Zöliakie Marsh-Kriterien

Dr. Stephanie Baas zum Thema: Zöliakie - Marsh-Kriterien, was ist das? Was sagen sie aus?

Zöliakie: Marsh-Kriterien, was ist das? Was sagen sie aus?

Bei Menschen mit Zöliakie kann es auch zu Nährstoffmangel kommen. Ist dies bei Patienten mit Marsh III eher der Fall?

Grundsätzlich sind bei Patienten mit Marsh III a bis c Nährstoffdefizite eher zu erwarten, denn dem Darm mangelt es ja an Resorptionsfläche. Aber auch hier gibt es immer wieder Patienten, die zwar schwere Schleimhautveränderungen aufweisen, die aber dennoch nicht unter einem Nährstoffmangel leiden. Eventuell liegt das daran, dass bei diesen Patienten tiefere Dünndarmabschnitte gewisse Funktionen übernehmen.

Aber: Bei Patienten mit Marsh III a bis c kommt es auch eher zu Laktoseintoleranz, weil die Laktase von der geschädigten Schleimhaut in geringerer Menge produziert wird. Mit Erholung der Schleimhaut kommt meist auch die Enzymbildung wieder in Gang und Laktose wird wieder gut vertragen.

Ist es möglich, die Darmschleimhaut durch eine glutenfreie Lebensweise wieder zu regenerieren?

Alles ist möglich. Zöliakie-Patienten können durch eine glutenfreie Kost auf Marsh 0 kommen. Marsh 0 ist eine Kategorie, die man ausschließlich für die wieder gesundete Darmschleimhaut von Zöliakie-Patienten verwendet, nicht für Menschen, die keine Zöliakie haben. Bei Kindern ist es so gut wie immer möglich, Marsh 0 zu erreichen, bei Erwachsenen kann das schwieriger werden. Je älter der Patient bei der Diagnosestallung Zöliakie ist, desto schwieriger wird die vollständige Wiederherstellung der Darmschleimhaut, so dass kleinere Veränderungen bestehen bleiben können.

Wie lange dauert es, bis ein Zöliakie-Patient von Marsh III a bis c zu Marsh 0 kommt?

Wie lange es dauert, bis sich die Darmschleimhaut eines Zöliakie-Patienten unter glutenfreier Kost regeneriert, ist sehr unterschiedlich. Bei manchen Patienten dauert es Monate, bei manchen Jahre. Studien konnten jedoch nachweisen, dass es auch über Jahre hinweg kontinuierlich zur Verbesserung der Darmschleimhaut kommt, wenn die glutenfreie Kost eingehalten wird.

Deswegen sollte man auch nicht zu früh eine Nachbiopsie vornehmen, denn nach drei bis sechs Monaten glutenfreier Diät findet man häufig immer noch starke Veränderungen der Darmschleimhaut. Oft wird dann vermutet, Diätfehler oder eine refraktäre Zöliakie seien der Grund hierfür. Die Wiederherstellung der Darmschleimhaut kann jedoch auch einfach eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, insbesondere bei älteren Menschen oder wenn die Zöliakie lange unbemerkt blieb.

Eine Nachbiopsie ist allerdings auch nicht unbedingt nötig. Entsprechend der Leitlinien ist sie bei einem guten Ansprechen auf die glutenfreie Diät, das heißt bei Rückgang der Antikörper und Rückgang der Symptome, nicht mehr gefordert.

Frau Dr. Baas, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

 

Quellen:

1)Sybille Koletzko et. al., Accuracy in Diagnosis of Celiac Disease Without Biopsies in Clinical Practice, October 2017Volume 153, Issue 4, Pages 924–935, https://linkinghub.elsevier.com/retrieve/pii/S0016508517357360

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