Asthma und Schwangerschaft

Privatdozentin Marion Tegethoff, Leiterin Ambizione Forschergruppe (SNF), Abteilung für Klinische Psychologie und Psychiatrie an der Universität Basel

Asthma und Schwangerschaft - Zusammenhänge, Risiken, negative Folgen

Die Auswertung von Daten von 66.000 schwangeren Frauen machte es deutlich. Nicht nur bei Schwangerschaft und Geburt müssen werdende Mütter, die unter Asthma leiden, mit negativen Folgen für das Ungeborene rechnen. Auch nach der Geburt ergeben sich für das Kind Risiken, die mit der Asthmaerkrankung der Mutter während der Schwangerschaft zusammenhängen. MeinAllergiePortal sprach mit Privatdozentin Marion Tegethoff, Leiterin Ambizione Forschergruppe (SNF), Abteilung für Klinische Psychologie und Psychiatrie an der Universität Basel über ihre Erkenntnisse aus einer Metastudie.

Frau Privatdozentin Tegethoff, mit welchen langfristigen Risiken für ihr Kind müssen Frauen rechnen, die in der Schwangerschaft an Asthma leiden?

Wir konnten ein erhöhtes Risiko für verschiedene Erkrankungen bei Kindern feststellen, wenn deren Mütter während der Schwangerschaft unter Asthma litten. Dazu zählt z.B. ein erhöhtes Risiko für Infektionserkrankungen sowie Krankheiten des Nervensystems, des Ohres, der Atmungsorgane und der Haut.

Die Kinder wurden bis zu einem Alter zwischen 3,6 und 8,9 Jahren beobachtet. Ob das Risiko auch über dieses Alter hinaus erhöht ist, müssen Folgestudien feststellen.

Die Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft unter Asthma litten, waren etwa 1,3 bis 1,4-fach von den oben genannten Erkrankungen betroffen.

Erhöht sich, wenn die Mutter unter Asthma leidet, auch für das Kind das Risiko, eine allergische Erkrankung zu entwickeln?

Wir haben keine spezifischen Erkrankungen des Kindes untersucht, also auch nicht speziell den Zusammenhang mit allergischen Erkrankungen, sondern verschiedene Erkrankungen in Oberkategorien zusammengefasst. Diese Oberkategorien leiten sich aus dem "International Classification of Diseases, 10th Revision" (ICD-10) ab, dem international gängigen Klassifikationssystem für Erkrankungen.

Besteht ein langfristiges Risiko für das Kind grundsätzlich für alle Frauen, die an Asthma leiden und schwanger werden oder gilt das nur für die Frauen, die während der Schwangerschaft mit Asthmasymptomen zu kämpfen haben?

Wir haben Frauen untersucht, die während der Schwangerschaft an Asthma litten, unabhängig davon, ob das Asthma in der Schwangerschaft erstmals auftrat oder ob die Frauen bereits länger unter Asthma litten. Da die Ergebnisse unserer Studie auf Gruppenmittelwerten basieren, lassen sie keine Rückschlüsse für Einzelfälle zu, d.h. die Ergebnisse suggerieren nicht, dass jedes Kind, dessen Mutter während der Schwangerschaft unter Asthma litt, eine der oben genannten Erkrankungen entwickelt.

Konnten Sie einen Unterschied bzgl. der Risiken für das Kind feststellen, je nachdem ob die Mütter in der Schwangerschaft medizinisch gegen Asthma behandelt wurden oder nicht?

Das Risiko von Kindern, deren Mütter gegen ihr Asthma behandelt wurden, war überwiegend vergleichbar mit dem Risiko von Kindern, deren Mütter nicht gegen ihr Asthma behandelt wurden. Asthma-Medikation ging allerdings mit einem reduzierten Risiko für Neubildungen beim Nachwuchs einher.

Eine Behandlung von Asthma in der Schwangerschaft ist grundsätzlich möglich, sollte aber individuell mit einer Ärztin bzw. einem Arzt besprochen werden. In einer früheren Arbeit haben wir den Zusammenhang zwischen der Inhalation von Glukokortikoiden zur Asthmabehandlung in der Schwangerschaft und dem Erkrankungsrisiko des Kindes untersucht. Wir fanden, dass es in den meisten Erkrankungskategorien keinen Unterschied zwischen den Kindern gab. Allerdings wiesen Kinder von entsprechend behandelten Müttern ein, im Vergleich zu Kindern von Müttern, die nicht mit Glukokortikoid-Inhalantien behandelt wurden, erhöhtes Risiko für hormonelle und Stoffwechselstörungen auf.

Zusammengefasst fanden wir keine deutlichen Hinweise, die dafür sprechen würden, von einer Behandlung während der Schwangerschaft abzuraten. Und es gibt gute Gründe, Asthma auch während der Schwangerschaft adäquat zu behandeln. Kosten und Nutzen einer Behandlung sollten im Einzelfall mit einer Fachperson besprochen werden.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.