Fructosemalabsorption

Allgemein

Unter Fructosemalabsorption, fälschlicherweise oftmals auch als Fructoseintoleranz bezeichnet, versteht man eine Aufnahmestörung des Organismus für Fructose, d.h. Fruchtzucker. Die Fructosemalabsorption ist keine Allergie, sondern gehört zu den nicht allerischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten (NMU). Bei der Fructosemalabsorption ist die Aufnahme der Fructose aus dem Dünndarm nicht effektiv genug. Dadurch gelangt ein Teil der Fructose in den Dickdarm  und verursacht dort Beschwerden. Auch bei gesunden Menschen wirken hohe Mengen an Fructose abführend, bei Menschen mit Fructosemalabsorption dagegen können schon Mengen unterhalb der normalen Aufnahmekapazität zu Beschwerden führen. Die Verträglichkeitsgrenzen sind individuell sehr verschieden.

Wo versteckt sich Fructose?

Fructose ist in unterschiedlichen Mengen in Obst, Fruchtsäften und in vergleichsweise kleinen Mengen in bestimmten Gemüsen natürlicherweise enthalten. Für Betroffene mit Fructosemalabsorption sind vor allem Säfte und Obst relevante Fruchtzuckerquellen, während die fructosehaltigen Gemüsesorten in der Regel ohne Probleme vertragen werden. Neben den natürlichen Fruchtzuckerquellen enthalten auch viele verarbeitete Produkte Fructose, da die Süßkraft von Fructose die des Zuckers übertrifft und der Begriff Fruchtzucker an sich positiv besetzt ist.

Eine Fructosemalabsorption geht einher mit einer Unverträglichkeit gegenüber Sorbit und anderen Zuckeralkoholen, da diese offenbar den Fruchtzuckertransport hemmen. Diese Zuckeraustauschstoffe werden als kalorienreduzierter, zahnfreundlicher Zuckerersatz vor allem bei Süßigkeiten, Kaugummi, Getränken etc. eingesetzt.

Fructosehaltige Zuckervarianten
Zuckeralkohole
  • Fructosesirup
  • Glucosesirup
  • Saccharose
  • Rohrzucker
  • Ursüße
  • Rübenzucker
  • Kristallzucker
  • Puderzucker
  • Brauner Zucker
  • Kandis
  • Gelierzucker
  • Einmachzucker
  • Vanillezucker
  • Ahornsirup
  • Alle Dicksäfte
  • Invertzucker   
  • Sorbit oder Sorbitol (E 420)
  • Mannit oder Mannitol  (E 412)
  • Xylit (E 967)
  • Isomalt (E 953)
  • Laktit (E 966)
  • Maltit (E 965)

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Hereditäre Fruktoseintoleranz (HFI)

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Symptome

Die Symptome der Fructosemalabsorption sind vielfältig und ähneln den Symptomen anderer Nahrungsmittelunverträglichkeiten (inbesondere denen bei Laktoseintoleranz) oder den Symptomen beim Reizdarm, bedingt auch denen von Nahrungsmittelallergien. Da die Fructose im Dünndarm nicht vollständig aufgenommen wird, gelangt sie in den Dickdarm, wo Bakterien den Fruchtzucker zu Gasen und kurzkettigen Fettsäuren vergären. Als Folge davon können, auch zeitversetzt, die folgenden Symptome auftreten:

  • Übelkeit
  • Völlegefühl
  • Aufstoßen
  • Bauchgeräusche
  • Bauchschmerzen
  • Krämpfe
  • Blähungen
  • Durchfall
  • Verstopfungen
  • Müdigkeit und Energiemangel

Nicht selten ist die Fructosemalabsorption vorübergehender Natur und nach einigen Monaten fructosereduzierter Kost kann die Aufnahme von Fructose wieder gesteigert werden.  

Abgrenzung: Die hereditäre Fructoseintoleranz (HFI)


Die hereditäre Fructoseintoleranz (HFI) ist ein Enzymdefekt und darf nicht mit der beschriebenen Fructosemalabsorption verwechselt werden. Da die hereditäre Fructoseintoleranz erblich ist, macht sie sich bereits bei Babys bemerkbar, sobald diese mit fructosehaltigen Nahrungsmitteln gefüttert werden. Schon bei Kontakt mit geringen Mengen an Fructose kann es zu starken Bauchschmerzen, Erbrechen, Krämpfen, Schweißausbrüchen und Schockzuständen bis hin zu Apathie und Lethargie kommen. Eine strenge Fructosemeidung ist unerlässlich.

Diagnose

Die Diagnose einer Fructosemalabsorption erfolgt, ähnlich wie bei der Laktoseintoleranz, nicht über Blutuntersuchungen, sondern über einen Wasserstoff(H2)-Atemtest. Dabei wird auf nüchternen Magen eine mit Fructose versetzte Flüssigkeit verabreicht und in Zeitabständen der Wasserstoffgehalt in der ausgeatmeten Luft gemessen. Die Fructosemalabsorption führt zum bakteriellen Abbau unverdauter Fructose im Dickdarm. Dadurch entsteht Wasserstoff, das über den Blutkreislauf in die Lungenbläschen gelangt, und so über die Atemluft nachweisbar ist.  

Bei der hereditären Fructoseintoleranz (HFI) darf dieser H2-Atemtest nicht angewendet werden, da durch die Verabreichung von Fructose schwerwiegende Beschwerden, Schock und Leberschädigungen auftreten können. Eine hereditäre Fructoseintoleranz muss deshalb im Vorfeld ausgeschlossen werden.

Therapie

Die Therapie bei der Fructosemalabsorption besteht in der Reduzierung von Fructose. In der Regel wird ernährungstherapeutisch mit einem dreistufigen Schema gearbeitet. Anfänglich gilt es, Fructose weitestgehend zu meiden, um erst einmal eine Beschwerdefreiheit herzustellen. Die sich anschließende Testphase dient der Identifizierung der individuellen Verträglichkeitsgrenze. Die Testphase geht schließlich in eine fructosemodifizierte individuelle Dauerernährung über. Adressen von Ernährungsfachkräften, die auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten spezialisiert sind, finden Sie hier. Es gibt auch Nahrungsergänzungsmittel, die mit Hilfe von Enzymen die Verdauung von Fructose unterstützen sollen. Allerdings benötigen die meisten Betroffenen derartige „Hilfen“ nicht.

Praktische Tipps

  • Verzichten Sie auf Säfte und Trockenobst
  • Kombinieren Sie Nahrungsmittel, die Fructose enthalten, mit fett- und eiweisshaltigen Lebensmitteln, z.B. Sahne, Joghurt, Quark.
  • Meiden Sie möglichst zuckerfreie Kaugummis und Bonbons, deren Süße auf Zuckeralkoholen beruht.
  • Lesen Sie die Zutatenliste von Fertigprodukten aufmerksam durch, insbesondere im Hinblick auf Zuckeralkohole.
  • Verschaffen Sie sich einen Überblick über den Fructosegehalt von Obst und bevorzugen Sie anfänglich Produkte mit niedrigem Fructosegehalt.
  • Ersetzen Sie anfänglich Haushaltszucker durch Traubenzucker oder süßen Sie mit Reissirup oder Süßstoff.
  • Essen Sie Lebensmittel, die größere Mengen an Fructose enthalten nicht auf nüchternen Magen
  • Hilfreiche Patientenliteratur: Fructosemalabsorption: Anne Kamp; Christiane Schäfer, „Gesund essen; Fruktosearm genießen; 100 Rezepte bringen den Bauch in Ruhe“, GU Verlag, ISBN: 978-3-8338-0650-6
  • Hilfreiche Patientenliteratur: Fructose - Lactose - Sorbit: Anne Kamp; Christiane Schäfer, "Köstlich essen; Fructose, Laktose & Sorbit meiden, Trias Verlag, ISBN: 978-3-8304-3460-3

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