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Zöliakie und Osteoporose: Die stumme Gefahr für die Knochen!

Zöliakie ist weit mehr als eine reine Magen-Darm-Erkrankung – sie kann auch die Knochen massiv schwächen. Den Betroffenen droht dann eine Osteoporose, die oft lange unbemerkt bleibt. Doch wie genau kann es bei Zöliakie zu einer Schwächung der Knochen kommen? Welche Warnsignale sollte man kennen und wie lässt sich das Osteoporose-Risiko durch die richtige Ernährung effektiv senken? Im Interview mit MeinAllergiePortal erklärt Ernährungsexpertin Katharina Knoblich, Ernährungstherapeutin beim Fachzentrum für Ernährung in Nürnberg, die medizinischen Hintergründe und gibt praktische, alltagstaugliche Tipps für eine knochenstarke, glutenfreie Ernährung.

Zöliakie und Osteoporose: Die stumme Gefahr für die Knochen!
Zöliakie und Osteoporose: Die stumme Gefahr für die Knochen! Quellen: Großes Bild: sasirin pamai's Images; kleines Bild: Getty Images/K. Knoblich

Autor: Sabine Jossé

Interviewpartner: Katharina Knoblich

Liebe Katharina, gibt es einen Zusammenhang zwischen Zöliakie und Osteoporose?

Ja, den gibt es. Menschen mit Zöliakie haben häufiger eine verminderte Knochendichte und auch das Risiko für Knochenbrüche ist erhöht. Das kann bereits zum Zeitpunkt der Zöliakie-Diagnose der Fall sein – auch dann, wenn jemand vorher kaum typische Magen-Darm-Beschwerden hatte.

Entwickelt jeder Zöliakie-Patient auch eine Osteoporose?

Nein, das heißt nicht, dass jeder Mensch mit Zöliakie automatisch eine Osteoporose entwickelt. Es gibt verschiedene Faktoren, die das persönliche Risiko beeinflussen. Und die gute Nachricht ist: Mit der Behandlung der Zöliakie können wir auch für die Knochengesundheit einiges tun.

Wie hoch ist das Risiko für Osteoporose bei Zöliakie im Vergleich zu gesunden Menschen?

Menschen mit Zöliakie haben im Durchschnitt häufiger eine verminderte Knochendichte und ein erhöhtes Risiko für Osteoporose als Menschen ohne Zöliakie. Das gilt besonders dann, wenn die Zöliakie noch nicht behandelt wird. Bei vielen Betroffenen verbessert sich die Knochengesundheit nach Beginn einer konsequent glutenfreien Ernährung wieder.

Wie hoch das persönliche Risiko ist, lässt sich deshalb nicht allein anhand von Studienwerten beurteilen. Es hängt unter anderem vom Alter, vom Körpergewicht, vom Ausmaß der Darmschädigung und davon ab, wie lange die Zöliakie bereits bestanden hat. Die neue ESsCD Leitlinie nennt insbesondere ein Alter über 45 Jahre, Untergewicht, eine ausgeprägte Malabsorption, einen deutlichen Gewichtsverlust und bereits erlittene Knochenbrüche als Faktoren, die das Risiko zusätzlich erhöhen können.

Bei Kindern und Jugendlichen scheint das Frakturrisiko dagegen nicht grundsätzlich erhöht zu sein.

Wie wirken sich bei Zöliakie Alter, Körpergewicht und Ausmaß der Darmschädigung konkret auf das Osteoporose-Risiko aus?

Mit zunehmendem Alter steigt grundsätzlich das Risiko für eine verminderte Knochendichte und Osteoporose. Auch bei Zöliakie zeigt sich dieser Zusammenhang: In der europäischen Zöliakie-Leitlinie wird ein Alter über 45 Jahre als ein Faktor genannt, der mit einem erhöhten Osteoporose-Risiko verbunden ist.

Auch Untergewicht, eine besonders ausgeprägte Schädigung der Dünndarmschleimhaut oder eine lange Zeit bis zur Diagnose können das Risiko zusätzlich erhöhen. Je stärker die Darmschleimhaut geschädigt ist, desto eher kann auch die Aufnahme wichtiger Nährstoffe wie Calcium und Vitamin D beeinträchtigt sein.

Wie kommt es bei Zöliakie zu diesem erhöhten Osteoporose-Risiko?

Das erhöhte Osteoporose-Risiko hängt bei Zöliakie wahrscheinlich vor allem mit einem Vitamin-D-Mangel zusammen. Bei einer unbehandelten Zöliakie ist die Schleimhaut des Dünndarms geschädigt. Dadurch können Nährstoffe schlechter aufgenommen werden – darunter auch Vitamin D und der Mineralstoff Calcium, die für stabile Knochen wichtig sind.

Zusätzlich können die Entzündungsprozesse bei einer aktiven Zöliakie den Knochenstoffwechsel beeinflussen.

Die glutenfreie Ernährung ist deshalb auch für die Knochengesundheit wichtig. Wenn sich die Dünndarmschleimhaut erholt, können Nährstoffe meist wieder besser aufgenommen werden. Dadurch kann sich auch die Knochendichte verbessern.

Gibt es, abgesehen von Zöliakie, weitere Risikofaktoren für Osteoporose?

Ja, sehr viele. Manche davon können wir nicht beeinflussen, zum Beispiel das Alter, das Geschlecht oder eine familiäre Veranlagung. Auch wer bereits einen Knochenbruch hatte, ohne dass dafür ein größerer Unfall nötig war, hat ein erhöhtes Risiko für weitere Frakturen. Daneben gibt es eine ganze Reihe von Erkrankungen, die die Knochengesundheit beeinflussen können.

Welche Erkrankungen können Osteoporose begünstigen?

Zu den Erkrankungen, die Osteoporose begünstigen können, gehören zum Beispiel hormonelle Erkrankungen wie Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen oder ein Hyperparathyreoidismus, eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen, aber auch chronisch-entzündliche Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Auch neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder Multiple Sklerose sowie eine eingeschränkte Mobilität und häufige Stürze können das Frakturrisiko erhöhen.
Weitere Risikofaktoren sind zum Beispiel, wie gesagt, Untergewicht oder eine starke Gewichtsabnahme, eine früh eingetretene Menopause, Rauchen und ein hoher Alkoholkonsum. Auch Erkrankungen von Niere, Lunge oder Herz sowie bestimmte Operationen am Magen-Darm-Trakt können eine Rolle spielen.

Und schließlich gibt es Medikamente, die das Osteoporose- oder Frakturrisiko erhöhen können.

Welche Medikamente können das Osteoporose-Risiko erhöhen?

Besonders bekannt dafür, dass dies das Risiko für Osteoporose erhöht, ist eine längerfristige Behandlung mit Kortison. Die DVO-Leitlinie nennt daneben unter anderem bestimmte Antiepileptika, Aromatasehemmer, Protonenpumpenhemmer, Antipsychotika und Opioide.

Das zeigt ganz gut: Osteoporose entsteht häufig nicht durch einen einzelnen Auslöser. Meist kommen mehrere Faktoren zusammen. Bei Menschen mit Zöliakie lohnt es sich deshalb, nicht nur auf die Zöliakie selbst zu schauen, sondern das persönliche Gesamtrisiko mitzudenken.

Sollten Menschen mit Zöliakie grundsätzlich ihre Knochendichte messen lassen?

Nicht unbedingt. Ob eine Knochendichtemessung sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Alter und von weiteren Risikofaktoren ab.

Die deutsche Zöliakie-Leitlinie empfiehlt eine Knochendichtemessung ab dem 50. Lebensjahr. Besteht ein erhöhtes Osteoporoserisiko, sollte unabhängig vom Alter bereits bei der Zöliakie-Diagnose gemessen werden. Ohne zusätzliche Risikofaktoren kann bei diesen Erwachsenen eine Messung etwa ein bis eineinhalb Jahre nach der Diagnose durchgeführt werden.

Die neuere europäische Leitlinie geht noch stärker nach dem persönlichen Risiko vor. Sie empfiehlt eine Knochendichtemessung insbesondere bei zusätzlichen Risikofaktoren, zum Beispiel einer ausgeprägten Malabsorption oder starkem Gewichtsverlust, einer spät erkannten Zöliakie oder bereits aufgetretenen Knochenbrüchen.

Es muss also nicht jeder Mensch mit Zöliakie automatisch zur Knochendichtemessung. Sinnvoll ist es aber, das persönliche Risiko bei den Verlaufskontrollen einmal gezielt anzusprechen.

Mit welchen Tests stellt man Osteoporose fest – Blutwerte, Röntgen etc.?

Wichtiger Teil der Basisdiagnostik ist die sogenannte DXA-Messung. Das ist eine spezielle Röntgenuntersuchung mit sehr geringer Strahlenbelastung, bei der die Knochendichte an der Lendenwirbelsäule und im Hüftbereich am proximalen Femur beidseits - Schenkelhals und Gesamtfemur - bestimmt wird. Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten.

Blutwerte allein können nicht zeigen, ob eine Osteoporose vorliegt. Sie helfen aber dabei, andere Ursachen für eine verminderte Knochendichte oder mögliche Nährstoffmängel zu erkennen. Zum Basislabor gehören laut DVO 2023 unter anderem Blutbild, Blutsenkung oder CRP, Calcium, Phosphat, alkalische Phosphatase, Gamma-GT, Kreatinin, TSH sowie Eiweißelektrophorese beziehungsweise Immunglobuline. Bei Zöliakie sind zusätzlich 25-OH-Vitamin D und – je nach Befund – Parathormon besonders relevant.

Besteht der Verdacht auf bereits vorhandene Wirbelkörperbrüche, können zusätzliche bildgebende Untersuchungen sinnvoll sein.

Gibt es frühe Anzeichen bei Osteoporose?

Leider kaum. Genau das macht Osteoporose so tückisch: Der Knochenabbau selbst tut nicht weh. Viele Menschen merken deshalb lange Zeit überhaupt nichts davon.
Manchmal fällt eine Osteoporose tatsächlich erst auf, wenn ein Knochen bei einem eigentlich harmlosen Sturz oder einer geringen Belastung bricht. Auch plötzlich auftretende Rückenschmerzen, ein deutlicher Größenverlust oder eine zunehmend gebeugte Körperhaltung können Hinweise auf Wirbelkörperbrüche sein.

Deshalb ist es gerade bei vorhandenen Risikofaktoren sinnvoll, die Knochengesundheit im Blick zu behalten und nicht erst auf Beschwerden zu warten.

Welche Werte haben bei der Osteoporose-Testung welche Bedeutung?

Bei der Knochendichtemessung wird unter anderem der sogenannte T-Score bestimmt. Er vergleicht die eigene Knochendichte mit der durchschnittlichen Knochendichte junger, gesunder Erwachsener. Ein T-Score bis −1 gilt als normal. Zwischen −1 und −2,5 spricht man von einer Osteopenie, ab −2,5 oder niedriger nach der klassischen WHO-Definition von einer Osteoporose.

Bei jüngeren Menschen, Kindern und Jugendlichen sowie Frauen vor der Menopause und Männern unter 50 Jahren ist zusätzlich der Z-Score wichtig. Er vergleicht die Knochendichte mit Menschen gleichen Alters und Geschlechts. Ein Wert von −2,0 oder niedriger liegt unterhalb des erwarteten Bereichs für das Alter und kann auf weitere Einflussfaktoren wie eine Erkrankung, einen Nährstoffmangel oder bestimmte Medikamente hinweisen.

T-Score und Z-Score sind aber nur ein Teil des Gesamtbildes. Für die Beurteilung zählen auch das Alter, frühere Knochenbrüche und weitere Risikofaktoren. Bei Kindern und Jugendlichen wird eine Osteoporose außerdem nicht allein anhand der Knochendichte diagnostiziert.

Wie diagnostiziert man eine Osteoporose bei Kindern und Jugendlichen?

Bei Kindern und Jugendlichen gelten andere Kriterien als bei Erwachsenen, da sich die Knochen noch im Wachstum befinden. Bei einer DXA-Messung wird deshalb der Z-Score betrachtet. Er vergleicht die Knochendichte mit der von Gleichaltrigen gleichen Geschlechts. Ein Z-Score von −2,0 oder niedriger weist auf eine für das Alter niedrige Knochendichte hin, bedeutet aber nicht automatisch Osteoporose.

Bei Kindern und Jugendlichen wird die Diagnose deshalb immer aus mehreren Bausteinen gestellt: Knochendichte, Wachstum und Entwicklung, bisherige Knochenbrüche und mögliche zugrunde liegende Erkrankungen werden gemeinsam beurteilt.

Was passiert, wenn man Osteoporose nicht behandelt?

Das größte Problem ist, dass die Knochen zunehmend an Stabilität verlieren und dadurch leichter brechen können. Typische Stellen sind die Wirbelkörper, die Hüfte beziehungsweise der Oberschenkelhals und der Unterarm.

Solche Knochenbrüche können weitreichende Folgen haben. Wirbelkörperbrüche können zum Beispiel anhaltende Rückenschmerzen und einen Größenverlust verursachen. Nach einem Hüftbruch kann besonders bei älteren Menschen die Mobilität und damit auch die Selbstständigkeit deutlich eingeschränkt sein.

Hinzu kommt: Wer bereits einen Knochenbruch aufgrund einer bestehenden Osteoporose hatte, hat ein höheres Risiko für weitere Frakturen. Eine behandlungsbedürftige Osteoporose sollte deshalb ernst genommen werden.

Welche Therapien helfen bei Osteoporose?

Bei Menschen mit Zöliakie ist die konsequente glutenfreie Ernährung ein wichtiger Teil der Behandlung. Dadurch kann sich die Dünndarmschleimhaut erholen und Nährstoffe können wieder besser aufgenommen werden. Gerade im ersten Jahr nach Beginn der glutenfreien Ernährung kann sich auch die Knochendichte verbessern.

Zur Basistherapie bei Osteoporose gehört grundlegend eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Energie und Protein, um eine Mangelernährung zu vermeiden. Die DVO-Leitlinie nennt konkret Calcium, Vitamin D und K2, die in der Versorgung geprüft und ausreichend in der Versorgung sichergestellt werden sollten. Das bedeutet nicht, dass alle diese Nährstoffe grundsätzlich als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden müssen. Entscheidend ist zunächst eine abwechslungsreiche Ernährung. Bei Zöliakie sollte zusätzlich geprüft werden, ob durch die Erkrankung oder durch eine eingeschränkte Lebensmittelauswahl einzelne Mängel entstanden sind, um sie gezielt auszugleichen. Aber auch Sport gehört zur Therapie bei Osteporose.

Inwiefern ist bei Osteoporose Sport ein Teil der Therapie?

Regelmäßige Bewegung gehört bei Osteoporose zur Basistherapie – insbesondere Krafttraining sowie Übungen für Gleichgewicht und Koordination. Sie stärken nicht nur die Muskulatur und unterstützen die Knochen, sondern können auch helfen, Stürze zu vermeiden.

Ob weitere spezifische Therapien notwendig sind, ist abhängig vom Frakturrisiko oder bereits vorhandenen osteoporosebedingten Frakturen. Dafür gibt es verschiedene Medikamente, die entweder den Knochenabbau bremsen oder den Knochenaufbau fördern. Welche Behandlung passt, wird individuell ärztlich entschieden.

Lässt sich Osteoporose aufhalten?

Ja, man kann den Verlauf einer Osteoporose beeinflussen und vor allem das Risiko für Knochenbrüche deutlich senken. Wie gut sich die Knochendichte selbst wieder verbessert, ist allerdings individuell unterschiedlich.

Bei Zöliakie haben wir einen wichtigen Ansatzpunkt: die glutenfreie Ernährung. Nach Beginn der glutenfreien Ernährung kann sich die Knochendichte bei vielen Betroffenen verbessern, besonders im ersten Jahr. Sie normalisiert sich allerdings nicht bei jedem vollständig.

Bleibt die Knochendichte trotz gut eingehaltener glutenfreier Ernährung niedrig, sollte deshalb geschaut werden, ob weitere Risikofaktoren oder andere Ursachen eine Rolle spielen und gezielt auf die präventiven Maßnahmen geachtet werden.

Ist es möglich, Osteoporose zu verhindern?

Nicht jede Osteoporose lässt sich verhindern. Auf das Alter oder unsere genetische Veranlagung haben wir schließlich keinen Einfluss. Es gibt aber einiges, was wir selbst für stabile Knochen tun können.

Bei Zöliakie ist eine frühe Diagnose und anschließend eine konsequent glutenfreie Ernährung besonders wichtig. Dazu kommen eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Calcium und Protein, ein guter Vitamin-D-Status und regelmäßige Bewegung mit Fokus auf Krafttraining und sogenannte High Impact-Einheiten und Sprünge wie beim Seilspringen. Untergewicht sollte vermieden und ein BMI von 20 angestrebt werden. Auf das Rauchen und Alkoholkonsum sollte am besten verzichtet werden.

Um die Knochengesundheit können und sollten wir uns dauerhaft kümmern.

Was ist bei der Ernährung zu beachten, wenn man Osteoporose verhindern will?

Für gesunde Knochen braucht es nicht das eine besondere Lebensmittel. Viel wichtiger ist, dass der Körper langfristig mit allem versorgt wird, was er für den Knochenaufbau und -erhalt benötigt. Besonders im Blick haben sollten wir dabei Calcium, Vitamin D und Protein.

Wieviel Calcium sollte man zu sich nehmen, um Osteoporose vorzubeugen?

Für Erwachsene werden mindestens 1.000 mg Calcium pro Tag empfohlen. Idealerweise kommt der größte Teil davon über die Ernährung. Gute Calciumquellen sind zum Beispiel Milchprodukte wie Hartkäse, Naturjoghurt, Magerquark, Milch und Kefir. Auch calciumreiches Mineralwasser mit mindestens 150 mg Calcium pro Liter sowie mit Calcium angereicherte pflanzliche Alternativen können zur Versorgung beitragen.

Wie versorgt man sich am besten mit Proteinen, wenn man Osteoporose vorbeugen will?

Für die Proteinversorgung eignen sich verschiedene Lebensmittelgruppen: Milchprodukte, Eier, Fisch und Fleisch sowie Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen und Kichererbsen. Auch Tofu, Nüsse und Samen können je nach Ernährungsweise wichtige Proteinquellen sein.

Gerade bei Zöliakie lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen: Glutenfrei bedeutet nämlich nicht automatisch knochengesund. Wer zusätzlich auf Milchprodukte verzichtet oder insgesamt nur eine kleine Lebensmittelauswahl hat, erreicht die benötigte Calcium- oder Proteinmenge möglicherweise nicht. Hier kann eine Ernährungsberatung helfen, passende glutenfreie Calcium- und Proteinquellen zu finden.

Welche Nahrungsergänzungsmittel helfen gegen Osteoporose?

Nahrungsergänzungsmittel sind nicht automatisch notwendig – und sie ersetzen auch keine Osteoporosetherapie. Relevant sind vor allem Calcium und Vitamin D.
Calcium sollte möglichst über die Ernährung aufgenommen werden. Ein Präparat kann sinnvoll sein, wenn der Bedarf darüber nicht gedeckt werden kann. Bei Vitamin D ist eine ausreichende Versorgung ebenfalls wichtig. Besteht ein Mangel, sollte dieser gezielt ausgeglichen werden.

Bei Menschen mit Zöliakie würde ich deshalb nicht pauschal zu Nahrungsergänzungsmitteln raten. Sinnvoller ist es, im Ernährungstagebuch zu schauen und im Labor zu messen: Wie sieht die Ernährung aus? Gibt es einen nachgewiesenen Mangel? Und lässt sich die Versorgung zunächst über Lebensmittel verbessern? Erst dann lässt sich entscheiden, ob und in welcher Dosierung eine Ergänzung sinnvoll ist.

Was kann man selbst dazu beitragen, dass es gar nicht erst zu Osteoporose kommt?

Tatsächlich eine ganze Menge. Bei Zöliakie ist die wichtigste Grundlage eine konsequent glutenfreie und gleichzeitig ausgewogene Ernährung. Dazu kommen ausreichend Calcium und Protein sowie eine gute Vitamin-D-Versorgung.

Mindestens genauso wichtig ist Bewegung. Knochen brauchen Belastung, damit sie stabil bleiben. Krafttraining und andere knochenwirksame Bewegungsformen sind deshalb besonders sinnvoll. Rauchen sollte möglichst vermieden und Alkohol nur in Maßen getrunken werden.

Und noch etwas wird manchmal vergessen: die regulären Verlaufskontrollen bei Zöliakie. Dabei können beispielsweise Nährstoffmängel oder andere Auffälligkeiten früh erkannt und behandelt werden.

Welche Sportarten helfen bei Osteoporose oder beugen vor?

Für die Osteoporose-Therapie und Prävention müssen Kraft, Balance und Koordination in das Sportprogramm integriert werden. Die Knochen brauchen regelmäßige Belastungsreize. Geeignet sind zum Beispiel zügiges Gehen, Treppensteigen, Tanzen, Wandern, Nordic Walking oder – wenn gesundheitlich nichts dagegen spricht – Joggen. Schwimmen und Radfahren sind ebenfalls gute Ausdauertrainings, belasten die Knochen aber weniger direkt und sollten Krafttraining und gewichttragende Bewegung ergänzen, nicht ersetzen.

Krafttraining kann an Geräten, mit freien Gewichten, Widerstandsbändern oder dem eigenen Körpergewicht durchgeführt werden. Dabei sollten möglichst die großen Muskelgruppen trainiert werden. Für Erwachsene mit erhöhtem Frakturrisiko empfiehlt die AWMF-Leitlinie Krafttraining mindestens zweimal pro Woche. Die Belastung sollte passend gewählt und allmählich gesteigert werden. Übungen für Gleichgewicht und Koordination können zusätzlich helfen, sicherer zu gehen und Stürze zu vermeiden. Sie sollten regelmäßig, möglichst mehrmals pro Woche, in den Alltag oder das Training eingebaut werden.

Wie intensiv sollte man Sport treiben, um Osteoporose vorzubeugen?

Wie intensiv das Training sein darf, hängt von der persönlichen Situation ab. Wer bereits Osteoporose, Wirbelkörperveränderungen oder Knochenbrüche hat, sollte sich beraten lassen. Bewegung ist aber auch dann wichtig. Ärzte oder Physiotherapeut können geeignete Übungen auswählen und dabei helfen, die Belastung sicher zu steigern.

Liebe Katharina, vielen Dank für dieses Interview!


Katharina Knoblich,  Bildquelle: Lisa Doneff

Katharina Knoblich ist Ernährungstherapeutin B. Sc. Und Ernährungspsychologin, zertifiziert bei e-Zert, VFED. Sie ist Gründerin & Geschäftsführerin des Fachzentrums für Ernährung in Nürnberg. Ihre Schwerpunkte liegen auf Zöliakie, Unverträglichkeiten und gestörtem Essverhalten. Erreichbar ist sie hier: https://fachzentrum-ernaehrung.de/

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

 

15. September 2026
Autor: S. Jossé/Katharina Knoblich
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