Heuschnupfen SIT Akupunktur

Dr. Bettina Hauswald, Leiterin der Abteilung für Allergologie und Rhinologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden

Heuschnupfen: SIT oder Akupunktur, was ist wann die richtige Therapie?

Die Akupunktur ist ein wesentlicher Bestandteil der traditionellen Chinesischen Medizin und eine der ältesten Therapieformen. Neben der klassischen Schulmedizin gewinnt diese alternativ-therapeutische Maßnahme auch bei der Behandlung von Heuschnupfen immer mehr an Bedeutung - am Universitätsklinikum in Dresden wird sie bereits seit über 25 Jahren eingesetzt. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Bettina Hauswald, Leiterin der Abteilung für Allergologie und Rhinologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden und anerkannte Expertin der ersten Stunde auf dem Gebiet der Akupunktur über den Einsatz von SIT und Akupunktur.


Frau Dr. Hauswald, wie wirkt Akupunktur bei Allergien?

Die Akupunktur hat im Körper verschiedene Wirkungen. Nachgewiesen sind die folgenden: Abschwellend, immunstärkend, schmerzsenkend, durchblutungssteigernd und Muskelspannungen abbauend. Weiter ist erwiesen, dass die Akupunktur eine endokrine, vegetative, sedierende und psychische Wirkung hat.

Konkret zeigt sich z.B. bei den Heuschnupfenpatienten die Wirkung der Akupunktur daran, dass die Nase frei wird und auch nicht mehr tropft und juckt. Patienten mit Asthma hingegen benötigen durch die Akupunktur deutlich weniger Atemsprays.

Ist die Wirkung der Akupunktur bei Allergien auch wissenschaftlich nachgewiesen?

Zusammen mit Dr. Heinz Langer habe ich schon in den 1980er Jahren eine der weltweit ersten klinisch kontrollierten  Studien zur Wirkung der Akupunktur bei der Behandlung von Heuschnupfen initiiert. Die Studie lief über drei Jahre und wurde bereits 1989 veröffentlicht und als Vorzeigestudie gehandelt. Anhand von drei Patientengruppen  - Nadelakupunktur, Laserakupunktur und bei der Kontrollgruppe Placebolaserakupunktur -  konnten wir eine deutliche Wirksamkeit der Akupunktur und der Laserakupunktur von 80 Prozent nachweisen. Das war der Beginn weiterer Forschungsvorhaben auf diesem Gebiet, so dass sich das Anwendungsspektrum ständig ausweitete. So haben wir in Dresden z.B. auch für die Milbenallergie nachgewiesen, dass das IL-10, also der Botenstoff Interleukin-10, durch die Akupunktur-Behandlung steigt und die TA 2 Zellen reduziert bzw. die TA 1 Zellen aufgewertet werden. Konkret heißt das, dass die Akupunktur das Immunsystem stärkt.

Gerade wurden auch die aktuellen Ergebnisse der ACUSAR-Studie (Acupuncture in Allergic Rhinitis) publiziert. Die Studie wurde unter der Leitung von Prof. Benno Brinkhaus bundesweit an ca. 450 Heuschnupfen-Patienten durchgeführt und wir waren mit 50 Patienten daran beteiligt. Die Studie hat eine klinisch signifikante Wirkung der Akupunktur im Vergleich zur Plazebo-Akupunktur wissenschaftlich belegt.


Wann setzten Sie in Ihrer Abteilung Akupunktur ein?

Wir setzen in Dresden Akupunktur seit Jahren zusätzlich zu schulmedizinischen Behandlungsmethoden ein. Wir behandeln grundsätzlich mit der Immuntherapie und nutzen in Fällen, in denen dies kontraindiziert  ist, also die Behandlung nicht durchgeführt werden darf, die Akupunktur. Nadeln setzen wir hauptsächlich zur Behandlung der Rhinitis Allergica, also dem Heuschnupfen, und zur Behandlung von Allergischem Asthma. Seltener nutzen wir Akupunktur zur Behandlung des Atopischen Hautekzems, obwohl sie auch hier wirkt - vor einigen Jahren haben wir hierzu selbst eine Studie durchgeführt. Zu Nahrungsmittelallergien und Akupunktur gibt es keine Untersuchungen.


Wann setzen Sie die Spezifische Immuntherapie (SIT) ein und wann die Akupunktur-Behandlung?

Grundsätzlich bevorzuge ich die Immuntherapie, weil wir hier sehr gute Erfahrungen gemacht haben - sowohl als Spritzentherapie als auch als sublinguale Therapie.

Unsere Erfolgsquote bei der SIT liegt für die Pollenallergie bei  80 bis 90 Prozent und bei der Milbenallergie bei  70 bis 80 Prozent  - bei der Schimmelpilzallergie liegt die Erfolgsquote bei 40 bis 50 Prozent. Außerdem ist für die Immuntherapie nachgewiesen, dass der Etagenwechsel zu Asthma bronchiale vermieden wird. Für die Akupunktur-Behandlung ist dies noch nicht nachgewiesen.

Ich mache dann Akupunktur, wenn eine Immuntherapie nicht möglich ist, z.B. bei jungen Frauen mit Kinderwunsch oder bei schwangeren Frauen. Hier ist eine Akupunktur-Behandlung eine sinnvolle Alternative, gerade auch bei Frauen mit Schwangerschaftsrhinitis. Übrigens haben wir auch gerade erfolgreich wissenschaftlich nachgewiesen, dass Akupunktur bei Riechstörungen eine signifikant bessere Wirkung erzielt als bei Plazebo-Akupunktur.

Auch bei Autoimmunkrankheiten wie Morbus Addison, Hashimoto, Juvenile Diabetes Typ 1, Morbus Crohn und Tumoren wird die Immuntherapie nicht durchgeführt. Hier setzen wir dann die Akupunktur ein. 


Wie lange dauert die Akupunktur-Behandlung z.B. bei Patienten mit Heuschnupfen?

Für die Pollenallergiker beginnen wir die Akupunktur-Behandlung zwei bis drei  Wochen bevor im Mai die Gräserblüte beginnt. Die Behandlung erfolgt 12 bis 15 Mal, ein bis zwei Mal pro Woche. So soll von vornherein vermieden werden, dass es zu schlimmen Symptomen kommt. Oft wird die Behandlung jährlich wiederholt und viele meiner Patienten kommen schon das dritte und vierte Jahr.


Neben der Pollenallergie gibt es ja auch Inhalationsallergene, die auf die berufliche Tätigkeit zurückzuführen sind …

Insbesondere Menschen mit Mehlstauballergie behandele ich seit Jahren, allerdings mit der Immuntherapie. Ich habe in Dresden schon über 100 Bäcker immuntherapiert – hier bin ich die Einzige in Deutschland. Die Patienten kommen aus ganz Deutschland und viele könnten ohne Immuntherapie ihren Beruf nicht mehr ausüben. Wir werten dies gerade auch wissenschaftlich aus.


Frau Dr. Hauswald, vielen Dank für das Gespräch!

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