spezifische Immuntherapie Tabletten

Prof. Ralph Mösges vom Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Epidemiologie in Köln

Die neue spezifische Immuntherapie mit Tabletten: Wann ist sie erfolgreich?

Die spezifische Immuntherapie (SIT), auch Hyposensibilisierung oder Allergieimpfung genannt, ist zurzeit die einzige Therapie, mit der man eine Allergie ursächlich behandeln kann. Die spezifische Immuntherapie ist allerdings eine langwierige Behandlung, erfolgt sie doch über mehrere Jahre und baut ihre Wirkung erst langsam auf. Die volle Wirkung ist erst nach drei Jahren gegeben. Die Therapie verlangt vom Patienten deshalb ein erhebliches Maß an Mitarbeit, d.h. eine Therapietreue, die ausschlaggebend für den Behandlungserfolg ist und in manchen Fällen entstehen hier Probleme. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Ralph Mösges vom Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Epidemiologie in Köln über den Nutzen der neuartigen spezifischen Immuntherapie mit Tabletten für die Patienten und was sie erfolgreich macht.

Herr Prof. Mösges, was können Patienten von einer neuartigen spezifischen Immuntherapie mit Tabletten erwarten? 

Um diese Frage zu beantworten habe wir haben anhand von 1.400 Patienten untersucht, wie die Patienten den Schweregrad ihrer Symptome vor und nach der spezifischen Immuntherapie nit den neuartigen Tabletten einschätzen. Das Ergebnis: Im ersten Jahr der SIT berichteten die Patienten von einer Verbesserung nasaler Symptome um knapp 50 Prozent, die Augensymptome hatten sich sogar um mehr als 50 Prozent verbessert. Im zweiten Behandlungsjahr beschrieben die Patienten sogar eine Symptomverbesserung von 70 Prozent. 

In aktuellen Studien zur Immuntherapie mit Tabletten, medizinisch: sublinguale Immuntherapie (SLIT) zeigten sich sogar deutliche Symptomverbesserungen nach nur einer Behandlungswoche. Ein weiterer interessanter Faktor ist, dass die Hälfte der Patienten im zweiten Behandlungsjahr nur noch ganz leichte Beschwerden hat und dass 50 Prozent der Patienten im ersten Jahr bereits auf Medikamente verzichten kann. Außerdem steigt mit der Dauer der Therapie die Wahrscheinlichkeit, irgendwann ganz auf Medikamente verzichten zu können.

Welche Gründe können dazu führen, dass Patienten mit einer klassischen spezifischen Immuntherapie, die mit Spritzen durchgeführt wird, unzufrieden sind?

Es gibt eine Reihe von Gründen, die dazu führen können, dass Patienten mit einer mit Spritzen durchgeführten Immuntherapie nicht zufrieden sind. In einer Untersuchung, die wir in Zusammenarbeit mit dem daab durchgeführt haben, wurden 790 Patienten vor, während und nach Abschluss einer Immuntherapie zu ihrer Zufriedenheit befragt. Dabei erhielten 2/3 dieser Patienten eine subkutane spezifische Immuntherapie (SCIT), d.h. eine Immuntherapie mit Spritzen. Vor der Behandlung mit der Spezifischen Immuntherapie erwarten die Patienten vor allem:

1. Umfassende Informationen zu Immuntherapie

2. Dass die Behandlung wenig Nebenwirkungen hat

3. Eine dauerhafte Reduzierung ihrer Symptome

4. Eine regelmäßige Erfolgskontrolle im Verlauf der Behandlung

5. Deutlich reduzierter Medikamentenverbrauch

6. Behandlungstermine sollen gut in die eigene Zeitplanung passen

Bei der Befragung der Patienten zu Beginn und während der Behandlung zeigten sich noch 2/3 der Patienten mit der Behandlung zufrieden. 

Bei der Befragung, die durchgeführt wurde, nachdem die SIT abgeschlossen war, änderte sich dieses Bild drastisch – jetzt waren 2/3 der Patienten mit der Behandlung unzufrieden. Die Gründe für die Unzufriedenheit mit der Spritzen-Hyposensibilisierung waren die folgenden:

1. Die Patienten störte die zu starke zeitliche Beanspruchung durch den Arztbesuch, um die Spritzen zu erhalten

2. Es traten Nebenwirkungen auf, vor allem lokal an der Einstichstelle

3. Die Beschwerden reduzierten sich nicht in erwartetem Maße

Wie kommt es zu dieser Diskrepanz zwischen der Zufriedenheit der Patienten "vor bzw. während" und "nach" der Behandlung mit der spezifischen Immuntherapie?

Ein Grund für die Unzufriedenheit der Patienten nach Abschluss der Spritzen-Hyposensibilisierung könnte darin liegen, dass die Aufklärung der Patienten im Vorfeld der Behandlung nicht optimal verlaufen ist.

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