Allergie und Sport: Tauchen, Schwimmen, Bergsteigen?

Unterschiedliche Aspekte des Themas „Allergie und Sport“ wurden bei der Frankfurter Allergologenrunde 2016 behandelt, die Anfang des Jahres im Hörsaalgebäude des Universitätsklinikums Frankfurt am Main stattfand. Dabei ging es um Einflüsse auf den Organismus, die durch große Tiefe oder Höhe bzw. häufiges Schwimmen in Schwimmbädern verursacht werden. Gerade große Höhen oder Tiefen wirken sich auch auf den gesunden Organismus aus, stellen aber für Allergiker ein erhöhtes Risiko dar. Moderiert von Prof. Dr. med. Stefan Zielen, Leiter Allergologie, Pneumologie und Mukoviszidose der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitäts-Klinikum Frankfurt der Goethe Universität wurden interessante Studien zum Thema „Allergie und Sport: Tauchen, Schwimmen, Bergsteigen“ vorgestellt.

Tauchen mit Pollenallergien und Asthma – ist das möglich?

Was Asthmatiker wissen sollten: Mit zunehmender Tiefe steigen unter Wasser der Druck und die Gasdichte, was eine klinisch relevante Beeinflussung der Atmung zur Folge hat. Dadurch kann es bei Asthmatikern zu erheblicher Luftnot kommen.

Auch die Atmung von komprimiertem Sauerstoff aus der Sauerstoffflasche hat ihre Tücken. So ist zum einen der Stickstoffgehalt der Luft unter Wasser höher und der Sauerstoffgehalt ist niedriger. Da das  Gas aus den Sauerstoffflaschen kalt und trocken ist, um die Flaschen vor Korrosion zu schützen, kann es zu Reizungen der Atemwege kommen.

Bei Patienten mit Asthma kann es auch bei geringen Tauchtiefen zu Atemwegsproblemen kommen. Erkrankungen, die mit einer gewissen Versteifung der Lunge einhergehen, können ebenfalls ein Risikofaktor beim Tauchen sein, da es zu einer Lungenüberblähung kommen kann.

Hinzu kommt, dass die Luft aus den Sauerstofflaschen nicht unbedingt frei von Allergenen sein muss. Das Befüllen der Flaschen während der jeweiligen Pollenflugsaison und in der Nähe von Bäumen oder Gräsern kann ausreichen, um den Inhalt der Gasflaschen mit Pollen zu kontaminieren.   

Trotz Risiken kein generelles Tauchverbot für Asthmatiker

Trotz bestehender Risiken, ist das Tauchen für Menschen mit Asthma und Allergien nicht generell ausgeschlossen. Die Voraussetzung dafür ist, dass das Asthma gut kontrolliert ist. Empfehlenswert ist es, bei bestehendem Asthma, zu Beginn der Tauchgänge, die Lungenfunktion jeweils vor und nach den Tauchgängen zu überprüfen und einen bronchialen Provokationstest durchzuführen. Dadurch kann das Risiko für eine erhöhte Hyperaktivität besser eingeschätzt werden.

Trotz Asthma Bergsteigen, geht das?

Nicht nur in der Tiefe, auch mit zunehmender Höhe steigt der Druck und beeinflusst den Gasgehalt der Organe, erklärte Dr. med. Achim Grünewald, Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main. Ist der Sauerstoffgehalt im Blut zu niedrig, kann dies zu Hyperventilation führen. Das Bergsteigen ist deshalb für Asthmatiker nicht uneingeschränkt zu empfehlen, insbesondere bei Höhen über 3000 m. Triggerfaktoren für Atemprobleme bei Asthmatikern in diesen Höhen sind u.a. die dort herrschende Kälte sowie die körperliche Anstrengung. Auch die Lufttrockenheit in extremen Höhenlagen kann ein Triggerfaktor für einen Asthmaanfall sein.

Auch fürs Bergsteigen gilt deshalb, ein stabiles, kontrolliertes Asthma ist die Voraussetzung für das risikominimierte Betreiben dieser Sportart. Gegebenenfalls kann dies durch Lungenfunktionstests bzw. entsprechende Provokationstests vorab getestet werden.

Anstrengungsasthma bei Sportlern? Es könnte auch EILO sein!

Unter Anstrengungsasthma leiden zahlreiche Athleten, insbesondere bei den Wintersportarten, wie PD Dr. med. habil. Johannes Schulze, Universitäts-Klinikum Frankfurt der Goethe Universität, in seinem Vortag erläuterte. Betroffen sind Skisportarten im Freien, aber auch Hallensportarten wie Eisschnelllauf und Eishockey.
Eine besonders innovative Methode der Diagnostik ist der Provokationstest in der Kältekammer, der am Frankfurter Uniklinikum durchgeführt werden kann. Dafür trainiert der Patient in eine Art „Kühlschrank mit Laufband“, wobei die Lungenfunktionswerte vor und nach der Belastung überprüft werden. So zeigt sich, ob und ab welchem Grad der Anstrengung kalte, trockene Luft in Zusammenhang mit Anstrengung ein Triggerfaktor bei den betroffenen Sportlern ist.   

Zu unterscheiden ist zwischen Anstrengungsasthma und „Exercise-induced laryngeal obstruction” (EILO). Bei EILO  handelt es sich um eine Funktionsstörung der Stimmbänder, die nur im Zusammenhang mit Anstrengung auftritt und asthmaähnliche Symptome verursachen kann. Es handelt sich jedoch um eine völlig andere Erkrankung, die mit Anstrengungsasthma nichts zu tun hat und eine andere Therapiestrategie erfordert.

Eine spezielle Schwierigkeit bei der Therapie von Athleten: Die Therapie muss NADA-konform sein, d.h. mit den Vorgaben der Nationalen Anti Doping Agentur Deutschland übereinstimmen, die im NADA-Standard für Medizinische Ausnahmegenehmigungen zusammengefasst sind.

Rhinitis bei Schwimmern – eine Naseklammer kann helfen!

Wie Dr. Dr. med. habil. Marc Diensthuber, Universitäts-Klinikum Frankfurt der Goethe Universität, berichtete, ist die sogenannte Schwimmer-Rhinitis ein häufiges Krankheitsbild bei Leistungsschwimmern. Man vermutet, dass die Ursachen in einer vermehrten Chlorid-Exposition der Schwimmer liegt. Typische Symptome der allergischen Rhinitis, wie eine laufende, juckende Nase, juckende tränende rote Augen und Schlafstörungen treten dabei während der Trainingphase  gehäuft auf, sind in der trainingsfreien Zeit jedoch deutlich reduziert. Eine signifikante Verbesserung der Symptomatik durch das Tragen von Nasenklammern während des Trainings konnte in einer Studie nachgewiesen werden.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.