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Zöliakie Hashimoto Morbus Basedow

Dr. Stephanie Baas, medizinische Beraterin der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e.V. (DZG) in Stuttgart

Zöliakie – Hashimoto – Morbus Basedow: Welche Zusammenhänge gibt es?

Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung die mit anderen Autoimmunerkrankungen assoziiert sein kann. Zu diesen Erkrankungen zählen sowohl Morbus Basedow als auch Hashimoto-Thyreoiditis. Was ist der Unterschied zwischen den beiden Erkrankungen? Durch welche Symptome zeigen sie sich? Was kommt zuerst? MeinAllergiePortal sprach mit Frau Dr. Stephanie Baas, medizinische Beraterin der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e.V. (DZG) in Stuttgart über die Zusammenhänge bei Zöliakie, Hashimoto und Morbus Basedow.

Frau Dr. Baas, was versteht man unter Hashimoto und Morbus Basedow?

Die Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow beschreiben Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse. Bei Morbus Basedow kommt es zu einer Überfunktion der Schilddrüse, während Hashimoto mit einer Unterfunktion der Schilddrüse einhergeht.

Zu Beginn einer Hashimoto-Erkrankung kann es zu einer Überfunktion der Schilddrüse kommen, weil die Antikörper die Hormonsynthese zunächst eher etwas stimulieren. Im Verlauf der Erkrankung geht diese Überfunktion aber in eine Unterfunktion über, weil die Antikörper die Schilddrüsen-Zellen angreifen und zerstören. Mit dem Verlust des Schilddrüsengewebes stehen weniger Zellen zur Hormonsynthese zur Verfügung und es kommt zu einer Schilddrüsenunterfunktion.

Durch welche Symptome zeigen sich Über- und Unterfunktion der Schilddrüse?

Die Überfunktion der Schilddrüse beim Morbus Basedow zeigt sich beim Patienten durch einen angeregten Stoffwechsel. Die Patienten verlieren an Gewicht, sind zittrig, klagen unter Herzklopfen, schwitzen selbst bei niedrigen Temperaturen. Viele klagen auch darüber, dass sie schlecht schlafen können und leiden unter Haarausfall. Manchmal kommt es bei Morbus Basedow zu hervorstehenden Augen.  

Bei der Unterfunktion der Schilddrüse, d.h. beim Hashimoto-Thyreoiditis, findet man eher gegenteilige Symptome. Die Hashimoto-Patienten frieren, sind schlapp und antriebslos und nehmen zu, obwohl sie nicht mehr essen als zuvor. Bei manchen Patienten zeigt sich eine fahle, teigige Gesichtsfarbe und die Haare werden häufig stumpf und spröde. Auch der Herzschlag kann verlangsamt sein.

Was ist zuerst da, die Zöliakie oder Morbus Basedow bzw. Hashimoto?

Während bei Zöliakie und Diabetes, Diabetes meist zuerst diagnostiziert wird, ist dies bei Hashimoto und Morbus Basedow und Zöliakie genau umgekehrt. Hier wird in der Regel zuerst die Zöliakie erkannt und dann kommen Hashimoto oder Morbus Basedow hinzu.

Z.B. haben rund 8 Prozent der Zöliakie-Patienten auch Hashimoto und ebenso entwickeln ca. 8 Prozent der Hashimoto-Patienten eine Zöliakie. Patienten mit Hashimoto sollen deshalb auch auf Zöliakie untersucht werden. Bei Morbus Basedow liegen die Zahlen etwas unter diesen Werten.


Welche Auswirkungen hat die Erkrankung auf die Lebensführung des Patienten?

Bei Patienten mit Hashimoto wird die nicht ausreichende Schilddrüsenfunktion durch entsprechende Medikamente ersetzt. Behandelt wird mit synthetisch hergestellten Schilddrüsenhormonen in Tablettenform. Wichtig ist hierbei, dass der behandelnde Endokrinologe den Patienten optimal einstellt, insbesondere dann, wenn die eigene Schilddrüsenfunktion fluktuierend ist, d.h. mal besser und mal schlechter.   

Beim Morbus Basedow werden Thyreostatika eingesetzt, d.h. Medikamente, die die Hormonproduktion der Schilddrüse drosseln.

Was müssen Patienten beachten, die beide Erkrankungen haben?

Patienten mit Hashimoto, bei denen dann eine Zöliakie festgestellt wird, benötigten vor der Zöliakie-Diagnose häufig hohe Dosen des Schilddrüsenhormons. Stellt der Patient seine Ernährung auf glutenfrei um, kommt es zur Normalisierung der Darmschleimhaut. Auch die Wirkstoffe von Medikamenten werden dann besser aufgenommen und die Dosis kann deshalb oft verringert werden. Umgekehrt kann es ein Hinweis auf Zöliakie sein, wenn ein Patient zur Hashimoto-Behandlung ungewöhnlich hohe Hormondosierungen benötigt.

Nach der Umstellung auf glutenfreie Ernährung sollte der Hashimoto-Patient deshalb mit Hilfe seines Endokrinologen die Dosierung des Schilddrüsenhormons engmaschig überprüfen, d.h. ca. alle zwei bis vier Wochen. Ansonsten könnte es durch die Überdosierung des Schilddrüsenhormons zu einer Überfunktion der Schilddrüse kommen. Allerdings konnte man in Studien keine positive Auswirkung der glutenfreien Diät auf die Entwicklung der autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen feststellen.1) 

Besteht das Risiko für weitere Komorbiditäten?

Bei Patienten mit Zöliakie und Morbus Basedow oder Hashimoto ist das Risiko noch eine Diabetes zu entwickeln etwas geringer, denn meist ist die Diabetes zuerst da und dann können eine Zöliakie und Morbus Basedow oder Hashimoto hinzu kommen.

Frau Dr. Baas, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

 
Quellen:

1) Gluten-free diet and autoimmune thyroiditis in patients with celiac disease. A prospective controlled study, Metso S, Hyytiä-Ilmonen H, Kaukinen K, Huhtala H, Jaatinen P, Salmi J, Taurio J, Collin P., Scand J Gastroenterol. 2012 Jan;47(1):43-8. doi: 10.3109/00365521.2011.639084. Epub 2011 Nov 30