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Zöliakie Forschung DZG Deutsche Zöliakie-Gesellschaft

Sofia Beisel, Leiterin Team Wissenschaft, Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e.V. zum Thema Zöliakie-Forschung

Zöliakie? Glutensensitivität? Was tut sich in der Forschung?

Bei Zöliakie müssen die Betroffenen Gluten strikt meiden, bei einer Glutensensitivität zumindest stark einschränken. Viele würden sich eine medikamentöse Therapie wünschen, oder auch ein Tool, dass vor Gluten in Speisen unbekannter Herkunft warnt. Neue Konzepte gehen hin und wieder durch die Presse, aber was ist medizinisch verlässlich und wo sollte man lieber Abstand halten? MeinAllergiePortal sprach mit Sofia Beisel, Leiterin Team Wissenschaft bei der  Deutschen Zöliakie-Gesellschaft e.V. (DZG) darüber, was sich in der Forschung tut.

Frau Beisel, hin und wieder hört man von Studien zur medikamentösen Behandlung von Zöliakie. Wie ist hier der Stand der Dinge?

Aktuell wird eine Kooperationsstudie mit dem Ziel durchgeführt, eine medikamentöse Begleittherapie zur glutenfreien Ernährung zu entwickeln. Dies soll dem Patienten, insbesondere im Hinblick auf Kontaminationen, mehr Sicherheit und Lebensqualität bieten. Die Studie wird von Herrn Prof. Dr. Schuppan in Zusammenarbeit mit den Firmen Dr. Falk Pharma und Zedira durchgeführt.

Die Studie mit dem Gewebstransglutaminase-Blocker ZED 1227 hat die klinische Studie Phase-1a erfolgreich absolviert, Phase-1b läuft aktuell. Es ist geplant, noch in diesem Jahr in Studienphase 2 mit 160 Patienten an drei Zentren einzutreten.

Auch von glutenfreien Weizenzüchtungen ist die Rede, kann man abschätzen ob und wann diese Weizensorte tatsächlich großflächig angebaut werden kann?

Die Züchtung von glutenfreien, für Zöliakiepatienten geeignete Weizensorten, bei gleichzeitiger Erhaltung der Backfähigkeit, ist aktuell kein Thema, da lediglich die Reduzierung des Glutengehaltes keine Vorteile für die betroffenen Verbraucher bringen würde.

Ausgehend von durchschnittlich 7.700mg Gluten/100g Weizen, wäre eine Reduzierung um 50 Prozent natürlich züchterisch ein Erfolg, aber bei einem Grenzwert von 2mg Gluten/100g für die Betroffenen uninteressant.

Pflanzenzüchtung ist in erster Linie ertragsorientiert. Damit stehen die Inhaltsstoffe nicht im Fokus der Züchter.

Forschungen im Bereich genetischer Veränderungen mit der Übertragung artfremder Proteine werden aktuell auch nicht vorgenommen.


Immer wieder hört man von Entwicklungen von „Glutenmessgeräten“. Kann man sagen, wie weit diese Entwicklungen gediehen sind? Und: Wie zuverlässig sind die Messergebnisse?

Messgeräte zur Bestimmung von Gluten in Lebensmittel werden immer wieder angepriesen und thematisiert, allerdings ist uns kein marktreifes Gerät bekannt. Der Glutennachweis mittels ELISA-R5 ist aktuell Methode Nr. 1.

Das vor einiger Zeit in der Werbung angekündigte Messgerät NIMA ist noch nicht verfügbar. In der Praxis wird dieses Gerät beweisen müssen, dass es ausreichend empfindlich ist und auch bei inhomogenen Proben oder Lebensmitteln mit ‚Störfaktoren‘ (z.B. Tanninen) fehlerfrei arbeitet.

Gibt es weitere Forschungsansätze, z.B. im Hinblick auf die Non-celiac gluten sensitivity (NCGS)? Wie weit sind diese gediehen?

So lange es noch keine Diagnosemarker für die NCGS gibt und die ATI’s als Auslöser der Erkrankung nicht in klinischen Studien überprüft sind, werden sich weltweit Forschergruppen diesem Thema annehmen.

Die Arbeitsgruppe um Prof. Schuppan führt zurzeit Provokationsstudien mit Lebensmitteln mit definiertem ATI-Gehalt im Tierexperiment und am Patienten durch.

Spätestens ab Herbst 2016 werden zusätzlich ATI-Provokationsstudien an Patienten mit MS durchgeführt. In ähnlicher Weise sollten auch Patienten mit Neurodermitis und Morbus Crohn getestet werden.

Was halten Sie von „glutenspaltenden Nahrungsergänzungsmitteln“?

Glutenspaltende Nahrungsergänzungsmittel, wie z.B. Glutenase, Gluten-ex, etc., wie sie besonders in den USA angeboten werden, sind keine Therapieoption bei Zöliakie und können eine glutenfreie Ernährung nicht ersetzen. Es handelt sich bei den Präparaten nicht um geprüfte Arzneimittel!

Die Kapseln bzw. Pulver enthalten glutenabbauende Endopeptidasen, die aber keinen vollständigen Abbau des Glutens bewirken und je nach den gleichzeitig aufgenommenen Lebensmitteln in ihrer Wirksamkeit eingeschränkt werden.

Frau Beisel, herzlichen Dank für dieses Interview!