Brot Krank Weizen Gluten ATI

Dr. phil. Kristin Gisbert-Schuppan und Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Detlef Schuppan zu ihrem Buch "Tägliches Brot: Krank durch Weizen, Gluten und ATI"!

Tägliches Brot: Krank durch Weizen, Gluten und ATI

Ein Argument gegen das Weglassen von Weizen ist z.B., dass man einen Nährstoffmangel riskiert…

Die Gefahr eines Nährstoffmangels besteht beim Verzicht auf Weizen oder glutenhaltige Produkte nicht. Zum einen ist eine ATI-reduzierte Diät nicht so strikt, wie dies bei einer glutenfreien Diät bei Zöliakie oder einer weizenfreien Diät bei einer Weizenallergie der Fall wäre. Wobei im Falle der Weizenallergie (wie auch bei anderen Allergien) unter Allergologen gerade diskutiert wird, ob eine weniger strikte Allergenkarenz die Toleranzentwicklung nicht sogar fördern kann. Wenn möglich, könnte es bei bestimmten Patienten sinnvoll sein, hin und wieder geringe und gerade noch verträgliche Mengen des Nahrungsmittelallergens zu verzehren. Wir erleben ja gerade bei Nahrungsmittelallergien, dass frühkindliche Intoleranzen oft wieder verloren werden. Auch bei inhalativen Allergien sieht man, dass sie im Alter auch wieder verschwinden können – es können jedoch auch weitere Allergien hinzukommen.

Aber nicht nur kann das Weglassen von Weizenprodukten keinesfalls zu einem Mangelzustand führen, sondern man kann, im Gegenteil, seine Nährstoffbilanz eher verbessern, wenn man auf hochraffinierte Weizenprodukte verzichtet, denn hier fehlen immer Vitamine, Spurenelemente und Faserstoffe. So hilft unser Buch auch bei der Versachlichung dieser sehr emotional geführten Diskussion, denn es basiert auf Evidenz bzw. auf klinisch belegten Daten.

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Wie viele Menschen könnten von bisher nicht diagnostizierbaren Erkrankungen, die durch Gluten, Weizen und ATI verursacht werden, betroffen sein?

Die Anzahl der potenziell Betroffenen ist überraschend hoch. Bei Zöliakie geht man in Deutschland und den meisten anderen Ländern der Welt von einem Anteil von 1 Prozent der Bevölkerung aus, von denen allerdings der größte Teil nicht diagnostiziert ist. Wenn dann ca. 3 bis 4 Prozent Erwachsene mit Weizenallergie hinzukommen – bei Kindern fehlen uns verlässliche Zahlen – liegen wir schon bei 5 Prozent. Wenn man dann die Patienten mit chronischen Erkrankungen hinzunimmt, die unter ATI aus Weizen eine Symptomverschlimmerung erleben, wäre man bei ca. 15 Prozent. Nimmt man noch die anderen atypischen Nahrungsmittelallergien hinzu, sind das nochmal 4 Prozent mehr. Insgesamt könnten ca. 19 Prozent der Bevölkerung, die unter Beschwerden leiden, von einer weizen- oder glutenfreien Diät profitieren. Man findet dann sehr schnell heraus, ob eine solche Diät die Beschwerden lindert oder nicht, und das ganz nebenwirkungsfrei.

Wie geht man diagnostisch vor, wenn nicht der Weizen das auslösende Allergen ist?

Bei den generellen atypischen Nahrungsmittelallergien ist es etwas schwieriger, weil im Moment als objektive Diagnose nur die konfokale Endomikroskopie nach Provokation zur Verfügung steht, bisher jedoch nur im Rahmen wissenschaftlicher Studien.

Hier in Mainz planen wir aber gerade eine Studie mit einem neuen endoskopischen Verfahren, bei dem wir im Rahmen einer klassischen Gastroskopie eine Allergenprovokation an der Darmschleimhaut durchführen. Wenn wir hier positive Ergebnisse erzielen, würde sich die Diagnose erheblich vereinfachen. Wir arbeiten aber auch an der Entwicklung von neuen Bluttests.

Es gibt also zurzeit keine Diagnosemöglichkeit für atypische Nahrungsmittelallergien, die nicht weizenbedingt sind?

Für geduldige Patienten gibt es eine weitere Möglichkeit, die der diagnostischen Diät. Dafür führt man bei Patienten zunächst eine Kartoffel-Olivenöl-Reis-Diät durch. Wenn sich die Symptome daraufhin deutlich bessern, kann man bereits relativ sicher von einer atypischen Nahrungsmittelallergie ausgehen. Im Anschluss an diese kurze hypoallergene Diät werden dann die Nahrungsmittel nach und nach wieder eingeführt. Zum Teil wissen die Patienten bereits, dass sie bestimmte Nahrungsmittel, z.B. Hühnchen, vertragen. Wichtig ist nur, dass die Nahrungsmittel ausschließlich in ihrer reinen Form verzehrt werden, also nicht als Fertigprodukt oder mit unklaren Saucen und Gewürzen. Alle zwei bis drei Tage folgt dann sukzessive eine neue Nahrungsmittelklasse, so dass man sehr genau beobachten kann, wie bekömmlich die einzelnen Nahrungsmittel für die Patienten sind. Dieser Prozess ist sehr mühsam und dauert viele Wochen, aber letztendlich ermöglicht es diese diagnostische Diät herauszufinden, welche Nahrungsmittel die Symptome auslösen.

Wo bekommt man Ihr Buch „Tägliches Brot: Krank durch Weizen, Gluten und ATI“?

Das Buch ist bei Springer Medizin erschienen und online sowie über jeden Bachhändler erhältlich.

Frau Dr. Gisbert-Schuppan, Herr Prof. Schuppan, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Quellen:

1) Zevallos VF, Raker VK, Maxeiner J, Scholtes P, Steinbrink K, Schuppan D.
Dietary wheat amylase trypsin inhibitors exacerbate murine allergic airway inflammation. Eur J Nutr. 29. März 2018. doi: 10.1007/s00394-018-1681-6.

2) Bellinghausen I, Weigmann B, Zevallos V, Maxeiner J, Reißig S, Waisman A, Schuppan D, Saloga J. Wheat amylase/trypsin inhibitors exacerbate intestinal and airway allergic immune responses in humanized mice. J Allergy Clin Immunol. 21, März 2018. doi: 10.1016/j.jaci.2018.02.041.

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