Düsseldorfer Allergietage 2017

Tagungsleiter Prof. Dr. med. Bernhard Homey begrüßt zu den Düsseldorfer Allergietagen!

Düsseldorfer Allergietage 2017: Neues aus Forschung und Praxis

Der Andrang bei den Düsseldorfer Allergietagen war groß. Zum 6. Mal konnten sich am 10. und 11. März Ärzte, Ernährungstherapeuten und medizinische Fachangestellte über neue Entwicklungen informieren. Hochkarätige Referenten berichteten aus der Forschung und stellten neue Erkenntnisse zu Diagnosen und Therapien vor. Über 500 Teilnehmer waren gekommen, um sich zu informieren. MeinAllergiePortal unterstützte die Düsseldorfer Allergietage als Medienpartner.

Allergie auf Insektengift – was sollten Betroffene wissen?

prof franziska rueff zur insektengiftallergieProf. Franziska Ruëff zur Insektengiftallergie!Bei Erwachsenen sind Insektengiftallergien der häufigste Auslöser für eine Anaphylaxie stellte Prof. Dr. Franziska Ruëff von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München fest. Dabei reicht die Bandbreit der allergischen Reaktionen von leichten Symptomen an der Haut über leichte bis mittelschwere Symptome innerer Organe bis zum anaphylaktischen Schock und im schlimmsten Fall bis zum Herz-/Kreislaufstillstand.

Es gibt Faktoren, die das Risiko für schwerere anaphylaktische Reaktionen erhöhen, wenn man eine Insektengiftallergie hat. Dazu gehören:

•    Höheres Alter

•    Bronchialasthma

•    Herz-/Kreislauferkrankungen

•    Mastozytose

•    erhöhte basale Serumtryptasekonzentration

•    Körperliche oder psychische Belastung

•    Blutdruckmedikamente: ACE-Hemmer (Beta-Blocker?)

•    Wiederholte Stiche (kurz hintereinander)

Für die individuelle Risikoeinschätzung des Patienten ist es deshalb wichtig, mögliche Erkrankungen zu erfassen, zu behandeln und bei der Therapie der Insektengiftallergie entsprechend zu berücksichtigen. Ebenso wichtig ist die genaue Diagnostik des auslösenden Allergens, insbesondere zur präziseren Auswahl des Therapieextraktes für eine Allergen Immuntherapie.

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Chronische Rhinosinusitis: Wie wirksam sind aktuelle Therapien? Neue Optionen durch Biologika?

prof wagenmann chronische rhinosinusitisProf.Martin Wagenmann zur chronischen Rhinosinusitis!Eine kritische Einschätzung der aktuell bei einer chronischen Rhinosinusitis eingesetzten Therapien gab Prof. Dr. med. Martin Wagenmann, Hals-Nasen-Ohrenarzt und Allergologe an der HNO-Klinik am Universitätsklinikum Düsseldorf.  

Zur Verfügung stehen die folgenden Therapieoptionen:

• Intranasale Steroide

• Systemische Steroide

• Antibiotika

• Nasenduschen

• Operation

Nicht alle aufgeführten Therapieoptionen halten jedoch einer eingehenden Prüfung stand. Eindeutige Empfehlungen aufgrund vorhandener Wirksamkeitsnachweise kann man für intranasale Glukocorticosteroide und Nasenduschen mit Kochsalzlösung geben.

Jüngste Untersuchungen zur Wirksamkeit dieser Therapieoptionen haben gezeigt, dass lediglich für intranasale Glukocorticosteroide und Nasenduschen mit Kochsalzlösung eine eindeutige Empfehlung aufgrund vorliegender Evidenz ausgesprochen werden kann.

Insbesondere eine Antibiotika-Therapie kann nur eingeschränkt empfohlen werden, weil die Effektivität im Vergleich zur Therapie mit intranasalen Glukocorticosteroiden und Nasenduschen nicht in ausreichendem Maße gegeben ist. Möglicherweise könnten Antibiotika an der Entstehung einer chronischen Rhinosinusitis sogar beteiligt sein.

Nicht uneingeschränkt empfehlenswert ist auch eine operative Behandlung der chronischen Rhinosinusitis. Nach einer Untersuchung hatte fast die Hälfte der Patienten drei bis fünf Jahre nach der OP wieder unkontrollierte Symptome, ein weiterer großer Teil der Patienten klagte über nur teilweise kontrollierte Symptome und lediglich ca. 20 Prozent der Operierten berichteten, dass sie symptomfrei seien.

Neue therapeutische Optionen könnten durch Biologika entstehen. Diese werden bereits erfolgreich zur Therapie von Asthma, Urtikaria, Angioödemen und Mastozytose eingesetzt. Erste Studien an CRS-Patienten haben jedoch gezeigt, dass insbesondere manche Patienten mit Nasenpolypen von der Therapie profitieren könnten.

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Arzneimittelreaktionen und Anaphylaxie

Unverträglichkeiten von Arzneimitteln können immunologisch oder nicht-immunologisch bedingt sein, führte Prof. Dr. Margitta Worm, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Charité - Universitätsmedizin Berlin aus. Der weitaus häufigste Auslöser von Arzneimittelreaktionen sind nicht-steroidale Entzündungshemmer, d.h. Schmerzmittel, mit großem Abstand folgen Beta-Laktam-Antibiotika.

Die Symptome können sich z.B. in Form eines Hautausschlages, durch Urtikaria, d.h. Quaddeln, Angioödeme oder Arzneimittelexantheme äußern. Im schlimmsten Fall kann es zu einem anaphylaktischen Schock kommen. Todesfälle durch Arzneimittelreaktionen sind selten, allerdings steigt das Risiko im höheren Lebensalter.

Besteht der Verdacht auf eine Arzneimittelreaktion sollte der Auslöser abgeklärt, im Allergiepass des Patienten vermerkt und gemieden werden. Dabei ist es wichtig, dem Patienten alternative, verträgliche Medikationen aufzuzeigen.   

Molekulare Allergiediagnostik – was bringt das?

dr petra zieglmayer zur molekularen allergiediagnostikDr. Petra Zieglmayer zur molekularen Allergiediagnostik!Ein manchen noch nicht so vertrautes Verfahren zur präziseren Diagnose von Sensibilisierungen stellte Dr. Petra Zieglmayer, wissenschaftliche Leiterin am Allergieambulatorium Wien West vor. Bei der molekularen Allergiediagnostik werden nicht, wie bei der klassischen Allergiediagnostik, Allergenextrakte eingesetzt, sondern native, oder rekombinante, d.h. biotechnologisch hergestellte, Allergenkomponenten. Die Diagnostik erlaubt so eine präzisere Bestimmung der Allergene, die für die Beschwerden des Patienten relevant sind.

Einen Vorteil gegenüber klassischen Methoden bietet die molekulare Allergiediagnostik bei der Risikoabschätzung für anaphylaktische Reaktionen auf Nahrungsmittelallergene. So können gefährliche und harmlose Allergene bestimmt und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen eingeleitet werden. Gleichzeitig werden so eine unnötige Einschränkungen des Patienten durch das Verbot bestimmter Nahrungsmittel vermieden.    

Auch bei der Therapieplanung und beim Therapiemonitoring spielt die molekulare Allergiediagnostik eine wichtige Rolle. Die Allergen Immuntherapie kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie gegen das relevante Allergen gerichtet ist. Die molekulare Allergiediagnostik schafft hier Klarheit und trägt zur besseren Abschätzung des zu erwartenden Therapieerfolges bei.

Diese Präzision ist insbesondere für Insektengiftallergiker von Bedeutung. Hier kann es aufgrund von Kreuzreaktivitäten zwischen den Allergenen der Biene und der Wespe bei klassischen Allergietests zu unklaren Ergebnissen  kommen.

Allergenexpositionkammern (AEC): Wie verbessern sie die Therapiequalität der AIT?

prof oliver pfaar zu allergenexpositionskammernProf. Oliver Pfaar zu Allergenexpositionskammern!Einen Einblick in aktuelle Forschungsaktivitäten und die Arbeit einer EAACI-Projektgruppe gab Prof. Dr. med. Oliver Pfaar Universitäts-HNO-Klinik Mannheim, Medizinische Fakultät Mannheim, Universität Heidelberg und Allergiezentrum Wiesbaden mit seinem Vortrag zu Allergenexpositionkammern. Allergenexpositionkammern können dazu genutzt werden, die Wirkung von neuen Therapien auf die betroffenen Patienten unter standardisierten Bedingungen zu überprüfen.

Dafür werden Patienten in einem abgeschlossenen Raum einem bestimmten Allergen, in einer bestimmten Konzentration und unter bestimmten Bedingungen, z.B. Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit etc. ausgesetzt. Dies hat den Vorteil, dass störende Einflüsse durch andere Allergene ausgeschlossen werden.

Ziel des Einsatzes von Allergenexpositionkammern kann z.B. der Nachweis der Wirksamkeit oder die Dosisfindung bei neuen Therapien sein. Eine EAACI-Projektgruppe beschäftigte sich deshalb mit den Voraussetzungen für eine klinische Validierung der Allergenexpositionkammern für den Einsatz bei der Allergen Immuntherapie (AIT) und gab Empfehlungen für technische Mindestanforderungen und der Modell-Validierung. Zukünftige Forschungsfelder könnten die Kombination von Studien in der Allergenexpositionkammern und Feldstudien sein.

Urtikaria und Angioödem: Welche Therapien können helfen?

Urtikaria ist kein seltenes Phänomen. Wie Prof. Dr. Randolf Brehler, Klinik für Hautkrankheiten, Allergologie, Berufsdermatosen und Umweltmedizin an der Universitätsklinik Münster feststellte, leidet jeder 4. bis 10. irgendwann in seinem Leben unter Urtikaria. Man unterscheidet heute zwei Patientengruppen, diejenigen die an einer  induzierbaren Urtikaria leiden und diejenigen, die an einer chronisch spontanen Urtikaria leiden. Der Unterschied: Bei einer induzierbaren Urtikaria lässt sich ein Auslöser identifizieren, der für die Symptome verantwortlich ist, z.B. Kälte, Druck oder Wärme und diese halten in der Regel nicht länger als sechs Wochen an. Bei der chronisch spontanen Urtikaria lässt sich keine Ursache ausmachen, die Beschwerden treten spontan auf und bleiben länger als sechs Wochen bestehen.

Die Therapie der akuten induzierbaren Urtikaria besteht neben der Meidung des Auslösers in der Gabe von Antihistaminika, teilweise hoch dosiert, Kortikosteroiden und, wenn relevant, einer Diät. Allerdings ist in vielen Fällen eine Antihistaminika-Therapie nicht wirksam. Eine Therapieoption besteht im Wechsel des Präparates. Eine weitere Option wäre eine Off-label-Therapie, d.h. die Behandlung mit einem für Urtikaria noch nicht zugelassenen Medikament. Bei der Druckurtikaria, die ebenfalls meist schlecht auf Antihistaminika anspringt, ist eine Therapie mit dem Wirkstoff Dapson eine Option.

Die Therapie der chronisch spontanen Urtikaria steht vor größere Herausforderungen. Hochwirksam ist in vielen schweren Fällen der Wirkstoff Omalizumab, der allerdings kontinuierlich gegeben werden muss.

Bei der Diagnose ist auf die möglichen Sonderformen der Urtikaria, wie z.B. das Schnitzler-Syndrom, zu achten, weil dies eine differenzierte Therapie bedingt. Beim Schnitzler-Syndrom können die Patienten zusätzlich zur Urtikaria z.B. auch an Beschwerden wie intermittierendes Fieber, Knochen- und Muskelschmerzen oder Gelenkschmerzen leiden. Eine Behandlung mit Interleukin-Inhibitoren wie Anakinra bzw. Canakinumab kann den Patienten oft sehr schnell helfen.

Neurodermitis: Neue Erkenntnisse zur atopischen Dermatitis

prof natalija novak zur atopichen dermatitisProf. Natalija Novak zur atopichen Dermatitis!Neue Erkenntnisse zur atopischen Dermatitis stellte Univ.-Prof. Dr. med. Natalija Novak, Leitende Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Bonn vor. Das Mikrobiom der Haut kann auf verschiedenen Ebenen eine Modulation des Immunsystems bewirken. Dazu gehören eine genetische Prädisposition, eine veränderte krankheitsspezifische Bakterienzusammensetzung des Mikrobioms, sowie andere krankheitsverursachende Keime. So weiß man, dass die Diversität der Bakterien auf der Haut bei der atopischen Dermatitis während eines akuten Schubes abnimmt. Gleichzeitig kommt es zu einer Dominanz des Bakteriums Staphylococcus aureus, während andere Bakterienarten dezimiert werden. Durch eine erfolgreiche Therapie wird das Bakteriengleichgewicht dann wiederhergestellt.     

Bei der physischen Hautbarriere weiß man, dass das Filaggrin ein wichtiger Bestandteil für die Aufrechterhaltung der Hautbarriere ist und auch bei der atopischen Dermatitis eine wichtige Rolle spielt. Bei 30 Prozent der erwachsenen Neurodermitis Patienten liegt eine Mutation im Filaggrin-Gen vor. Auch bei den Tight Junctions finden sich bei einem Teil der Neurodermitis-Patienten genetisch bedingte Veränderungen, die die Durchlässigkeit der Hautbarriere erhöhen.

Auch wenn kein akuter Schub besteht, unterscheidet sich die Haut von Neurodermitis-Patienten von der gesunder Menschen. Studien haben gezeigt dass auch bei nicht-läsionaler Haut eine subklinische Inflammation besteht, die durch unterschiedliche Triggerfaktoren aktiviert werden und zu Schüben führen können.

Die Neurodermitis ist mit einer Reihe von Begleiterkrankungen vergesellschaftet. Ein gehäuftes Auftreten von allergischer Rhinitis und allergischem Asthma ist bei der atopischen Dermatitis seit langem bekannt. Neuere Studien haben auch eine Assoziation mit chronischen Darmentzündungen, rheumatoider Arthritis, ADHS und kardiometabolischen Erkrankungen nachweisen können.    
Neue Therapien zur Behandlung der schweren atopischen Dermatitis werden zurzeit entwickelt. Aktuell laufen Phase 3-Studien zu Antikörpern, die sich gegen IL-4 und IL-13 richteten und die in Bezug auf die Ausprägung der Hautläsionen und den Juckreiz einen guten Erfolg zu zeigen scheinen. Ebenso werden zurzeit Studien mit einem Antikörper gegen den IL-31-Rezeptor durchgeführt, die zu Juckreiz und Schlafqualität gute Ergebnisse zeigen.

Auf die Kontrolle der Entzündungsreaktion zielt eine Studie zu einem topisch angewendeten Phosphodiesterase 4 Inhibitor, die kürzlich veröffentlicht wurde. Phosphordiexterase spielt eine wichtige Rolle bei Entzündungsreaktionen und wird bei der Behandlung von Schuppenflechte bereits eingesetzt.

Hygiene-Hypothese: Neue Erkenntnisse zur präventiven Wirkung einer mikrobiellen Vielfalt

Einen Hinweis, der die Hygiene-Hypothese stützen könnte, lieferte Prof. Dr. Antje Schuster, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Düsseldorf. Sie berichtete von den Amish und den Hutterer, zwei Bevölkerungsgruppen die nach der Auswanderung in die USA dort einen traditionell bäuerlichen und isolierten Lebensstil pflegten. Die Gruppen unterscheiden sich jedoch im Hinblick auf die Prävalenz von Allergien, die Hutterer zeigen eine deutlich höhere Asthmarate. Dies könnte damit zusammenhängen, dass die Amish eine traditionelle Landwirtschaft betreiben, während die Farmen der Hutterer industrialisiert sind. Bei Untersuchungen hat man bei den Amish-Häusern im Vergleich zu den Hutterer sowohl höhere Endotoxin-Konzentrationen als auch höhere Allergenbelastungen gefunden. Auch die bakteriellen Profile im Hausstaub waren deutlich unterschiedlich.

Daumenlutschen und Nägelkauen erhöhen die mikrobielle Exposition. Entsprechend der Hygiene-Hypothese müssten deshalb Kinder, die am Daumen gelutscht und Nägel gekaut haben, seltener von Allergien betroffen sein, als andere Kinder. Eine neuseeländische Studie hat dies untersucht und kam nach Haut-Prick-Tests an einer großen Geburtskohorte, jeweils im Alter von 13 und 32 Jahren zu dem Ergebnis, dass bei diesen Kindern das Risiko einer atopischen Sensibilisierung tatsächlich deutlich geringer war.

Aus dem gleichen Grund hat eine Studie den Einfluss der Schnullerhygiene auf das Allergierisiko untersucht. Die Frage war, ob Kinder von Eltern, die den Schnuller durch Ablutschen säubern, seltener von Allergien betroffen waren, als Kinder, deren Eltern den Schnuller vorschriftsmäßig auskochten. Auch hier kam man zu dem Ergebnis, dass das elterliche Ablecken des Schnullers das Risiko der Allergieentwicklung zu reduzieren scheint, möglicherweise durch eine Immunstimulation durch mikrobielle Organismen, die durch den elterlichen Speichel auf das Kind übertragen werden. Es zeigten sich auch deutliche Unterschiede beim oralen Mikrobiom beider Gruppen.

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