Neurodermitis

Allgemein

Neurodermitis (Synonyme: atopisches Ekzem, atopische Dermatitis, endogenes Ekzem) ist eine entzündliche Hauterkrankung und gehört mit Asthma und Heuschnupfen zu den atopischen Erkrankungen. Häufig beginnt die meist chronisch verlaufende Neurodermitis bereits im Säuglings- oder Kindesalter. Neurodermitis kann jedoch auch Erwachsene jederzeit befallen.

Genetische Faktoren begünstigen die Entwicklung einer Neurodermitis. Kommen in der Familie (Eltern, Geschwister) Neurodermitis, Asthma oder Heuschnupfen vor, ist das Risiko für das Kind hoch, diese Erkrankungen auch zu entwickeln.

Einen negativen Einfluss haben Bakterien und Pilze, die sich auf der durch Kratzen geschädigten Haut ansiedeln und das Krankheitsbild noch verschlimmern.  

Lesen Sie auch:

Neurodermitis verhindern mit Bakterienlysaten - Ergebnisse einer Studie

Nahrungsmittelallergie und Neurodermitis: Abgrenzung und Zusammenhänge

Neurodermitis und Schminken: Passt das zusammen?

Sommer, Sonne, Urlaub – wie passt das zu atopischen bzw. allergischen Hauterkrankungen?

Neurodermitis bei Säuglingen und Kleinkindern: Lassen sich Schübe durch die richtige Ernährung verhindern?

Allergieprävention in der Schwangerschaft und im Kleinkindalter: Was ist möglich?

 

Symptome

Neurodermitis weist meist die folgenden Symptome auf:

1. Entzündliche Ekzeme (v.a. Rötung und Schuppung) der Haut

Bei Säuglingen:    

  •       Im Gesicht, Hals
  •       Streckseiten der Extremitäten   

Bei Erwachsenen:

  •      In Arm- und Kniebeugen
  •      An den Händen
  •      Im Gesicht und am Hals

3. Trockene, schuppende oder nässende Haut

4. Quälender Juckreiz

5. Knotige Haut (so genannte „Prurigo-Form“)

Der Juckreiz kann dazu führen, dass die Nachtruhe erheblich gestört und dadurch die Leistungsfähigkeit am Tag stark eingeschränkt ist. Ausgelöst durch das Kratzen, das ja in der Nacht nicht kontrollierbar ist, wird die Besiedlung der Haut mit Infektionserregern (s.o.) noch verstärkt.

Anzeichen für Neurodermitis

Es gibt gewisse Hinweise, sogenannte Stigmata, die schon vor Ausbruch der Krankheit auf eine gewisse Atopie-Neigung, und Neurodermitis gehört zu den Atopien, hinweisen. Diese sind:

  • Trockene Haut
  • Gesichtsblässe
  • Dunkle Augenschatten
  • Ausdünnung der seitlichen Augenbrauen (Hertoghe’sches Zeichen)
  • Gedoppelte Unterlidfalte (Dennie-Morgan-Falte)
  • Weißer Dermographismus (Kratzen der Haut zeigt statt normaler roter eine weiße Streifung)
  • Palmare Hyperlinearität (so genannte Ichthyosis-Hand, eine verstärkte Handlinienzeichnung))

Neurodermitis – auch die Psyche leidet mit

Wenn bei der Neurodermitis die entzündlichen Hautveränderungen massiv und noch dazu im sichtbaren Bereich wie an Hals, Händen oder Armen auftreten, kommt zu Juckreiz und Schmerzen noch ein kosmetisches Problem mit der Folge einer Stigmatisierung hinzu. Dieses kann sowohl im Kindes- als auch Erwachsenenalter zur sozialen Ausgrenzung führen. Eine umfangreiche Aufklärung auch hinsichtlich möglicher Therapiemaßnahmen, ggf. ergänzt durch psychologische Betreuung kann diesem entgegenwirken.

Diagnose

Die Diagnose von Neurodermitis ist in der Regel schon aufgrund des Erscheinungsbildes möglich. Eine sorgfältige Anamnese ermittelt die individuellen Triggerfaktoren, so dass sich, wenn diese vorliegen, entsprechende Testungen an der Haut und im Blut anschließen. Neben Allergenen in der Luft, wie beispielsweise Pollen, können auch Nahrungsmittelallergene bei einer Untergruppe der Patienten für die Verschlechterung der Neurodermitis verantwortlich sein. Bei diesen wird darüber hinaus ein oraler Provokationstest durchgeführt, bei dem die Patienten das verdächtige Nahrungsmittel zu sich nehmen und auf mögliche Reaktionen, u.a. Verschlechterung der Neurodermitis überwacht werden. Bei bedrohlichen Reaktionen in der Anamnese, die z.B. mit Asthma und Schock verbunden sind, wird auf die Provokation verzichtet. 

Therapie

Die Behandlung der Neurodermitis ist eine Kombinationsbehandlung, die für jeden Patienten erarbeitet werden muss.

Neben der Meidung der auslösenden Reize gilt es bei Neurodermitis, in erster Linie die Symptome so weit wie möglich zu lindern, d.h. die Entzündung zu beseitigen und den Juckreiz zu stillen. Dieses gelingt durch den kurzfristigen Einsatz von antientzündlich wirksamen Cremes und Salben. Diese enthalten Kortison oder so genannte Calcineurin-Inhibitoren, die das Immunsystem wieder in die richtige Bahn bringen.

Ist eine Allergie nachgewiesen, kann bei manchen Allergenen eine Spezifische Immuntherapie (SIT) helfen. Hierbei wird versucht, die Toleranz des Immunsystems gegenüber dem Allergen durch die regelmäßige und ansteigende Zufuhr zunächst geringer Allergenmengen zu steigern. Allerdings eignet sich diese Therapieform nicht für alle Allergene.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die UV-Lichttherapie. Hier haben sich sowohl UVB- als auch UVA-Behandlungen bewährt. Allerdings bergen diese bei hohen Dosen und wiederholter Anwendung auch Gefahren. Im Kindesalter sollte die UV-Licht-Therapie erst nach dem 12. Lebensjahr in Erwägung gezogen werden.

Neurodermitis – wie richtig pflegen?

Eine Neurodermitishaut sollte möglichst wenig mit Seifen, Reinigungsmitteln und Wasser Kontakt haben. Das bedeutet nicht, dass die Neurodermitiker nicht mehr baden oder duschen dürfen. Dieses sollte jedoch möglichst kurz gehalten werden und gefolgt sein von dem Eincremen mit wasser- und fetthaltigen Cremes und Salben.
Baumwollhaltige, leichte Kleidung, das gilt zumindest für die am Körper anliegende Kleidung, wird von Neurodermitispatienten am besten vertragen. Neu gekaufte Kleidung sollte vor dem Tragen gewaschen und auch von den Synthetik-haltigen Etiketten befreit werden.

Lesen Sie auch:

Schwere Neurodermitis: Wie kann eine Blutwäsche den Patienten helfen?

Praktische Tipps

  • Meiden Sie auslösende Faktoren wie beispielsweise Seifen und Allergene, falls diese bei Ihnen nachgewiesen wurden.
  • Es lohnen sich Neurodermitisschulungen. Hier wird vermittelt, wie man besser mit der Krankheit umgehen kann und so seine Lebensqualität verbessert. Die Programme bietet Themen wie: Richtige Ernährung, Umgang mit Schüben, Entspannungstechniken etc..
  • Bei Juckreiz hilft eine Kühlung der Haut (Coolpack, eingewickelt in ein Handtuch) oder eine kalte Dusche.
  • Sie dürfen täglich duschen, aber nur kurz, bei kaltem oder lauwarmem Wasser.
  • Verwenden Sie alkalische, rückfettende Reinigungsprodukte, nicht die „normale“ Seife.
  • Nach Bad oder Dusche die Haut lediglich abtupfen und noch im feuchten Zustand Pflegeprodukte auftragen.
  • Glatte Böden und Verzicht auf Teppiche und Vorhänge reduzieren die Hausstaubmilbenbelastung.
  • Baumwollhandschuhe helfen dabei, die Auswirkungen nächtlichen Kratzens abzumildern.

Quellen

Johannes Ring (DAAU), Claus Bachert (DGAKI), Carl-Peter Bauer (GPA), Wolfgang Czech (ÄDA) – alle Hrsg.: Weißbuch Allergie in Deutschland. 3. Überarbeitete und erweiterte Auflage Springer Medizin, Urban & Vogel GmbH, München 2010

Regina Fölster-Holst, Thomas Schwarz. Atopisches Ekzem-Grundlagen und updates. Unimed Verlag, Bremen, London, Boston, 2011.

Dietrich Abeck, Regina Fölster-Holst. Was hilft meinem Kind bei Neurodermitis? Thieme Verlag, Stuttgart, 2003

Regina Fölster-Holst, Inga Kreiselmaier, Sibylle Scheewe, Dirk Eichmann, Norbert Buhles. Patientenschulungen bei Neurodermitis. Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt 2004.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.