Schwellungen Angioödem

Privatdozentin Dr. med. Petra Staubach, Leiterin der Urtikaria und Angioödem-Sprechstunde der Hautklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz zu Schwellungen und möglichen Ursachen!

Schwellungen? Wann ist es ein Angioödem? Mögliche Ursachen?

Eine Schwellung, z.B. an den Händen oder Füßen, kann viele Ursachen haben. Zu Schwellungen kommt es jedoch auch bei bestimmten Hauterkrankungen, z.B dem  Angioödem, das durch unterschiedliche Auslöser entstehen kann. MeinAllergiePortal sprach mit Privatdozentin Dr. med. Petra Staubach, Leiterin der Urtikaria und Angioödem-Sprechstunde der Hautklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz und Referentin bei den Düsseldorfer Allergietagen über Schwellungen, mögliche Ursachen und was der Grund sein könnte.

Frau Privatdozentin Staubach, wann spricht man von einer „Schwellung“, wann von einem Angioödem und wann von Quaddeln?

Eine Schwellung beschreibt lediglich die Volumenzunahme eines Organs, d.h. wenn sich ein Gewebe ausdehnt. Hier gibt es verschiedene Ursachen z.B. bei Tumoren oder Einflussstauungen. Die Schnelligkeit der Umfangsvermehrung gibt uns hier Hinweise zur möglichen Ursache.

Dagegen ist ein Angioödem eine rasch auftretende, lokalisierte Schwellung der Haut bzw. der Schleimhaut und darunter liegender Schichten (Subkutis und Submukosa), die auf einer plötzlichen Erhöhung der Permeabilität, d.h. Durchlässigkeit, der Gefäßwände beruht. Ein Angioödem dauert in der Regel weniger als 72 Stunden.

Quaddeln, oder auch Urtikaria (von lat. Urtica = Brennnessel), Quaddelsucht oder Nesselfieber genannt, bezeichnen ein akutes oder chronisches Auftreten von egroßflächigen, d.h. mit einem Hautausschlag behafteten, oder lokalisierten, flüchtigen, juckenden Quaddeln (Urticae) und oder Angioödemen. Der Name Urtikaria kommt von der Brennnessel, der Urtica, weil die Haut aussieht, als sei man in eine Brennnessel gefallen.

Welche Mechanismen stecken hinter einem Angioödem das auch mit Quaddeln auftreten kann?

Die häufigste Untergruppe der Angioödeme sind die mastzellassoziierten Angioödeme. Hier werden Mastzellen, die wir im Körper unter anderem in der Haut und den Schleimhäuten haben, geärgert, und es kommt zum Auftreten von Quaddeln und/oder Angioödemen. Das klinische Bild unterscheidet sich, aber die Mechanismen sind die gleichen.

Bei bei den Symptomen sind die Mastzellen für die Quaddeln, Rötungen und den Juckreiz verantwortlich. Die Mastzellen werden geärgert und setzen viele Botenstoffe aus, unter anderem Histamin, und es kommt zu den Symptomen. Hier helfen Medikamentn wie Antihistaminika, manchmal auch hochdosiert, und, in Notfällen, bei schweren, akuten Attacken, auch mal kurzzeitig Kortison.  

Gibt es noch andere Angioödem Subtypen ?

Es gibt die oben erwähnten histamininduzierten oder auch mastzellabhängigen Angioödeme, die zusammen mit Quaddeln, aber auch ohne Quaddeln auftreten können. Die histamininduzierten Angioödeme sprechen gut auf Antihistaminika oder Kortison an.

Weiter gibt es die nicht-mastzellassoziierte Gruppe der Angioödeme. Dazu zählen die Bradykinin-induzierten Angioödeme, die zum einen vererbt werden können,   z.B. das Hereditäre Angioödem (HAE) oder erworbene Formen. Die nicht-mastzellassoziierten Angioödeme dauern häufig mehr als zwei Tage und sind vorwiegend bei den vererbten Formen mit Magen-Darm-Attacken vergesellschaftet, d.h. hier sind zusätzlich die inneren Organe betroffen. Bei den meisten vererbten Angioödemen fehlt ein Komplementfaktor im Blut.

Weiterhin sind Medikamente wie ACE-Hemmer als Auslöser der erworbenen nichtmastell-assoziierten Angioödeme zu nennen. Das tückische hier ist, dass die Angioödeme nicht nach der ersten Einnahme einer solchen Tablette sondern erst viel später auftreten können. Auf jeden Fall sind die Medikamente dannn sofort abzusetzen.

Wie man sich vorstellen kann hilft bei den nichtmastzell-assoziierten Angioödemen auch kein Antihistaminikum oder auch nicht Kortison. Es gibt je nach Ursache/Trigger andere Therapieoptionen. Entweder man kann bei den vererbten Angioödemen den Faktor injizieren, der den Patienten fehlt oder aber man kann über die Bradykininschiene Therapieoptionen anbieten, zum Beispiel mit einem sogenannten Bradykinin-B2-Rezeptor-Antagonisten, der dann off-label eingesetzt werden müsste.  

Dann gibt es eine Gruppe von Angioödemen, über die wir noch nicht so viel wissen, die sogenannten idiopathischen Angioödeme.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.