Kinder Zöliakie Adhärenz psychosoziale Fragen

Univ.-Prof. Dr. K.-P. Zimmer, Abt. Allgemeine Pädiatrie & Neonatologie, Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin am UKGM Gießen und Kongresspräsident DGKJ 2015 München

Kindliche Zöliakie, Adhärenz zur glutenfreien Diät, psychosoziale Fragen

Woran können die Eltern erkennen, dass psychosoziale Fragestellungen bei einem Zöliakie-kranken Kind eine Rolle spielen?

Für Eltern ist es sehr schwierig, psychosoziale Probleme zu erkennen. Es ist die Aufgabe des Arztes, insbesondere  im Rahmen der Zöliakie-Verlaufskontrolle, diesen Zusammenhang  herzstellen. Im Gegenteil, oft wehren sich die Eltern im ersten Moment gegen diesen Zusammenhang. Es fällt ihnen schwer zu akzeptieren, dass die schlechte Compliance zur glutenfreien Diät etwas mit dem elterlichen Streit oder der Trennung zu tun haben könnte. Es ist nicht leicht, Eltern in dieser Situation zu einer Familientherapie mit einem Psychologen zu motivieren, denn das wird unbewusst als Eingeständnis der eigenen Schuld interpretiert. Für das Kind mit Zöliakie wäre eine solche Therapie aber ausgesprochen förderlich, dann nur so besteht die Chance, wieder Therapietreue und damit Schutz vor Komplikationen der Zöliakie zu erreichen.

Abgesehen von der psychologischen Beratung, was können Eltern tun, um ihren von Zöliakie betroffenen Kindern die Einhaltung der glutenfreien Diät zu erleichtern?

Für Kinder mit Zöliakie sind Gruppenerlebnisse sehr wichtig. Deshalb sind Feriencamps, in denen die Kinder eine gewisse Zeit mit anderen von Zöliakie betroffenen Kindern zusammen sein dürfen, ideal. Die Kinder merken dann, dass andere Kinder sehr gut mit der glutenfreien Diät zurechtkommen, dass es diesen Kindern besser geht, es auch in der Schule klappt und sie sportlich erfolgreicher sind. Bei den Kindern steigert dieses Erleben die Akzeptanz für die glutenfreie Diät und die Eltern haben es danach im Alltag viel leichter.

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Was ist sonst noch wichtig für die Einhaltung der glutenfreien Diät?

Wichtig ist auch die Rolle des behandelnden Arztes. Wenn ein Kind, seine glutenfreie Diät gut eingehalten hat, muss der Arzt es dafür loben. Außerdem sollte er die Erfolge deutlich machen, die das Kind durch die gute Therapietreue erzielt hat, z.B. die guten Blutwerte oder die Tatsache, dass das Kind aufgrund der guten Compliance deutlich stärker gewachsen ist, als zuvor.

Das positive Feedback des Arztes ist doppelt wichtig, denn wenn das Kind sieht, dass der Doktor sich über seine Fortschritte freut, verstärkt dies auch die Verpflichtung, sich auch weiter an die glutenfreie Diät zu halten.

Herr Prof. Zimmer, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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