Sojaallergie

Prof. Dr. med. habil. Regina Treudler, Leitende Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Universitätsklinikum Leipzig.

Sojaallergie: Wie sensibilisiert man sich? Welche Produkte sind zu meiden?

Eine Sojaallergie kann man aus unterschiedlichen Gründen entwickeln und auch die Symptome sind nicht immer gleich ausgeprägt. Hinzu kommt, dass nicht alle Menschen wissen, dass sie gegen Soja sensibilisiert sind. Wie sensibilisiert man sich gegen Soja? Welches sind die Risikofaktoren? Welche Produkte enthalten Soja? Muss man diese allesamt meiden? MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. med. habil. Regina Treudler, Leitende Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Universitätsklinikum Leipzig.

Frau Prof. Treudler, eine Sojaallergie kann als Nahrungsmittelallergie, als pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie oder als Inhalationsallergie auftreten, was ist der Unterschied?

Der Unterschied liegt einerseits in der Art, wie der Körper erstmalig in Kontakt mit den allergieauslösenden Eiweißen kommt (Sensibilisierungsweg), andererseits unterscheiden sich auch die klinischen Symptome.
So können z. B. Angestellte in der Lebensmittelindustrie beim Verladen oder Verarbeiten von Sojabohnen Stäube einatmen, die an den Atemwegen zu einem allergischen Schnupfen oder einem Asthma führen. Das nennen wir Inhalationsallergie.

Andere Patienten kommen über die Atemwege mit Pollen frühblühender Bäume (Birke, Erle, Hasel) in Kontakt und erwerben so eine Inhalationsallergie auf die jeweiligen Pollen. Bestimmte Polleneiweiße, insbesondere das Hauptbirkenpollenallergen Bet v 1, gleichen von der Struktur her einem wichtigen Sojaallergen, nämlich dem Gly m 4. Allergieauslösende IgE Antikörper, die eigentlich gegen das Birkenpollenallergen gerichtet sind, können so im Sinne einer Kreuzreaktion mit dem Sojaallergen reagieren und Beschwerden auslösen. Hier ist besonders dramatisch, dass viele Patienten mit Birkenpollenallergie bereits beim ersten Verzehr eiweißreicher Sojaprodukte, z. B. Drinks, teils schwere allergische Symptome einer Nahrungsmittelallergie mit Kribbeln und Schwellen der Mundschleimhaut, Nesselfieber, Atemnot, Magen-Darm Beschwerden und Kreislaufsymptomen (allergischer Schock) entwickeln können. Tritt so etwas auf, sprechen wir von einer sekundären (pollenassoziierten) Nahrungsmittelallergie. Die auslösenden Allergene (sogenannte Bet v 1 Homologe) können durch Verarbeitung (Erhitzen) der Sojaprodukte zerstört werden.

Seltener kommt es zu einer primären Nahrungsmittelallergie, bei der es durch den Verzehr von Sojaprodukten zu einer Sensibilisierung auf sogenannte Sojaspeicherproteine mit der Allergenbezeichnung Gly m 5 und Gly m 6  über den Darm kommt. Diese Form der Sojaallergie wird häufiger bei Kindern als bei Erwachsenen beobachtet und kann ebenfalls mit schweren Symptomen beim Verzehr von Sojaprodukten einhergehen. Anders als das Gly m 4 bei der sekundären Nahrungsmittelallergie werden diese Sojaspeicherallergene durch Erhitzen nicht zerstört.

Kann man sich denn auch über die Haut auf Sojaallergene sensibilisieren?

Das Problem einer möglichen Sensibilisierung über die Haut wird vor allem in Zusammenhang mit erdnussölhaltigen Produkten diskutiert, denn Erdnussöl wird in Kosmetikprodukten relativ häufig eingesetzt. Auch sojahaltige Kosmetikprodukte werden durchaus angeboten, deshalb ist eine Sensibilisierung auf Soja und die Entwicklung einer Nahrungsmittelallergie theoretisch denkbar.

Allerdings ist es fraglich, wie wahrscheinlich ein solcher Sensibilisierungsweg ist. In Kosmetikprodukten werden in der Regel die Ölfraktionen von Soja und Erdnuss, d.h. die Fette, eingesetzt - das gilt sowohl für Soja als auch für die Erdnuss. Die Fette oder auch Lezithine sind jedoch eigentlich nicht allergen, denn Allergien werden durch die Proteine, d.h. die Eiweiße, ausgelöst. Es mag eine Rolle spielen, in welchem Maße der Aufreinigungsprozess im Rahmen der Fettgewinnung sämtliche Proteine aus den Ölen entfernt, aber eine wichtige Rolle spielt der Sensibilisierungsweg über die Haut sicher nicht.

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