Glutenunverträglichkeit: Empfehlungen zu Gluten haben sich revolutioniert

prof yurdaguel zopf universitaetsklinikum erlangen Interview mit Prof. Yurdagül Zopf zur WeizensensitivitätBurgstall, 29. April 2015 – Auf dem DGIM-Kongress in Mannheim sprachen Professor Dr. Wolfgang Holtmeier vom Krankenhaus Porz am Rhein, Professor Dr. Dr. Detlef Schuppan von der Universitätsmedizin Mainz sowie Professor Dr. Yurdagül Zopf vom Universitätsklinikum Erlangen auf einem Symposium von Dr. Schär zum Thema „Update Glutenunverträglichkeiten – Aktuelles zu Leitlinien, Pathogenese und Fallbeispiele“. Besonderes Novum ist die erstmalige Aufnahme der Weizen- und Glutensensitivität in die offizielle Leitlinie neben der Zöliakie und Weizenallergie. Diskutiert wurden die neuen Herausforderungen für Internisten sowie die Unterschiede in Klinik und Pathogenese.

Glutenunverträglichkeit - nicht immer ist es Zölikie!

Das Thema Glutenunverträglichkeiten ist derzeit eines der Top-Themen in der Gastroenterologie. Neben der Zöliakie, bei der nach wie vor von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgegangen wird, gelangt zunehmend das neue Krankheitsbild der Gluten- bzw. Weizensensitivität in die Diskussion der Wissenschaftler. Die aktuelle S2k-Leitlinie beinhaltet dazu viele Änderungen und Neuerungen. Aus diesem Anlass heraus wurden auch auf dem 121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), der vom 18. bis zum 21. April 2015 in Mannheim stattfand, die neuesten Erkenntnisse rund um Glutenunverträglichkeiten vorgestellt. In einem Symposium zum Thema „Update Glutenunverträglichkeiten – Aktuelles zu Leitlinien, Pathogenese und Fallbeispiele“ referierten die Professoren Dr. med. Wolfgang Holtmeier vom Krankenhaus Porz am Rhein, Dr. Dr. Detlef Schuppan von der Universitätsmedizin Mainz sowie Dr. med. Yurdagül Zopf vom Universitätsklinikum Erlangen. Das Auditorium von mehr als 200 Medizinern folgte den Rednern mit großem Interesse.

 

Glutensensitivität bzw. Weizensensitivität oder Non Celiac Gluten Sensitivity (NCGS) in Leitlinie aufgenommen

„Die aktuellen Empfehlungen im Bereich Gluten haben sich revolutioniert“, so Ernährungsmedizinerin Prof. Dr. med. Yurdagül Zopf. Bisher sei viel über Zöliakie gesprochen worden und die Formen der Zöliakie konnten nun besser zusammengefasst und benannt werden. „Das elementar Neue der aktuellen Leitlinie ist die Aufnahme der Gluten- bzw. Weizensensitivität“, unterstreicht Zopf. Es sei das erste Mal, dass Wissenschaftler in einer Leitlinie das neue Erscheinungsbild der Glutensensitivität aufführten, genauer gesagt die Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität bzw. im Englischen die Non Celiac Gluten Sensitivity (NCGS). Dieses Erscheinungsbild betrifft Patienten, die Gluten bzw. Weizen nicht vertragen, bei denen aber keine Zöliakie oder Weizenallergie diagnostiziert werden kann. Wer also nach Ausschluss einer Zöliakie und Weizenallergie auf eine glutenfreie Ernährung mit einer Besserung oder einem Verschwinden der Symptome reagiert, der ist von einer Gluten-/Weizensensitivität betroffen.


Non Celiac Gluten Sensitivity (NCGS) - hohe Dunkelziffern werden vermutet

Prof. Dr. med. Wolfgang Holtmeier führte im Rahmen des Symposiums in das Phänomen der Gluten-/Weizensensitivität ein und beschrieb die Schwierigkeit der unspezifischen Symptome sowie mögliche Differenzialdiagnosen. Die genaue Pathogenese sowie die Häufigkeit sind noch unbekannt. Schätzungen gehen von einer Prävalenz von ein bis fünf Prozent aus. Ein Ausblick auf aktuelle Studien zeigte die Verknüpfung zum Reizdarmsyndrom, unter denen man einige Betroffene der Weizensensitivität vermute, sowie zu der Low-FODMAP-Diät als möglichen Therapieansatz neben der glutenfreien Ernährung. Prof. Dr. Dr. Detlef Schuppan gab einen Überblick über Nahrungsmittelintoleranzen und immunvermittelte Nahrungsmittelsensitivitäten, zu denen auch die glutenbedingten Erkrankungen Zöliakie, Weizenallergie und die NCGS gehören. Er beleuchtete vor allem die Rolle der Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs) in verschiedenen glutenhaltigen und glutenfreien Getreiden.

Glutensensitivität - eine Ausschlußdiagnose

Praktische Fallbeispiele von Patienten verschiedenen Alters erläuterte im Anschluss Prof. Dr. med. Yurdagül Zopf. Die Herausforderungen für Internisten, Allgemeinmediziner und Gastroenterologen sind in ihren Augen die Vielzahl an möglichen Diätformen, die es in der Praxis leitliniengerecht zu befolgen gilt. Wichtig sei nach Ansicht von Zopf, dass Ärzte zuerst an eine Zöliakie denken und sie ausschließen – ebenso Allergien und andere organische Erkrankungen. Danach kann und sollte eine glutenfreie Ernährung über einen kurzen Zeitraum ausprobiert werden. Vor allem bei Patienten mit Reizdarmsyndrom kann ein solches Vorgehen sinnvoll sein, da es zwischen den beiden Erkrankungen durchaus Korrelationen gibt.

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