Enzyme Glutenabbau

Dr. Stephanie Baas zum Thema: Enzyme zum Glutenabbau? Funktioniert das?

Enzyme zum Glutenabbau? Funktioniert das?

Essen außer Haus, sei es im Restaurant oder bei Freunden, ist für viele Zöliakie-Patienten das größte Handicap. Viele Restaurants bieten mittlerweile auch glutenfreie Gerichte an. Auf Nachfrage zeigt sich aber häufig, dass man sich nicht immer der Kontaminationsrisiken bewusst ist – eine unbefriedigende Situation. Enzyme wie Prolyloligopeptidase, die das eventuell im Essen vorhandenes Gluten einfach abbauen, wären eine willkommene Lösung des Problems, aber wie funktioniert das? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Stephanie Baas, medizinische Beraterin der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e.V. (DZG) in Stuttgart über Enzyme zum Glutenabbau.

Frau Dr. Baas, ist es möglich, Gluten durch die Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels, das ein Enzym enthält, für Zöliakie-Betroffene verträglich zu machen?

Die Antwort auf diese Frage ist komplex: Man muss zunächst zur Verdauunbg von Gluten folgendes wissen: Grundsätzlich verfügt der menschliche Darm über kein Enzym, das Gluten so weit abbaut, dass es auch für Zöliakie-Patienten unschädlich ist. Dies liegt an der besonderen Struktur des Glutens. Für Menschen, die keine Zöliakie haben, sind die verbleibenden, etwas längeren Eiweißketten aber nicht schädlich. Die Idee hinter dem Enzympräparat ist nun, dieses fehlende Enzym zu den Mahlzeiten einzunehmen und damit das Gluten soweit abzubauen, dass es keine immunologische Wirkung beim Zöliakie-Betroffenen hervorruft.

Unabhängige Studien haben gezeigt, dass durch Enzyme ein gewisser Glutenabbau möglich ist. Die Frage ist jedoch, ob dieser Glutenabbau bei jedem Patienten und bei jeder Art von Mahlzeit auch sicher funktioniert. Bis zum jetzigen Zeitpunkt konnte diese Wirksamkeit noch nicht eindeutig nachgewiesen werden. Bei den Studien gibt es einige Schwachstellen, weshalb die DZG aktuell davon abrät, sich auf den Einsatz glutenabbauender Enzyme zu verlassen!

 

Zunächst die Frage: Was ist der Unterschied zwischen einem Nahrungsergänzungsmittel und einem Medikament?

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln liegt in den jeweiligen Zulassungsverfahren. Für die Zulassung von Medikamenten müssen umfangreiche Studien zur Wirksamkeit und Verträglichkeit durchgeführt werden. Das bedeutet, der Vorlauf, der Aufwand und die Kosten bis zur Zulassung von Medikamenten sind sehr umfangreich. Für ein Nahrungsergänzungsmittel hingegen muss lediglich nachgewiesen werden, dass es den Patienten nicht schadet. Dementsprechend sind Medikamente auch apothekenpflichtig, während Nahrungsergänzungsmittel frei verkäuflich sind.

Die Hersteller des Enzyms zum Glutenabbau berufen sich zwar darauf, dass dieses durch die EFSA zugelassen ist, dies ist aber nicht ausreichend.  

Was bedeutet es, dass das Enzym zum Glutenabbau durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, EFSA, zugelassen ist und warum ist dies nicht ausreichend?

Die Enzyme, die in den glutenabbauenden Nahrungsergänzungsmitteln enthalten sind, werden aus einem Pilz gewonnen und dieser wurde durch die EFSA zugelassen. Die EFSA ist jedoch die zuständige Behörde für Lebensmittel, nicht für Medikamente. Sie prüft deshalb nur, ob die jeweilige Substanz für den Menschen verträglich ist. Dabei geht es um unmittelbar im Zusammenhang mit der Substanz auftretende Reaktionen, wie zum Beispiel Erbrechen oder Durchfall. Die Wirksamkeit der Substanz, in diesem Falle des Enzyms zum Glutenabbau, überprüft die EFSA nicht.

Für die Patienten, die mit den Zuständigkeiten der EFSA nicht so vertraut sind, könnte jedoch der Eindruck entstehen, dass die Zulassung durch die EFSA auch die Wirksamkeit des glutenabbauenden Enzyms bestätigt. Dies wird damit jedoch gerade nicht nachgewiesen, weil es auch nicht dem Anspruch der EFSA entspricht, und getestet wird das Enzym auch nicht an Zöliakie-Patienten, sondern an Ratten. In verschiedenen Studien wurde das Präparat an Menschen eingesetzt und hatte keine gravierenden Nebenwirkungen gezeigt.

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