Heimbeatmung bei Asthma

Prof. Dr. Carl-Peter Criée Facharzt für Pneumologie und ehemaliger Chefarzt des Bereiches Pneumologie, Beatmungsmedizin und Schlaflabor, Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende e.V.

Was tun, wenn das Atmen zu viel Kraft kostet? Wie hilft Heimbeatmung?

Neue Therapieoptionen bei Lungenerkrankungen stießen auf großes Interesse beim DGIM-Patiententag zum 121. Internistenkongress. Der Patiententag fand am 11. April 2015 im Wiesbadener Rathaus statt und insbesondere der Vortrag zur Heimbeatmung war gut besucht. „Dass man zum Atmen Kraft braucht, merkt man erst dann, wenn sie fehlt“ begann Prof. Dr. Carl-Peter Criée Facharzt für Pneumologie und ehemaliger Chefarzt des Bereiches Pneumologie, Beatmungsmedizin und Schlaflabor, Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende e.V. seinen Vortrag und sprach damit vielen der anwesenden Betroffenen aus der Seele. Der Vortrag fand im Rahmen des Themenblocks "Aktuelles aus der Lungenheilkunde" statt, Ausrichter waren Deutsche Atemwegsliga e.V. und Deutsche Lungenstiftung e.V..

Die Atemmuskulatur: Wozu benötigt man sie?

Das Atemsystem besteht aus zwei Einheiten, der Lunge und der Atempumpe, die dafür sorgt, dass die Luft in die Lunge gepumpt wird. Wenn das Atmen schwer fällt, stellt sich also die Frage, ob es die Lunge ist oder die Atempumpe, die beeinträchtigt ist.

Die Atempumpe wird durch das Atemzentrum angetrieben, das Impulse an die Inspirationsmuskeln sendet, vorwiegend an das Zwerchfell. Durch die Kontraktion dieser Inspirationsmuskeln kommt es zum Einströmen der Atemluft in die Lungen.

Wie kann es zu einer Überlastung der Atemmuskulatur kommen?

Aufgrund von Erkrankungen wie z.B. Asthma oder COPD kann die Kapazität der Atempumpe vermindert sein und die Atemmuskulatur wird überlastet. Bei Asthma oder COPD kann dies dadurch ausgelöst werden, dass die Bronchen verengt sind. Die Atemmuskulatur muss dann mehr als normal arbeiten, um die Luft durch die verengten Bronchien zu pressen und ermüdet entsprechend. Wird die Anstrengung zu groß, kann die Atemmuskulatur nicht mehr richtig arbeiten und es kommt zu Rückkopplungsmechanismen. Das Atemzentrum beginnt dann, sich auf ein niedrigeres Atemniveau einzustellen und das Atmen fällt zunehmend schwer. In der Konsequenz wird die Lunge mit weniger Luft versorgt und das Stoffwechselgift Kohlendioxyd (CO2) im Blut steigt an und es kann im schlimmsten Fall zu einer CO2-Vergiftung kommen.  

Bei welchen Erkrankungen kann die Atemmuskulatur überlastet sein?

Alle Erkrankungen, die sich negativ auf die Atemwege auswirken, können zu einer Überlastung der Atemmuskulatur führen. Dazu gehören unter anderem Asthma, COPD, Schlaganfall, Metastasen im Gehirn, Muskelschwäche oder Muskelschwund und die Überfunktion der Schilddrüse. Auch eine Überdosierung von Kortison kann zu Muskelschwund und somit zu einer geschwächten Atempumpe führen und in früheren Zeiten war die Kinderlähmung ein häufiger Auslöser von Lähmungen der Atemmuskulatur.

Eine Beeinträchtigung der Atempumpe kann auch durch Kyphoskoliose , d.h. Rückgratverkrümmung, entstehen, denn durch die Krümmung der Wirbelsäule werden die Atemmuskeln verzogen und müssen viel mehr arbeiten.       

Ein Beispiel für eine zumindest zeitweise Überlastung der Atemmuskulatur ist die „Schnarcherkrankheit“ oder Schlafapnoe. Bei der Schlafapnoe verschließen sich beim Einatmen - durch den Unterdruck - die Atemwege im Rachen. Durch den Sauerstoffmangel und die Anstrengung der Atemmuskulatur wachen die Patienten auf und bekommen wieder Luft, aber durch die wiederholten Atemstillstände ist ein erholsames Schlafen nicht mehr möglich.

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