Zöliakie Organe extraintestinale Symptme

Prof. Dr. med. Wolfgang Holtmeier, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Diabetologie und Innere Medizin im Krankenhaus Porz am Rhein in Köln zu extraintestinalen Symptomen der Zöliakie!

Zöliakie nur am Darm? Viele Organe können betroffen sein!

Ist die Zöliakie in diesen Fällen dann eher ein Zufallsbefund?

Wenn sich die Zöliakie sehr mild oder nur in extraintestinalen Symptomen zeigt, ist es oft ein Zufall, dass die Diagnose Zöliakie gestellt wird.
Andererseits denkt man heutzutage bei Darmbeschwerden deutlich schneller an eine Zöliakie, als früher. Früher, das heißt vor 40 Jahren, sind Zöliakie-Patienten erst in einem sehr späten Krankheitsstadium aufgefallen, oft erst dann, wenn sie bereits stark abgemagert waren oder Kinder  an Wachstumsstörungen litten. Heutzutage kommt es oft nicht so weit, insbesondere die Kinderärzte sind hier stärker sensibilisiert. Hinzu kommt, dass vor 40 Jahren auch noch nicht die Labordiagnostik zur Verfügung stand, auf die man heutzutage zurückgreifen kann. Letztendlich könnte dies bedeuten, dass die als „klassische Zöliakie-Symptome“ bekannten Beschwerden, eigentlich Symptome sind, die erst in einem sehr späten Krankheitsstadium auftreten.

Vorstellbar ist jedoch auch, dass in den letzten Jahren neue Auslöser hinzugekommen sind, die die Zöliakie triggern, z.B. neue Viren.

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Inwiefern weiß man denn, was genau die Zöliakie auslöst?

Wir sehen bei der Zöliakie zwar einen „zweiten Peak“ im Alter von ca. 40 Jahren, d.h. Fälle, bei denen man eine Zöliakie erst im mittleren Lebensalter feststellt, aber die Auslöser sind unklar.

Zwar kennt man das Auto-Antigen, das Gluten und die Transglutaminase, aber es ist nicht bekannt, aus welchem Grund die Zöliakie bei manchen Menschen erst im Alter von 40 oder gar 80 Jahren auftritt.

Grundsätzlich ist die Zöliakie aber eine angeborene Erkrankung?

Die Zöliakie ist insofern „angeboren“, als die genetische Prädisposition für die Erkrankung grundsätzlich vorhanden sein muss, damit sich eine Zöliakie entwickeln kann. Ausschlaggebend sind die sogenannten HLA-Gene, konkret das HLA-DQ2 und das HLA-DQ8. Die entsprechenden Merkmale an diesen Genen tragen 25 bis 30 Prozent aller Menschen in der westlichen Welt, aber nur bei einem kleinen Teil dieser Menschen kommt es tatsächlich zu einer Zöliakie. Warum das so ist, konnte man noch nicht ermitteln.

Die Konsequenz ist, dass man zwar mit einer genetischen Prädisposition für Zöliakie geboren wird, eine Zöliakie jedoch nicht zwingend beim ersten Glutenkontakt im frühen Kindesalter ausbrechen muss. So ist es möglich, dass die Zöliakie erst im mittleren oder späten Lebensalter auftritt, ausgelöst durch Triggerfaktoren, die wir noch nicht kennen.

Möglich wäre jedoch auch, dass die Zöliakie bei einem Menschen schon immer latent vorhanden ist, ohne dass es jemals zu auffälligen Beschwerden kommt, und dann irgendwann durch unbekannte Faktoren ausgelöst wird.

Sie hatten Viren als mögliche Triggerfaktoren erwähnt…

Es wird diskutiert, ob Rotaviren bei Kindern eine Zöliakie auslösen können.

Im Fokus stand jedoch auch schon der Zeitpunkt der Zufuhr von Gluten als möglicher Triggerfaktor. Hier hat sich in Studien aber gezeigt, dass man den Ausbruch einer Zöliakie nicht verhindern kann, indem man den Kindern möglichst spät Gluten zuführt. Es ist lediglich möglich, den Zöliakie-Ausbruch zu verzögern.  Deshalb lautet die aktuelle Empfehlung, Gluten im Anschluss an die viermonatige Stillzeit einzuführen.

Herr Prof. Holtmeier, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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