glutenfreier Weihnachtsmarkt Sasbachwalden Bischenberg

Der 2. glutenfreie Weihnachtsmarkt auf dem Bischenberg zog fast 6.000 Besucher an! Quelle: T. Broek

Über 6.000 Besucher beim gf Weihnachtsmarkt in Sasbachwalden

Auf den ersten Blick, ein ganz normaler Weihnachtsmarkt mit Buden, Lichterzauber, Glühwein und allerlei Leckereien. Auf den zweiten: Eine Schlemmermeile für Gourmets entlang der rund 25 weihnachtlich geschmückten Ausstellerstände mit einer riesigen Auswahl an feiner Kost, aber ohne Gluten. Vom Freitag, 1. Dezember bis Sonntag 3. Dezember 2017 fand der 2. glutenfreie Weihnachtsmarkt auf dem Bischenberg statt, der Größte in Deutschland. Wie ein Lauffeuer hatte sich der Wochenendtermin im Schwarzwald bereits Monate vorher bei Tausenden von Zöliakie-Betroffenen im In- und Ausland herumgesprochen: Genuss ohne Reue, das gibt’s doch eigentlich gar nicht! Die Betten in und um Sasbachwalden waren ausgebucht. Ein von der Gemeinde eingerichteter Pendelbus brachte die Gäste auf den 500 Meter hoch gelegenen Bischenberg. „Wir haben die Besucherzahl dieses Jahr auf über 6.000 Gäste steigern können und nur in glückliche Gesichter geschaut!“, freute sich Tatjana Broek vom Veranstalterteam Bischenberg am Sonntagabend.

Winter-Wonderland-Atmosphäre

Pünktlich zur Adventszeit verwandelte sich das Bilderbuchdörfchen mitsamt dem Bischenberg und seinen Weihnachtsbuden in ein weißes Wintermärchen. „Für uns ist es hier wie im Paradies, alles ist so, wie man es sich wünscht: viel Schnee, die Stimmung einzigartig und diese Vielfalt an glutenfreiem Essen kann ich kaum glauben!“, begeisterte sich Katharina Frölich aus Weinheim. Die Mutter einer an Zöliakie erkrankten Tochter stand dabei etwas ratlos vor dem Buffet. 15 verschiedene Kuchensorten und Torten. Das war ihr schon lange nicht mehr passiert. Für was sollte sie sich entscheiden? „Viele Gäste nehmen Kuchen mit nach Hause, damit sie noch länger Freude am Genießen haben“, erzählt Helferin Brigitte beim Aufschneiden der Schwarzwälder Kirsch Torte, garantiert gluten- und laktosefrei.

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Schlemmen und Einkaufen – und sich einmal alles von der Seele reden

Katharina Frbischenberg weihnachtsmarkt glutenfreiEin heimeliges Feuer sorgte für eine gemütliche Atmospäre beim glutenfreien Weihnachtsmarkt! Quelle: T. Broekölichs Familie steht stellvertretend für viele Besucherfamilien auf dem glutenfreien Weihnachtsmarkt. Sie leben mit mindestens einem „Zöli“-Kind oder einem betroffenen Elternteil zusammen. „In der Regel muss die ganze Familie ihre Ernährung umstellen, sonst ist der Alltag einfach nicht praktikabel!“, erklärt die Nagolderin Bea Burkhardt, die sich glutenfrei ernähren muss. Es sind die Umstände, die mit der Zöliakie einhergehen, die Familien und vor allem Kinder belasten und über die auch auf dem Bischenberg gesprochen wird. Aber in erster Linie geht es hier ums Schlemmen und tütenweise Einkaufen auf einem heimeligen Weihnachtsmarkt, dafür waren Tausende von nah und fern gekommen. An rund 25 Ess-Ständen und im Gasthaus konnte man seinen Hunger bedenkenlos stillen: Von Lebkuchen, über Steakweck, Würstchen, Spätzle mit Rahmsauce und paniertem Schnitzel, Suppen, indische Spezialitäten, Pestos, Maronen, Marmeladen, eine Vielfalt an Gebäck, ofenfrische Brötchen und Laugenstangen, herzhafte Waffeln und natürlich die süßen Crêpes mit den unterschiedlichsten Aufstrichen. „Ich habe seit zehn Jahren keinen Crêpes mehr gegessen, was sind da zehn Minuten?“, grinste Josef Manger aus Pforzheim völlig entspannt in der Schlange stehend. Street-Food von Eva and Tom in verschiedenen Varianten: Das Pärchen aus dem Allgäu verkaufte spiralförmige Kartoffelchips, getoppt beispielsweise mit Florida- oder Arizona-Dip, mit oder ohne Fleischbeilage. So cool schmeckt glutenfrei! Und was ist eigentlich ein Germanenspieß? Der Not gehorchend kam die Zöliakie-Familie Bau im Urlaub auf den aus verschiedenen Backmehlen hergestellten Brotspieß, der knusprig gegrilltes Fleisch ummantelt. An ihrem Stand war ihr Urlaubsspieß der Verkaufsschlager.

Alltag in Zöliakie-Familien

Auch in dieser Familie weiß man, was es bedeutet, einen Fehler in der Küche zu machen. Bei der Tochter wurde mit zwei Jahren Zöliakie festgestellt, beim Vater ein paar Jahre später. Mutter und Sohn sind beschwerdefrei. Niemand schneidet in der Küche die Ecken mit dem gleichen Messer ab, das vorher ein Brot mit Gluten geteilt hat. Alle tun alles, was es braucht, um Schaden zu verhüten. „Erst, wenn man als Betroffener realisiert, was es bedeutet, auf die herkömmliche und liebgewonnene Bäckerei zu verzichten, wird einem augenblicklich klar, wie sehr man sie vermisst!“, erklärt die Bloggerin Sina Klinkmüller (glutenfreieSina.de). Deshalb sind Zöliakie-Betroffene immer auf der Suche nach dem Genuss, nach neuen Rezepten, Zutaten, Back- und Mehlmischungen. – Und quasi dauernd am Experimentieren, damit es nicht nur essbar, sondern auch super genießbar und lecker schmeckt.

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