Zöliakie,  Schwangerschaft

Dr. Stephanie Baas, medizinische Beraterin der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e.V. (DZG) in Stuttgart

Zöliakie, Infertilität und Schwangerschaft: Gibt es Zusammenhänge?

Wenn sich bei Paaren der Kinderwunsch nicht erfüllt, kann dies viele Ursachen haben. Eine mögliche Ursache: Eine unerkannte Zöliakie. Aber auch wenn es zu einer Schwangerschaft kommt, kann es Folgen für das ungeborene Kind haben, wenn eine unbehandelte Zöliakie besteht. MeinAllergiePortal sprach mit Frau Dr. Stephanie Baas, medizinische Beraterin der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e.V. (DZG) in Stuttgart über vermutete Zusammenhänge und Studienerkenntnisse zum Thema Zöliakie, Infertilität und Schwangerschaft.

Frau Dr. Baas, bei unbehandelter Zöliakie kann es zu Infertilität, Fehlgeburten oder Frühgeburten kommen. Welche Mechanismen stecken dahinter?

Welche Mechanismen hinter diesen Phänomenen stecken, weiß man noch nicht ganz genau. Aktuell werden zwei Erklärungsansätze diskutiert. Zu einen vermutet man, dass Nährstoffdefizite, die durch die Zöliakie verursacht werden, dazu beitragen, dass der Körper nicht optimal auf eine Schwangerschaft vorbereitet ist. Es fehlen dann bestimmte Voraussetzungen dafür, dass es überhaupt zu einer Schwangerschaft kommen kann bzw. für den erfolgreichen Verlauf einer Schwangerschaft. Zum anderen vermutet man immunologische Aspekte, d.h. dass Antikörper Reaktionen an der Plazenta eine Rolle spielen könnten. Diskutiert wird auch, dass eventuell eine Kombination aus beidem eine Rolle spielen könnte. Aber: Dies sind nur Thesen - die genauen Ursachen sind nicht bekannt.

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Ein Zusammenhang zwischen Zöliakie Infertilität und Schwangerschaftskomplikationen wie Fehlgeburten oder Frühgeburten steht aber fest?

Infertilität ist bei nicht diagnostizierter Zöliakie mit Sicherheit ein Thema – das gilt für Frauen und für Männer gleichermaßen. Bei Frauen kann es durch eine unbehandelte Zöliakie auch zu Menstruationsstörungen kommen, zu einer verspäteten Menarche oder zu einem früheren Einsatz der Wechseljahre.1)

Zum Thema Fehlgeburten: In einer Studie wurde die Frage untersucht, ob es bei Frauen mit Zöliakie häufiger zu Schwangerschaftskomplikationen  kommt. Hier kam man zu dem Schluss, dass dies nicht der Fall ist.2) Es gibt aber auch Studien, die zu anderen Ergebnissen kommen – hierzu gibt es sehr unterschiedliche Daten.

Wann sollten Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch an eine mögliche Zöliakie denken?

Findet man bei Frauen, die nicht schwanger werden können keine eindeutige Ursache, gehört die Zöliakiediagnostik zu den Maßnahmen, die ergriffen werden sollten. Angesichts der doch sehr teuren Infertilitätsdiagnostik ist ein Zöliakietest eine durchaus sinnvolle und kostensparende Maßnahme. Fällt der Antikörper-Test positiv aus, kann oft schon allein durch die Behandlung der Zöliakie der Kinderwunsch auf „normalem“ Wege erfüllt werden. Damit ersparen sich die betroffenen Frauen viele aufwendigen Untersuchungen und Maßnahmen. Leider wird heute noch nicht oft genug an eine Zöliakiediagnostik gedacht, wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt.

In einer größeren schwedischen Studie konnte man sehen, dass die Fruchtbarkeit der Frauen zwei Jahre vor der Zöliakie-Diagnose herabgesetzt war. Dies normalisierte sich allerdings durch die Behandlung der Erkrankung, d.h. durch die Einhaltung einer glutenfreien Diät.3)

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