Tubenkatarrh

Dr. Bettina Hauswald, Leiterin der HNO-AllergieAbteilung am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden

Tubenkatarrh – wenn Allergien „auf die Ohren schlagen“!

Mit allergischer Rhinitis verbindet man in erster Linie laufende Nasen, tränende Augen und Abgeschlagenheit. Von einer Rhinitis können aber auch die Ohren betroffen sein, so dass ein Tubenkatarrh entsteht. Die Symptome wie Ohrendruck ezc. können sehr unangenehm werden. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Bettina Hauswald, Leiterin der HNO-AllergieAbteilung am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden über die Konsequenzen von allergischer und nicht-allergischer Rhinitis für die Ohren und was man dagegen tun kann.

Frau Dr. Hauswald, bei welchen Allergien können die Ohren in Mitleidenschaft gezogen werden?

Die Ohren können immer dann leiden, wenn eine allergische Rhinitis besteht, d.h. eine Allergie, die durch inhalative Allergene, d.h. Typ-1-Allergien, auch Soforttypallergien genannt,  verursacht wurde. Zu den Inhalationsallergien gehören die Pollenallergie, die Hausstaubmilbenallergie und die Allergie auf Tierhaare und Schimmelpilze. Bei den berufsbedingten Allergien sind Mehl und Holzstaub mögliche Auslöser allergischer Reaktionen.

Ausschlaggebend für die Beeinträchtigung der Ohren ist jedoch weniger die Allergie als die Rhinitis, d.h. das wässrige Nasensekret. Bei 80 Prozent der Menschen mit allergischer Rhinitis kommt es zu diesem allergischen Schnupfen, aber auch bei einer akuten  Erkältung oder bei einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung, bei der die Nase läuft, kann es zu Beschwerden in den Ohren kommen. In allen Fällen bezeichnet man dies als Tubenkatarrh. 

Wie kommt es bei der Rhinitis zu den Beschwerden an den Ohren?

Die Ohren hängen mit der Nase zusammen, d.h. zwischen dem Mittelohr und dem Nasenrachen gibt es die Tuba auditiva, auch Eustachische Röhre genannt, die für den Druckausgleich sorgt. Ist sie mit Sekret gefüllt, kommt es zu den typischen Ohrenbeschwerden. Die Funktion der Tuba auditiva kann man durch zwei kleine Versuche sehr gut deutlich machen.

Wenn man die Nase zuhält, Speichel sammelt, oder im Flugzeug etwas trinkt, und dann bei zugehaltener Nase schluckt,  geht die Tube zu – das ist der Toynbee-Versuch. Man sagt auch „die Ohren gehen zu“ und das passiert z.B. auch wenn man mit dem Auto einen Berg hochfährt oder beim Starten und Landen  im Flugzeug sitzt.  

Wenn man dann wieder die Nase zuhält, die Wangen aufbläst wie einen Luftballon, die Lippen zusammenpresst und die Luft nicht hinauslässt gehen die Tuben wieder auf. Man nennt das den Valsalva-Versuch und das hilft übrigens auch bei der Bergfahrt mit dem Auto und im Flugzeug. Sowohl der der "Toynbee" als auch der "Valsalva" sind sehr gute Therapien.

Wie machen sich die Ohrenbeschwerden bei der Rhinitis bemerkbar?

Bemerkbar machen sich die Ohrenbeschwerden bei allergischer Rhinitis oder auch bei einem einfachen Schnupfen durch schlechtes Hören, ständigen Druck auf den Ohren und Ohrenschmerzen. Es kann nur ein Ohr oder auch beide Ohren betroffen sein.

Die Patienten empfinden es als sehr unangenehm, wenn die Tube zugeht, d.h. wenn ein Unterdruck entsteht und sie auch schlecht hören. Meist kommen die erst dann in die Sprechstunde, wenn es ihnen nicht mehr gelingt, die Tuben selbst wieder frei zu bekommen.

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