Biopsie Endoskopie Zöliakie

Dr. med. Johannes Spalinger, Co-Chefarzt Pädiatrische Gastroenterologie und Hepatologie am Kinderspital in Luzern

Zöliakie: Der Stellenwert der Biopsie? Ist die Endoskopie nötig?

Besteht beim Kind der Verdacht auf Zöliakie, empfehlen Kinder-Gastroenterologen zur Sicherung der Diagnose eine Biopsie der Dünndarmschleimhaut. Dazu ist eine obere Endoskopie (Magen-Darm-Spiegelung) notwendig. Diese Untersuchung ängstigt viele Eltern. Die Eltern stellen sich deshalb die Frage, ob eine Biopsie der Darmschleimhaut wirklich unbedingt nötig ist, um die Zöliakie-Diagnose zu stellen, eine Frage, die auch in vielen Internetforen diskutiert wird. MeinAllergiePortal  sprach deshalb mit Dr. med. Johannes Spalinger, Co-Chefarzt Pädiatrische Gastroenterologie und Hepatologie am Kinderspital in Luzern über den Stellenwert der Biopsie und über die Fragen, ob eine Endoskopie gefährlich ist.

Herr Dr. Spalinger, welche Rolle spielt die Endoskopie bei der Diagnose von Zöliakie und welchen Stellenwert hat die Untersuchung für die Sicherheit der Diagnose?

Die Sicherung der Diagnose ist bei der Zöliakie ausgesprochen wichtig. Dazu braucht es eine Dünndarmbiopsie, d.h. ein winziges Stück Dünndarmgewebe wird entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Nur so lässt sich die Zöliakie-Diagnose eindeutig bestätigen – dieses Vorgehen entsprich dem sogenannten „Goldstandard“. Bei einer Erkrankung, die eine lebenslängliche Ernährungsumstellung bedeutet, ist es enorm wichtig, dass die Diagnose auf einer sicheren Basis gestellt wird.

Wird eine glutenfreie Diät ohne gesicherte Diagnose durchgeführt und es geht dem Kind vielleicht nur ein wenig besser, ist es nicht klar, ob die Zöliakie tatsächlich besteht oder nicht, da sich die Darmzotten unter glutenfreier Ernährung innerhalb weniger Wochen normalisieren und die Diagnostik verunmöglichen.

Unter welchen Umständen kann denn bei Zöliakie-Verdacht auf eine Darmbiopsie verzichtet werden?

Dies wurde 2012 von der ESPGHAN, der europäischen Gesellschaft für Kinder-Gastroenterologie in einer Leitlinie festgelegt. Wenn ein Kind klare Zöliakie-Symptome  hat, die Antikörper-Werte deutlich erhöht sind, ein zweiter Antikörper nachgewiesen werden kann und eine genetische Untersuchung bestätigt, dass eine genetische Veranlagung vorliegt, kann der Arzt gemeinsam mit den Eltern entscheiden, ob auf eine letzte Absicherung der Diagnose durch eine Biopsie verzichtet werden kann.

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