Adjuvans MPL Monophosphoryl-Lipid A

Prof. Harald Renz, Institut für Laboratoriumsmedizin und Pathochemie, Molekulare Diagnostik am Standort Marburg, Universitätsklinikum Gießen und Marburg

MPL ein neues Adjuvans für Allergenextrakte bei der SIT?

Schon seit es Impfungen gibt werden Adjuvanzien, d.h. Hilfsstoffe, eingesetzt, um eine erfolgreiche Immunantwort zu erzielen. Seit einigen Jahren setzt man hierfür MPL (Monophosphoryl-Lipid A) ein. Jetzt soll MPL auch bei Allergenextrakten dafür sorgen, dass eine erfolgreiche Immunantwort stattfindet. Im Rahmen der Veranstaltung „Allergologie im Schloss Wackerbarth“ am 10. Juli 2015 in Dresden sprach Prof. Harald Renz, Institut für Laboratoriumsmedizin und Pathochemie, Molekulare Diagnostik am Standort Marburg, Universitätsklinikum Gießen und Marburg über den Einsatz von MPL als Adjuvans bei Allergenextrakten für die SIT.

Allergien und Immunsystem - die Mechanismen

Bei Allergischen Erkrankungen ist das Immunsystem von zentraler Bedeutung. Zum einen muss es in der Lage sein, auf schädliche „Endringlinge“ wie Viren, Bakterien etc. adäquat zu reagieren, d.h. im Ernstfall „Gas zu geben“. Auf der anderen Seite muss es überschießende Immunreaktionen „einbremsen“ können. Die physiologische Bremse des Immunsystems ist die regulatorische T-Zelle.

Bei Allergikern und auch allen anderen Patienten mit Autoimmunerkrankungen bzw. chronisch entzündlichen Erkrankungen besteht das Problem darin, dass das Immunsystem stets „Gas gibt“, weil die regulatorischen T-Zellen, also die „Bremsen“, versagen und die Entzündungsreaktion deshalb stets von Neuem angekurbelt wird.  

Spezifische Immuntherapie und/oder antientzündliche Therapie?

Vereinfacht gesagt, dient die spezifische Immuntherapie, unabhängig von der Darreichungsform,  dazu, die Funktion der regulatorischen T-Zellen im Immunsystem wieder herzustellen und  die allergenspezifische Nutzung der „Bremsen“ wieder zu aktivieren. Dazu produzieren die regulatorischen T-Zellen anti-inflammatorische Mediatoren, die unterdrückend auf die Aktivität der Immunzellen wirken.

Die Mechanismen, die bei einer SIT greifen, unterscheiden sich maßgeblich von den Mechanismen, die bei der klassischen medikamentösen antientzündlichen Pharmakotherapie greifen, denn die Behandlung mit Corticosteroiden sorgt dafür, dass die überschüssig aktivierten T-Zellen abgeschaltet werden.   

Ein duales Therapieprinzip ermöglicht deshalb das Unterbinden der überschießenden T-Zellen Aktivierung durch die Corticosteroide sowie das Unterdrücken der Immunzellen-Aktivität durch die Hyposensibilisierung, beide Therapiestränge sollten genutzt bzw. richtig kombiniert werden.

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