestellt, was der primären Form der Laktoseintoleranz entspricht. In einer anderen Studie an Kindern kommt man mit 38 Prozent Betroffenen zu einem ähnlichen Ergebnis.1)

Eine italienische Studie, die das Auftreten von Zöliakie bei Menschen mit Laktoseintoleranz untersucht hat, ermittelte bei 24 Prozent der untersuchten Patienten mit Laktoseintoleranz auch eine Zöliakie.2) Eine weitere Studie untersuchte Patienten mit Zöliakie, bei denen sich die Symptome unter einer glutenfreien Ernährung nicht gebessert haben und fanden bei 8 Prozent der untersuchten Patienten auch eine Laktoseintoleranz.3) Man könnte also vermuten, dass die Laktoseintoleranz eher eine Folge der Zöliakie war, als umgekehrt. Ebenso könnte es sich um Patienten mit primärer Laktoseintoleranz handeln.

Grundsätzlich sind in Deutschland ca. 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung von einer primären Laktoseintoleranz betroffen. Man kann davon ausgehen, dass dies unter Zöliakie-Patienten ähnlich ist.

Anzeige

 

Für die Fruktosemalabsorption gilt, dass in der westlichen Welt ca. 8 bis 15 Prozent der Bevölkerung betroffen sind, sodass man auch bei von Zöliakie Betroffenen von ähnlichen Zahlen ausgehen kann. Eine gewisse Schnittmenge der Bevölkerung ist von allen drei Erkrankungen betroffen.

Wenn bei Zöliakie-Patienten trotz glutenfreier Diät die Beschwerden nicht besser werden, sollte man überprüfen, oder eine Fruktosemalabsorption oder Laktoseintoleranz besteht.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.