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Unerkannte Zöliakie Problem untypische Symptome

Dr. Yvonne Braun zum Thema: Unerkannte Zöliakie? Problem „untypische“ Symptome

Unerkannte Zöliakie? Problem „untypische“ Symptome

Welche Probleme können noch auftreten, wenn die Zöliakie unbehandelt bleibt?

Der Dünndarm ist ein Teil des Verdauungstraktes, der für die Nährstoffaufnahme zuständig ist. Wenn die Dünndarmzotten sich jedoch zurückbilden, fehlt Fläche und der Dünndarm kann nicht mehr so viele Nährstoffe in den Körper leiten. Dadurch kommt es häufig zu Mangelerscheinungen:

  • Durch Zinkmangel können unterschiedliche Hauterkrankungen entstehen,
  • Kalzium und Vitamin D Mangel kann nach Jahren zu einem Knochenabbau führen,
  • Eisenmangel kann für die Müdigkeit verantwortlich sein,
  • Folsäuremangel kann die Ursache dafür sein, dass Frauen nicht schwanger werden, oder dass Früh- und Fehlgeburten auftreten.

Was tun, wenn man die untypischen Zöliakie-Symptome hat und keine Diagnose erhalten hat?

Gerade bei den untypischen Symptomen besteht eine große Gefahr. Wenn man das Gefühl hat, dass etwas nicht stimmt, geht man zum Arzt. Wenn man nach dem ersten oder zweiten Arztbesuch nicht die richtige Hilfe bekommen hat, fängt man an, selbst zu recherchieren. Ganz oft erhält man die Empfehlung, sich glutenfrei zu ernähren.

Glutenfreie Ernährung wird zurzeit oft als Allheilmittel gesehen und das sehe ich als Gefahr, denn viele lassen sich dann beeinflussen und probieren die glutenfreie Ernährung ohne eine richtige Diagnose aus. Die Empfehlung der Ärzte und Ernährungsberater lautet jedoch: Als erstes muss die Diagnose Zöliakie gestellt werden, bevor man mit einer glutenfreien Ernährung beginnt und sein Leben umstellt.

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Das heißt, man sollte mit dem Verdacht auf eine Zöliakie zum Arzt gehen und seine Bedenken äußern und darauf bestehen, dass ein Test gemacht wird?

Genau, das ist der erste Schritt. Man sollte unter Glutenbelastung, das heißt während der Betroffene noch Gluten zu sich nimmt, die Marker für Zöliakie im Blut testen lassen. Ein Stuhl- oder Speicheltest helfen dabei nicht, auch kein Test aus dem Internet.

Wenn der Wert der Marker über einen bestimmten Wert erhöht ist, dann ist der nächste Schritt die Dünndarmbiopsie. Dabei wird geschaut, ob an verschiedenen Stellen im Dünndarm entzündliche Veränderungen zu finden sind.

Warum ist es wichtig, dass der Betroffene zu dieser Zeit noch nicht glutenfrei essen soll?

Wenn Betroffene sich mit der glutenfreien Ernährung auseinandersetzen und es ihnen nach ein paar Monaten besser geht, dann bildet sich die geschädigte Darmschleimhaut zurück und die Symptome verschwinden. Jedoch ist dann im schlimmsten Fall eine Zöliakie aufgrund der glutenfreien Ernährung nach ein paar Monaten nicht mehr nachvollziehbar und nicht mehr diagnostizierbar.

Durch die glutenfreie Ernährung geht es den Patienten dann zwar besser, aber eine verlässliche Diagnose wurde nicht gestellt. Wenn es den Patienten dann besser geht, lassen sie oft Dinge wieder „schleifen“, ernähren sich wieder glutenhaltig und die Symptome kommen zurück. Gerade bei Restaurantbesuchen oder bei Freunden ist es oft schwierig, die glutenfreie Ernährung umzusetzen. Isst man aber dann wieder glutenfrei, entzündet sich auch die Darmschleimhaut wieder und das ist Gift für einen an Zöliakie Erkrankten.

Das Problem ist also, dass man ohne Diagnose nicht dauerhaft glutenfrei lebt...

Wenn ich mich selbst auf eine glutenfreie Ernährung umstelle, aber nicht streng genug bin, dann tritt der schlechteste Fall ein. Ich habe dann keine Verbesserung der Symptome, weil ich kleine Spuren von Gluten trotzdem zu mir nehme. Da reicht schon der normale Toaster der Familie, in dem glutenhaltiges Brot getoastet wird.

Mein Tipp: Wenn es einem bei glutenhaltiger Ernährung nicht gut geht und man den Verdacht auf eine Zöliakie hat, dann sollte man weiterhin glutenhaltig essen, bis eine Diagnostik gestellt wurde. Es ist immer schwierig, einen Schritt zurückzugehen, wenn die Diagnostik fehlt. Der Patient muss zurück zur glutenhaltigen Ernährung und zurück zu den Symptomen, um eine Diagnose zu bekommen.

Wie lange kann es dauern, bis Zöliakie-Symptome wie Müdigkeit und Migräne nach Umstellung der Ernährung besser werden?

Nachdem man seine Ernährung komplett umgestellt hat und auch keinen noch so winzigen Krümel Gluten zu sich nimmt, sollte nach mindestens 3 bis 4 Wochen eine Verbesserung zu spüren sein. Meistens geht es schneller und auch der Appetit kommt schneller zurück.

Frau Dr. Braun, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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