Deutscher Allergiekongress 21016 DAK Allergologie

Die Kongresspräsidenten PD Dr. Jörg Kleine-Tebbe, Allergie- u. Asthma-Zentrum Westend, Berlin und Prof. Susanne Lau, Charité Berlin!

Allergologie 2016: Praxisrelevante Forschung und ein Mehr an Evidenz!

„Moderne Allerglogie – Konzepte für die Zukunft“ – mit diesem Motto ging der 11. Deutsche Allergie Kongress am 29. September 2016 unter der Leitung der Kongresspräsidenten PD Dr. Jörg Kleine-Tebbe, Allergie- u. Asthma-Zentrum Westend, Berlin und Prof. Susanne Lau, Charité Berlin, an den Start. Viele neue Konzepte zur Allergieentstehung, -prävention und -therapie wurden vorgestellt und zu einigen bereits bekannten Therapiestrategien gab es neue, vielversprechende Daten zur Evidenz. Einerseits tut sich viel in der Forschung, und es gibt zu vielen Erkrankungen etablierte Schulungskonzepte, die erheblich zur Verbesserung der Lebensqualität der Patienten beitragen können. Auf der anderen Seite hält die gesundheitspolitische Weichenstellung nicht immer Schritt mit dem aktuellen medizinischen Wissensstand und nicht immer kann der Patient von der medizinischen Entwicklung ausreichend profitieren. So gibt es sowohl „Licht“ als auch „Schatten“ bei der Behandlung von Allergien!

Umwelt und Allergie: Der Einfluss von Hygiene und Epigenetik?

Spätestens mit der Hygiene-Hypothese kam der Verdacht, dass der klinisch reine westliche Lebensstil auch Nachteile haben könnte und dieser Verdacht scheint sich mehr und mehr zu bestätigen. So haben nicht nur die deutschen Bauernhof-Studien gezeigt, dass ein enger Kontakt zum Kuhstall und der damit verbundene Kontakt zu einer Vielzahl von Bakterien einen protektiven Effekt gegen Asthma haben könnte. Auch Studien in China konnten zeigen, dass das Asthmarisiko der dortigen Landbevölkerung deutlich geringer ist, als bei den Bewohnern chinesischer  Metropolen.

Aber nicht allein die zu stark ausgeprägte Hygiene scheint bei der Entstehung von Allergien eine Rolle zu spielen. Auch Umwelteinflüsse, wie die z.B. die Exposition gegenüber flüchtigen chemischen Verbindungen, Zigarettenrauch oder mütterlicher Stress können die Entstehung von Allergien begünstigen. Studien am Mausmodell haben gezeigt, dass selbst ein pränataler Kontakt epigenetische Mechanismen auslösen kann, der den Phänotyp verändert, zum Teil über mehrere Generationen hinweg.

Allergen-Immuntherapie (AIT) bei Allergien auf Aeroallergene: Qualität der Allergenextrakte entscheidet über Therapieerfolg

Lange Zeit wurde die Allergen-Immuntherapie überwiegend subkutan, d.h. mittels Spritze durchgeführt. Mittlerweile gibt es zahlreiche Studien, die eine gute Wirksamkeit der Therapie auch für die sublinguale Applikation mit Tabletten oder Tropfen nachweisen.  

Von großer Bedeutung für die Effektivität der AIT ist die Qualität der nativen Allergenextrakte, die bei der Behandlung eingesetzt werden. Für Transparenz sorgt hier die Ende 2014 veröffentlichte Leitlinie zur spezifischen Immuntherapie (SIT) mit den online verfügbaren Tabellen zu Allergenextrakten, in denen die Studienlage zu den einzelnen Präparaten wiedergegeben wird.

Dabei ist, unabhängig von der Applikationsroute, der Wirksamkeitsnachweis entscheidend, der sich unter anderem aus der Studienlage ergibt. Bei manchen Extrakten ist dies sehr gut dokumentiert und es besteht eine Zulassung, bei anderen sind diese Nachweise weniger vollständig. Im Rahmen der Patientenaufklärung kann es also durchaus sinnvoll sein, das Thema Wirksamkeitsnachweis im Zusammenhang mit den Erfolgsaussichten der jeweiligen AIT zu erörtern.

Eine deutliche Erhöhung der Qualität bzw. der Wirksamkeit der AIT könnte der Einsatz von Extrakten aus rekombinanten Allergenen bringen. Dabei handelt es sich um einzelne Proteine, die aus Allergenen isoliert wurden. Damit würde ein isoliertes Protein des Allergens und nicht, wie bei nativen Präparaten, die gesamte, eventuell durch andere Proteine „verunreinigte“ Allergenquelle zur Therapie eingesetzt – hieran wird geforscht.

Neue Therapiekonzepte bei Nahrungsmittelallergien

Die allergischen Reaktionen bei Nahrungsmittelallergien können von leichten oralen Symptomen bis hin zur schweren, manchmal sogar tödlichen, Anaphylaxie reichen. Insbesondere bei der Allergie gegen Erdnüsse, die sich im Vergleich zu anderen kindlichen Nahrungsmittelallergien seltener verliert, ist das Anaphylaxierisiko hoch, oft schon bei kleinsten Allergenmengen. Da sich die spezifische Immuntherapie (SIT) bei der Behandlung von Umweltallergenen wie z.B. Pollen- oder Hausstaubmilbenallergien als wirksam erwiesen hat, versucht man das Prinzip der Allergenimpfung auch auf die Therapie der Nahrungsmittelallergien zu übertragen. So wird untersucht, ob es möglich ist, mit Hilfe einer oralen Immuntherapie (OIT) oder einer Sublingualen Immuntherapie (SLIT) eine gewisse Allergentoleranz zu erzeugen. Dies könnte bei  versehentlichem Allergenverzehr oder bei eventuellen Allergenspuren in kontaminierten Lebensmitteln vor einem anaphylaktischen Schock schützen. Auch Studien zur Toleranzerzeugung mit Hilfe einer Epikutanen Immuntherapie (EPIT) stehen vor der Publikation.

Anaphylaxie – nicht chronisch, also keine Schulung?

Zu den neuen Therapiekonzepten zur Behandlung von Nahrungsmittelallergien laufen zurzeit spannende Studien, in die Praxis umgesetzt werden sie jedoch noch nicht. Dementsprechend sind die Meidung des Allergens und das Mitführen eines Anaphylaxie-Notfallsets aktuell die einzig möglichen Maßnahmen bei Patienten, die bereits relevante allergische Reaktionen hatten.

Es gibt Anaphylaxie-Schulungen, die den zumeist kindlichen Patienten und deren Familien bei der nicht einfach zu handhabenden Allergenmeidung helfen und für den Notfall den praktischen Umgang mit den Notfallmedikamenten einüben. Zum Beispiel hat sich eine Vielzahl von Spezialisten in der „Arbeitsgemeinschaft Anaphylaxie - Training und Edukation e. V.“ (AGATE) zusammengeschlossen und ein Trainingskonzept entwickelt. Allerdings werden die Kosten für diese Schulungen von den Krankenkassen, anders als bei der als chronische Erkrankung anerkannten Neurodermitis, nur auf freiwilliger Basis übernommen. Die Anaphylaxie gilt nicht als chronische Erkrankung, weil sie nicht dauerhaft besteht, sondern nur bei Kontakt mit dem Allergen auftritt. Ein sinnvolles Präventionsinstrument wird somit nicht in vollem Maße genutzt.

Pollenvorhersage: In Zukunft nicht mehr möglich?

Kosten sind auch beim Thema Pollenvorhersage ein Thema, denn wie die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) vermeldet, stehen die Pollenfallen in Deutschland vor dem „Aus“.

Die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) betreibt seit der Gründung 1983 bundesweit 35 Pollenfallen. In Kooperation mit dem Deutschen Wetterdienst entstehen so die täglichen Pollenflugvorhersagen, die auch Basis vieler Apps für Pollenallergiker sind. Für die Patienten sind die Pollenflugvorhersagen eine wertvolle Hilfe, denn so können sie z.B. „ihr“ Allergen meiden und auch die Dosierung der antiallergischen Medikamente besser steuern.

Anders als in anderen europäischen Ländern erhält die Stiftung keine staatliche Unterstützung, sondern finanziert sich ausschließlich durch den begrenzten Verkauf der Daten für Studienzwecke. Diese finanziellen Ressourcen  sind  nun erschöpft und so nutzte die Stiftung den Deutschen Allergie Kongress für die Bitte um Unterstützung für einen Appell an das Bundesministerium für Gesundheit, die Arbeit der Pollenstiftung Deutscher Informationsdienst finanziell zu unterstützen.

Personalisierte Medizin zur Therapie von Asthma und Neurodermitis: Ein neuer Trend?!

Ganz neu ist das Konzept der personalisierten Medizin nicht. Bereits heute werden Kinder mit atopischer Dermatitis und klinisch relevanter Sensibilisierung, z.B. auf Hausstaubmilben, mit speziell auf diese Konstellation ausgerichteten Behandlungen therapiert, was in gewisser Weise als personalisierte Medizin bezeichnet werden könnte.

Einen neuen Impetus erhält die personalisierte Medizin jedoch durch Biologika, die in der Asthmatherapie bereits erfolgreich eingesetzt werden. Biologika werden in zahlreichen Studien für die Therapie von stark betroffenen Neurodermitis-Patienten geprüft, da die Entzündungsmechanismen sehr ähnlich sind. Biologika wirken, indem monokloale Antikörper direkt an die Zielmoleküle der allergischen Entzündung andocken und sie so unterdrücken.  

DAK 2016 – Neues aus der Industrie!

Auch von einigen Ausstellern gab es interessante Neuigkeiten. So will Bencard seine Aktivitäten im Bereich der Synbiotika ausbauen. Bisher bietet das Unternehmen drei Produkte an, die alle auf der Kölner Liste® von Nahrungsergänzungsmitteln, vertreten sind.

Stallergenes Greer, das sich nach der Fusion erstmals in Deutschland offiziell im größeren Rahmen mit dem neuen Unternehmensnamen präsentierte, sieht die Qualität seiner Therapieallergenextrakte zur Spezifischen Immuntherapie entsprechend der evidenzbasierten Medizin durch die neue S2K-Leitlinie bestätigt. Hier sieht sich Stallergenes Greer gut aufgestellt, bietet das Unternehemn doch bei den Präparaten zur Spezifischen Immuntherapie mehrere Medikamente an, deren PEI-Zulassung evidenzbasiert auf Basis von DBPC-Studien, die aktuelle Qualitätsanforderungen erfüllen, erfolgte.

ALK Abelló hat einen Schwerpunkt auf der Tablette zur Immuntherapie. In einer Pressekonferenz wurde vor allem die Tablettenform zur Immunisierung gegen Hausstaubmilben vorgestellt. In der neuen GAP-Studie wurde eine gute Wirksamkeit der „Lieschgrastablette“ zur Vermeidung von Asthmasymptomen und -medikamenten nachgewiesen.

Die sublinguale Immuntherapie bei Pollenallergien war ein wichtiges Thema von HAL Allergy. Mit der neuen Informationsplattform www.allergy.de will das Unternehmen direkt Betroffene über das Thema Allergien informieren.

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