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Glutenfrei Reisen Glutenfallen

Kahve: Türkischer Mokka in Kadiköy, Istanbul! Quelle: glutenfreiumdiewelt

Glutenfrei auf Reisen? Die gefährlichsten Glutenfallen!

Vom Reisen sollte man sich nicht abhalten lassen, auch wenn man glutenfrei leben muss, meint Anna Greta Pietsch. In ihrem Blog glutenfreiumdiewelt gibt sie deshalb Empfehlungen und testet Reiseziele auf ihre „Zöliakietauglichkeit“. Für MeinAllergiePortal erzählt sie von ihren Erfahrungen und beschreibt die gefährlichsten Glutenfallen.

Frau Pietsch, in welchen Situationen sollten Zöliakie-Betroffene besonders aufpassen, wenn sie auf Reisen sind?

Zöliakie-Betroffene sollten besonders aufpassen, wenn sie sich unsicher sind. Unsicherheit kann besonders auf Reisen in vielerlei Hinsicht auftreten. Zum einen gibt es oft ein generelles Nicht-Verständnis, was das „glutenfreie“ Thema an sich angeht und dann kommt nicht selten auch noch eine sprachliche Barriere hinzu. In vielen Ländern ist Zöliakie und somit speziell glutenfreies Essen kaum verbreitet und bekannt. Da fragt man sich schon das ein oder andere Mal: Versteht der Gesprächspartner überhaupt, was ich ihm gerade erkläre? Hier kann die Bitte an den Koch in der jeweiligen Landessprache etwas Licht ins Dunkel bringen. Aber dadurch, dass die Krankheit in manchen Ländern gar nicht bekannt ist und somit auch das Hintergrundwissen fehlt, kann es sein, dass man oft trotz der aufgeschriebenen Erklärung auf Unverständnis trifft.

Was macht man, wenn man sich unsicher ist, ob die Speisen wirklich glutenfrei sind?

Meist ist es der beste und sicherste Schritt, sich teils auf sein Bauchgefühl und teils auf seinen Verstand zu verlassen – beide machen einem so schnell nichts vor. Wenn ich mir nach meinen ganzen Erklärungsversuchen immer noch unsicher bin, gehe ich lieber auf Nummer Sicher und lasse die Finger von dem jeweiligen Gericht oder Lebensmittel.

Ein großes Thema auf Reisen ist natürlich auch die Kontamination. Hier gelten aber die gleichen Regeln, die ich auch in der Heimat im Restaurant beachte. Wie sieht es in der Küche aus? Welche Zutaten werden benutzt? Wird frisches Geschirr und Besteck verwendet?

Wo lauern die Glutenfallen auf Bahnhöfen, Flughäfen etc.?

Diese lauern eigentlich überall da, wo sie auch im heimischen Restaurant um die Ecke lauern können. Generell ist leider eine der größten Glutenfallen immer noch die Unwissenheit, obwohl das „glutenfreie Thema“ besonders in der letzten Zeit aktueller und bekannter geworden ist. Nicht selten wird Gluten noch mit Glutamat oder sogar Laktose verwechselt.

Vor meiner Zöliakiediagnose damals wäre ich niemals auf die Idee gekommen, auf was alles bei der Zubereitung geachtet werden muss und was man aber selbst z.B. bei der Bestellung hinterfragen kann, um damit eine mögliche Kontamination vielleicht von vorne herein ausschließen zu können.

Im Flugzeug sind die Brötchen oft eine Glutenfalle. Auch wenn man ein glutenfreies Specialmeal bestellt hat, meinen viele FlugbegleiterInnen es gut und bieten einem noch zusätzlich ein Brötchen an. Achtung: Meist kommt das aus der großen Tüte und ist nicht glutenfrei. Vorsichtig sollte man auch sein, wenn die normalen Brötchen mit der Zange über die Reihe zu den anderen Fluggästen gereicht werden - hier kann es schon einmal krümeln. Mein Tipp: Einfach so lange das glutenfreie Essen abgedeckt lassen, bis jeder in der Reihe bedient wurde.


Gibt es typische Glutenfallen auf Reisen? Gibt es länderspezifische Glutenfallen?

glutenfreiumdiewelt glutenfreie churros maestro chucherro madridGlutenfreie Churros bei Maestro Chucherro in Madrid! Quelle: glutenfreiumdieweltAuf Reisen ist auch, wie in der Heimat, die Kontamination die größte Glutenfalle, in die man geraten kann. In manchen Ländern sind Soßen wie z.B. Soja- oder Fischsoßen problematisch. Hier muss man dann wirklich aufmerksam sein, dass man entweder den Inhalt der jeweiligen Soße kennt oder gar nicht erst damit das Essen gewürzt wird.

Es hört sich komisch an, aber manchmal kann auch die Höflichkeit zu einer Glutenfalle werden. In manchen Kulturen kann es ganz schön kniffelig und unangenehm werden, wenn man es ablehnt, etwas zu essen. Besonders schwierig kann es werden, wenn das Essen extra für einen zubereitet wurde, aber das Bauchgefühl ganz dringend davon abrät, etwas zu probieren. Natürlich muss man hier stark bleiben und einen sehr höflichen Weg finden, aus der Situation rauszukommen. Meist baue ich dann schon mit einer kleinen Notlüge vor, wenn ich solche Situationen kommen sehe. Manchmal klappt es ganz gut, wenn man von vorne herein sagt, dass man gerade gar keinen Hunger habe.

An eine Situation in Thailand kann ich mich heute noch erinnern, als ich mit einer Freundin und einem älteren thailändischen Ehepaar in Chiang Mai auf dem Markt war. Wir saßen gerade wieder auf der Rückbank im Auto, um nach Hause zu fahren, da kam die Frau angelaufen und hatte uns eisgekühlte Getränke in Plastiktütchen besorgt. Die Geste war so süß, dass es mir wahnsinnig unangenehm gewesen wäre, wenn ich direkt gesagt hätte „Das kann ich leider nicht trinken“. Trotzdem konnte mir niemand sagen, was da alles zusammengemischt wurde. So habe ich immer wieder so getan, als wenn ich aus dem Strohhalm kleine Schlücke nehme – aber natürlich wurde die Tüte nie leerer. Bevor es zu auffällig wurde, habe ich dann einen guten Moment abgewartet und die Trinkpäckchen ausgetauscht und meiner Freundin mein volles untergejubelt.

Inwiefern kann man sich darauf verlassen, dass die „glutenfrei“ Angaben in Restaurants korrekt sind? Gibt es Warnhinweise, die einem misstrauisch machen sollten?

Das hängt immer vom Einzelfall ab und man kann nur in den seltensten Fällen pauschal sagen „Da und da kann man auf jeden Fall sicher sein, dass das ausgewiesene glutenfreie Gericht auch glutenfrei ist“. In manchen Fällen ist dabei das Problem, dass Gastronomiebetriebe auf diesen glutenfreien „Trend-Zug“ aufspringen, sich aber mit der Thematik der Kontamination- und Kreuzkontamination noch nie wirklich auseinandergesetzt haben. Glutenfreies Essen und glutenfreies Essen für Zöliakie-Betroffene sind dann oft noch zwei verschiedene Paar Schuhe!

In Porto wurde z.B. in einem süßen Café recht groß mit glutenfreien Crêpes geworben. Als ich mich jedoch genauer erkundigte, stellte sich heraus, dass glutenhaltige und die glutenfreien Crêpes auf der gleichen Platte zubereitet wurden. Somit hatte sich das dann leider erledigt.

Das andere Beispiel habe ich auf meiner letzten Reise nach Nepal erlebt. Im vergangenen Jahr hatte ich ein Restaurant gefunden, dass auch explizit einzelne glutenfreie Gerichte auf seiner Speisekarte ausgewiesen hat. So habe ich mich in diesem Jahr wahnsinnig gefreut, wieder dort essen zu gehen. Anders, als im vergangenen Jahr habe ich nun aber die angeblich glutenfreien Buchweizenrotis gar nicht vertragen und bin fest davon überzeugt, dass sie nicht kontaminationsfrei auf meinem Teller gelandet sind. Hier habe ich mich von meinen guten Erfahrungen im vergangenen Jahr leiten lassen und bin leider auf die Nase gefallen: Da sieht man, dass man immer wieder aufs Neue alles prüfen und hinterfragen muss, wenn man auswärtig isst. Auch dann, wenn Gerichte als „glutenfrei“ auf der Karte gekennzeichnet sind. Glutenfrei auf der Karte bedeutet leider an vielen Orten immer noch nicht, dass es auch glutenfrei auf dem Teller landet.

Ich bin immer glücklich, wenn ich von der Servicekraft danach gefragt werde, ob ich aus medizinischen Gründen glutenfrei bestelle, oder mich nur aus Überzeugung glutenfrei ernähre. Solche Situationen beruhigen mich immer, weil man sich einfach verstanden fühlt. Das sind diese Lichtblicke, die einem immer neuen Mut geben, auch mit der Zöliakie auswärts zu essen und vor allen Dingen zu reisen.

Es gibt Länder, die als relativ „glutensicher“ gelten, z.B. USA, UK, Italien, Spanien, Skandinavien, gibt es auch dort Glutenfallen?

Auch in diesen „glutensicheren“ Ländern kann es immer ein Problem mit der Kontamination geben. Selten verlasse ich mich auch da auf die Angaben von Speisekarten und hake immer noch einmal genau nach, wie etwas zubereitet wird.

Nur in Bologna im vergangenen Jahr habe ich mich in manchen Restaurants so sicher gefühlt, dass ich das Nachfragen als völlig überflüssig erachtet habe. Mit dem Aufkleber der italienischen Zöliakiegesellschaft an der Türe hatte ich meist solch ein sicheres Gefühl. Wenn man erwähnte, dass man Zöliakie hat, wurde man vom Service- und Küchenpersonal wie blind verstanden.


Was ist bei Straßenküchen in Bezug auf Gluten zu beachten?

glutenfreiumdiewelt smoothebowl little windows phewa see pokharaSmoothiebowl im Little Windows am Phewa See in Pokhara, Nepal! Quelle: glutenfreiumdieweltBei Straßenküchen habe ich mir angewöhnt, nach einem ganz bestimmten Schema vorzugehen. Zunächst beobachte ich aus „sicherer“ Entfernung, was generell an dem jeweiligen Stand zubereitet wird – sehe ich von Weitem schon, dass mit Sojasoße oder panierten/frittierten Lebensmitteln gearbeitet wird, suche ich lieber weiter. Hier kann ich schon davon ausgehen, dass das Kontaminationsrisiko einfach zu groß ist, selbst wenn extra das Geschirr und die Kochutensilien gereinigt würden. Meist haben die Verkäufer an solchen Ständen auch gar nicht die Zeit und Kapazität dafür, auf solche „Sonderwünsche“ einzugehen, da sie ja meist entweder nur ein Gericht oder eine ganz kleine Auswahl an Speisen haben. So ist es dann einfacher, erst einmal weiterzusuchen.

Wenn dann jedoch ein Stand in meine engere Auswahl kommt, ich mir aber immer noch unsicher bin, was alles verarbeitet wird, frage ich auch schon einmal nach, ob ich möglicherweise die Etiketten ansehen darf (manchmal hat man Glück und die Zusatzstoffe stehen auf Englisch drauf). Für solche Fälle habe ich dann meist auch die Bitte an den Koch in der jeweiligen Landessprache bei. Oft kann es aber hier auch passieren, dass jemand nicht lesen kann oder generell nicht versteht, was ich da gerade von ihm möchte. Das kann ganz schön schwierig werden. Eher in den seltensten Fällen würde derjenige ohne Umschweife sagen, dass er es nicht versteht, sondern aus Höflichkeit wahrscheinlich nicken, lächeln und mir eine Portion auf den Teller laden. Da hätten wir dann wieder das Thema mit der Höflichkeit. In solchen Fällen lächle ich dann meist auch immer das Unverständnis weg, bedanke mich sehr höflich und suche lieber weiter.

Am einfachsten ist es dann meist, wenn man sich Stände sucht, an denen unmarinierte Sachen gegrillt werden – eine große Hemmschwelle ist da natürlich immer der Grillrost. Da muss jeder für sich abwägen und entscheiden, ob er etwas essen mag, oder doch lieber die Finger davon lässt.

Auf St. Maarten hatte ich aber z.B. das Glück, dass die Dame mir an einem typischen BBQ meinen Fisch in Alufolie eingepackt und dann mit auf den Grill gelegt hat, damit ja nichts dran kommt. Solche Situationen fallen dann immer in die Kategorie „made my day“ und geben mir selbst wieder Mut, die Welt weiter zu erkunden.

Wie sorgt man vor? Was sollte in die glutenfreie Reiseproviant-Tasche?

Das A und O ist wirklich eine gute Vorbereitung - ohne genügend Vorrat verreise ich eigentlich nie. Wenn ich jedoch mit Sicherheit weiß, dass es an meinem Reiseziel genügend glutenfreie Sachen gibt, packe ich meist nur Lebensmittel für die ersten paar Tage und zusätzliche Snacks für zwischendurch ein. Aber auch hier nehme ich lieber von Anfang an ein bisschen mehr mit und laufe Gefahr, hinterher auch wieder was mit nach Hause zu nehmen, anstatt dass ich schon nach kurzer Zeit mein Essen rationieren muss, weil ich blöd geplant habe.

Reise ich nun an ein Ziel, über das ich noch gar nichts hinsichtlich des glutenfreien Essens weiß, werden die Vorräte natürlich dementsprechend aufgestockt. Vor Ort buche ich am liebsten ein kleines Appartement, so dass ich mich da bequem selbst versorgen kann. Dann sind auch meist noch Pasta im Koffer, zu denen ich dann frische Soßen mit lokalen Lebensmitteln koche. Ich liebe es einfach, über Märkte zu schlendern und mich da mit frischen Sachen einzudecken, die man hier nur selten oder sehr schwierig bekommt.

Immer dabei sind Brot und kleine Snacks wie Studentenfutter oder Salzbrezeln, die man bequem auch unterwegs in die Handtasche packen kann. Achtung! Das Brot wird in warmen Ländern oft schneller schlecht – im Kühlschrank hält es sich geöffnet dann ein bisschen länger!

Ins Flugzeug (oder natürlich auch ins Auto) nehme ich am liebsten alles mit, was nicht flüssig ist oder auslaufen kann. Achtung: Hier müssen natürlich auch immer die Handgepäcksbestimmungen beachtet werden. Mitgebrachte Flüssigkeiten, die die 100 ml- Grenze übersteigen und nicht in dem vorgesehenen Zip-Beutel transportiert werden, müssen bei der Sicherheitskontrolle abgegeben werden. So setze ich dann lieber auf feste Sachen, die ich ohne Probleme mitnehmen kann. Gerne backe ich vorher Waffeln oder Muffins und schneide mir Obst und Gemüse, das ich in Vorratsdosen- oder Gläser packe, die ich auch für Tagesausflüge im Urlaub wieder befüllen kann.

Frau Pietsch, vielen Dank für dieses Interview!

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