Refraktäre Zöliakie Ursachen Risikofaktoren Genetik

Dr. med. Michael Schumann zum Thema: Refraktäre Zöliakie (RCD) - Ursachen, Risikofaktoren, Genetik!

Refraktäre Zöliakie (RCD): Ursachen, Risikofaktoren, Genetik

Die refraktäre Zöliakie oder auch „refractory celiac disease“ (RCD) ist eine Komplikation der Zöliakie. Bei den Patienten kommt es trotz Einhaltung der glutenfreien Diät zu Symptomen. Was weiß man über die Ursachen der refraktären Zöliakie? Gibt es Risikofaktoren und welche Rolle spielt die Genetik? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. med. Michael Schumann, Medizinische Klinik für Gastroenterologie, Infektiologie und Rheumatologie (einschl. Arbeitsbereich Ernährungsmedizin) am Campus Benjamin Franklin (CB) der Universitätsmedizin Charité in Berlin.

Herr Dr. Schumann, wie häufig ist die refraktäre Zöliakie?

Die Häufigkeit von Zöliakie generell liegt in Europa bei etwa einem Prozent. Davon sind wiederum ca. ein Prozent der Patienten von einer refraktären Zöliakie betroffen. Es ist also eine seltene Komplikation der Zöliakie.

Was versteht man unter einer refraktären Zöliakie?

Die refraktäre Zöliakie (RCD) ist gewissermaßen eine „autonom-aktive“ Zöliakie. Immunologisch werden Zytokine, d.h. Botenstoffe von speziellen Immunzellen abgegeben. Diese Botenstoffe, z. B. Interleukin-15, regen die Immunzellen zu einem unkontrollierten Wachstum an.

Handelt es sich bei der refraktären Zöliakie tatsächlich um eine Zöliakie oder ist das eine eigenständige Erkrankung?

Ja, der refraktären Zöliakie liegt eine „richtige“ Zöliakie zugrunde.

Heißt das, eine refraktäre Zöliakie entwickelt sich aus einer regulären Zöliakie?

Wir gehen davon aus, dass sich die refraktäre Zöliakie aus der regulären Zöliakie entwickelt. In der Praxis kommt es jedoch vor, dass Patienten, die bei der Erstdiagnose mit einer regulären Zöliakie diagnostiziert wurden, bereits refraktär sind. Das zeigt sich dann daran, dass sich die Patienten nach der Diagnose der vermeintlichen regulären Zöliakie, trotz strikter glutenfreier Diät auch nach einem halben Jahr klinisch nicht verbessern, d.h. weiter über die gleichen Symptome klagen. In diesen Fällen stellt sich dann heraus, dass es sich eigentlich bereits bei der Erstdiagnose um eine refraktäre Zöliakie gehandelt hat.

Häufiger sind jedoch die Fälle, in denen der Patient bereits seit längerer Zeit eine Zöliakie hatte, zunächst auch auf die glutenfreie Diät gut ansprach und weder Durchfälle noch ein Malabsorptions-Syndrom hatte. Im Verlauf wird der Patient dann jedoch, trotz glutenfreier Diät, refraktär – scheinbar aus dem Nichts.

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