CJD Berchtesgaden Asthma Allergien Neurodermitis

Dr. Gerd Schauerte, Leiter Institut für Verhaltensmedizin bei Neurodermitis und Asthma beim CJD Berchtesgaden

CJD Berchtesgaden: Reha und Schule bei Asthma, Allergien, Neurodermitis und Co.

Bei Kindern und Jugendlichen, die an Asthma, Allergien und Neurodermitis leiden, ist die Lebensqualität manchmal enorm beeinträchtigt. Das kann zu psychischen Problemen führen und oft sind dann auch die Schulleistungen negativ beeinflusst. Das CJD Berchtesgaden bietet in diesen Fällen Hilfe und Rehabilitationsmöglichkeiten. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Gerd  Schauerte, Leiter Institut für Verhaltensmedizin bei Neurodermitis und Asthma beim CJD Berchtesgaden über die Voraussetzungen für einen Aufenthalt und was Kinder und Jugendliche dadurch erreichen können.

Herr Dr. Schauerte, was bietet das CJD Berchtesgaden für Kinder und Jugendliche mit Allergien, Asthma und Neurodermitis und welche Therapieziele sollen erreicht werden?

Im CJD Berchtesgaden geht es um eine medizinisch-schulische oder medizinisch-berufliche Rehabilitation, d.h. es geht um mehr als die rein medizinische Rehabilitation. Zu uns kommen Kinder, bei denen es neben den gesundheitlichen Problemen aufgrund chronischer Erkrankungen wie Asthma, Neurodermitis, Allergien, Diabetes Mellitus, Adipositas und Mukoviszidose zu deutlichen Einbußen im Zusammenhang mit der Schullaufbahn oder bei beim Berufseinstig gekommen ist.  

Es gibt Kinder, die aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme in eine regelrechte "Schulabwärtsspirale" geraten. Das kann z.B. bereits eine Asthmaverschlechterung zu Beginn des Schuljahres sein. Wenn so ein Kind die ersten zwei Wochen verpasst hat, verliert es leicht den Anschluss. Wenn es dann endlich aufgeholt hat, kommt die nächste Asthmaverschlechterung und wirft es wieder zurück. Wegen der Leistungsverschlechterung wird dann oft der  Schultyp gewechselt, das Kind kommt in ein neues Umfeld, nicht jeder Mitschüler und Lehrer akzeptiert die Erkrankung und so wird mit der Zeit aus einem guten Schüler ein schlechter, der seine intellektuellen Fähigkeiten nicht entsprechend ausleben kann. Ganz schnell kommt es dann zu Schulunlust und die schulische Abwärtsspirale dreht sich weiter nach unten.
Unser Ziel ist es, diesen Mechanismus zu durchbrechen und neben der gesundheitlichen Stabilisierung auch eine Stabilisierung im Bereich Schule bzw. Beruf zu erreichen.

Geht die Initiative zu einem Aufenthalt im CJD Berchtesgaden in der Regel von den betreuenden Ärzten aus?

Oft  geht die Initiative von den Ärzten aus; aber auch die Eltern kommen direkt auf uns zu wenn sie merken, dass die schulische Laufbahn bzw. die berufliche Laufbahn ihres Kindes durch die chronische Erkrankung schwer in Mitleidenschaft gezogen wird oder die Krankheit zu Hause nicht gut beherrschbar ist.

Teilweise wenden sich jedoch auch die Jugendämter an uns. Die Jugendämter werden dann aktiv, wenn auffällig wird, dass Kinder neben ihrer chronischen Erkrankung Verhaltensauffälligkeiten zeigen oder Verhaltensprobleme haben und wenn ein regelmäßiger Schulbesuch nicht mehr möglich ist.

Wie sieht das Programm beim CJD Berchtesgaden konkret aus?

Das Programm beim CJD Berchtesgaden ist etwas anders als das Programm „normaler“ Rehakliniken,  bei denen ein Aufenthalt von ca. vier Woche üblich ist. In diesen Einrichtungen steht die medizinische Rehabilitation deutlich im Vordergrund und es findet ein begleitender Unterricht statt.

In unserer Einrichtung sind die Bereiche medizinische Rehabilitation und die schulische Stabilisierung gleichwertige Faktoren. Zum CJD Berchtesgaden gehören eine Grundschule, eine Mittelschule und ein beruflicher Zweig, bei dem vom Arbeitsamt getragene berufsfördernde und berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen durchgeführt werden oder sogar Ausbildungen. Zum CJD Berchtesgaden gehören außerdem auch ein Skigymnasium, eine Realschule, eine Fachoberschule und eine Kinderpflegeschule.

Das Bildungsangebot ist sehr breit aufgestellt und langfristig angelegt, d.h. ein Aufenthalt im CJD ist eine Maßnahme, die in der Regel über ein Schuljahr und manchmal auch deutlich länger läuft. Wir konzentrieren uns nicht nur auf die medizinischen Aspekte, sondern schauen auf den gesamten Menschen. Das bedeutet, wenn sich z.B. bei einem Kind oder Jugendlichen die Asthmasymptome verbessert haben, nicht jedoch die schulischen oder beruflichen Defizite, wäre ein Wechsel in eine Regelschule nicht sinnvoll. Alle positiv begonnen Prozesse würden dann ad absurdum geführt.

Unser Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen so zu stärken, dass sie im Anschluss an den Aufenthalt in CJD Berchtesgaden in der Regelschule oder dem Regelberuf ausreichend bestehen können; und das ist in kurzer Zeit nicht möglich – manche Kinder bleiben bei uns, bis sie erwachsen sind und ihre Ausbildung abgeschlossen haben.

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