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Glutenfreiumdiewelt glutenfrei Reisen Urlaub Zöliakie

Anna Greta Pietsch von glutenfreiumdiewelt, dem Blog für Reisespaß trotz Zöliakie!

Glutenfreiumdiewelt: Der Blog für Reisespaß trotz Zöliakie!

Wie soll man reisen, wenn man Zöliakie hat und auf glutenfreies Essen angewiesen ist? Gerade diejenigen, die gerade frisch die Diagnose „Zöliakie“ erhalten haben, stellen sich diese Frage. Oft ist es schon eine große Herausforderung, zuhause mit dem eingeschränkten Speiseplan zurecht zu kommen. Die Vorstellung, die glutenfreie Diät auf Reisen nicht durchhalten zu können, kann Angst einflößen. Aber es geht auch anders. Wie das geht, erfuhr MeinAllergiePortal von Anna Greta Pietsch von glutenfreiumdiewelt, dem Blog für Reisespaß trotz Zöliakie.

Frau Pietsch, seit wann betreiben Sie Ihren Blog „Glutenfrei um die Welt“?

Meinen Blog Glutenfreiumdiewelt gibt es nun seit November 2015. Die Idee dazu ist mir aber schon längere Zeit im Kopf herumgeschwirrt, da ich vor meinen Reisen selbst immer nach Erfahrungsberichten gesucht habe, aber oft einfach nicht fündig geworden bin. So entstand dann die Idee für meinen Blog.

Wie würden Sie die Entwicklung Ihres Blogs beschreiben?

Ich finde die Entwicklung meines Blogs besonders in den vergangenen Monaten sehr positiv. Meine Erfahrungsberichte von meinen „glutenfreien“ Reisen werden wirklich gut angenommen und ich bin froh, wenn ich durch die Weitergabe meiner Erlebnisse anderen Betroffenen helfen und ihnen die Angst vor dem Reisen mit Zöliakie etwas nehmen kann. Dafür schreibe ich ja auch!

Wie bzw. mit welchen „Social Media“ kommunizieren Sie zusätzlich zu Ihrem Blog „Glutenfrei um die Welt“  mit Ihren Fans?

Vor allen Dingen kommuniziere ich viel über Facebook und teile meine Fotos von den Reisen bei Instagram.


Wie würden Sie Ihre Fans beschreiben?

Im Allgemeinen würde ich meine Follower als sehr dankbar und freundlich beschreiben – ich freue mich jedes Mal, wenn mir jemand eine Nachricht hinterlässt und sich zusätzlich zu einem Reiseziel informieren mag oder sich einfach nur für meine Berichte bedankt, weil sie ihm weitergeholfen haben. Das sind wirkliche Glücksmomente!

Welcher Kontinent eignet sich denn aus Ihrer Sicht am besten für glutenfreie Reisen und wo würden Sie nie mehr hinfahren?

glutenfreiumdiewelt portrait aldina glutenfree bolognaglutenfreiumdiewelt bei Aldina glutenfree in Bologna!Puh, das ist eine kniffelige Frage. Es gibt so viele wunderschöne Orte auf der Welt, die es sich zu besuchen lohnt – trotz der Zöliakie. Meist mache ich meine Reisen nicht von der Zöliakie abhängig und wähle das nächste Ziel nicht danach aus, wo ich wahrscheinlich die größte Nahrungsauswahl habe. Ich lasse mich da eher treiben und mache dann das Beste aus der Situation. Hier ist dann natürlich mal mehr, mal weniger intensive Vorbereitung nötig. Wenn ich nun einmal gar nicht weiß, was mich erwarten wird, dann nehme ich auch immer mehr Proviant mit, so dass ich mich vor Ort damit über Wasser halten könnte.

Aber generell würde ich als Kontinent schon Europa ganz weit vorne sehen, wenn ich mich nun entscheiden müsste! Länder wie Italien, die Niederlande, Spanien, Skandinavien allgemein, Portugal und auch die Schweiz haben es mir hier besonders angetan.

Gibt es so etwas wie „die schönste Überraschung“ und „das gruseligste Erlebnis“?

Das „gruseligste Erlebnis“, wenn man es so nennen mag, hatte ich in Gambia vor ein paar Jahren. Im Nachhinein schmunzle ich nun schon wieder über die Situation, aber da war ich wirklich an meiner persönlichen Grenze.

Ich war mit einer Freundin in der Nebensaison da – mit einem guten und sicheren Gefühl konnte ich außer gegrillten Maiskolben wirklich nichts essen. Selbst das Obst und Gemüse war teilweise auch schon wirklich länger nicht mehr gut. Der Speiseplan war von daher sehr eintönig: Morgens zwei angebratene Schnitten glutenfreies Brot mit aufgeschnittener Tomate und Salz und abends gab es glutenfreie Spaghetti mit Tomatensoße! Da war ich wirklich froh, dass ich genügend Reserven mithatte und wir ein kleines Apartment hatten, um uns selbst zu versorgen.

glutenfreiumdiewelt gepuffte reiskugeln gadhimai kalaiya nepalGepuffte Reiskugeln in Gadhimai, Nepal!Eine ähnliche Erfahrung hatte ich vor kurzem noch einmal in Nepal, bei einer Hochzeit an der indischen Grenze: Leider hatte ich hier noch nicht mal eine Kochgelegenheit – da haben mich dann Obst, Studentenfutter und ein eingeschweißter Marmorkuchen über Wasser gehalten.

So sieht man, dass auch in meiner Zöliakie-Reisewelt nicht immer alles rund läuft! Solche Situationen sind zwar manchmal wirklich schwierig zu meistern, aber irgendwie klappt es dann doch immer! Ich muss zugeben, dass ich froh bin, dass ich mich von manch negativen Erfahrungen trotzdem nicht vom Reisen abhalten und mir die Abenteuerlust nehmen lasse!


Es gibt mittlerweile einige Regionen, die sich auf Gäste mit Unverträglichkeiten spezialisiert haben. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

glutenfreiumdiewelt glutenfreies panini kopenhagenGlutenfreies Panini in Kopenhagen!Meine Begeisterung ist da manchmal etwas geteilt. Generell sehe ich dieser Entwicklung aber positiv entgegen.

Vor zwei Wochen war ich in der Ferienregion Scuol, Samnaun, Val Müstair im Unterengadin in der Schweiz eingeladen. Das ist ein Beispiel, wo dieses Konzept voll aufgeht und ich wirklich begeistert bin! Hier haben sich Restaurants, Hotels, Apartments, Lebensmittelgeschäfte und andere Dienstleister zusammengeschlossen, um ihren Gästen unbeschwerte gluten- und laktosefreie Ferien bieten zu können. Regelmäßig finden Schulungen mit der ansässigen Zöliakiegesellschaft statt, so dass hier bestmöglich über den Umgang mit glutenfreien Lebensmitteln geschult wird.

Genauso gibt es aber leider auch immer erschreckende Beispiele, die ich gerade für Zöliakie-Neulinge schwierig finde. Da erinnere ich mich an ein Lokal in Porto, Portugal. Hier wurde auf einer Reklametafel ganz groß mit glutenfreien Crêpes geworben – im Laden gab es aber nur eine Platte für den glutenhaltigen und glutenfreien Teig. Diese Entwicklung finde ich schwierig – einerseits ist es toll, dass durch die immer größer werdende Nachfrage mehr und mehr glutenfreie Produkte auf den Markt kommen. Andererseits ist es schwierig, wenn z.B. Restaurants auf den „glutenfreien Zug“ aufspringen, sich mit dem Thema aber eigentlich kaum auskennen und für die das Wort „Kontamination“ ein Fremdwort ist.

Es gibt also in meinen Augen Sonnen- und Schattenseiten bei dieser Entwicklung.

Sie suchen sich Ihre Reiseziele ja nicht nach dem glutenfreien Angebot aus, aber wie gehen Sie konkret bei der Reiseplanung vor?

Wenn ich mich für ein Reiseziel entschieden habe, suche ich zunächst erst einmal online, ob es bereits Erfahrungsberichte oder Tipps zu meiner Unterkunft und dem Land bzw. Ort gibt. Meist schreibe ich auch das Hotel an und frage, ob sie ein glutenfreies Angebot haben und ob sie sich mit einer möglichen Kontaminationsgefahr auskennen. Am liebsten buche ich aber Apartments, damit ich mich selbst versorgen und auf mich alleine verlassen kann. Ich überschlage grob, was ich an Vorräten in der Zeit brauche (je nachdem wie sicher ich vor Ort noch glutenfreie Lebensmittel bekomme).  Dafür habe ich von meinem Hausarzt ein Attest auf Englisch, das bestätigt, dass ich Zöliakie habe und auf spezielle Lebensmittel angewiesen bin: Falls der Zoll mal komisch gucken sollte! Das ist mir bisher aber noch nie passiert.

Und sonst lasse ich einfach alles auf mich zukommen. Wenn ich Online schon tolle Empfehlungen gefunden habe, dann schreibe ich mir die Adressen raus – quasi als Highlights zwischendurch, die ich dann wie Sehenswürdigkeiten unterwegs besuche. Gerne informiere ich mich auch vorab, was traditionell in einem Land gegessen wird, das vielleicht von Natur aus schon glutenfrei ist. In Mexiko konnte ich mich den ganzen Tag von Maistortillas versorgen!

Natürlich habe ich auch immer „Die Bitte an den Koch“ in der jeweiligen Landessprache dabei und bestellte bei der jeweiligen Fluggesellschaft ein glutenfreies Menü vor.

Haben Sie noch einen Tipp für die Neulinge unter den „glutenfrei“-Reisenden?

Wichtig ist auch, dass die Erwartungen an das glutenfreie Essen im Ausland nicht so hoch sind - dann kann man auch nicht enttäuscht werden. In vielen Ländern hat man von Zöliakie einfach noch nie etwas gehört. Da müssen auch wir als Betroffene Rücksicht drauf nehmen und können nicht erwarten, dass sich Jedermann dann damit auskennt. Hier hilft es oft, wenn man sich etwas Zeit nimmt und versucht, sein Problem und seine Wünsche zu erklären und beim Kochen dabeibleibt. Das hat bei mir bisher meist super funktioniert.

Und ganz wichtig finde ich immer: Lieber einmal mehr nachfragen und darauf achten, wie etwas zubereitet wird, als einmal zu wenig. Und wenn man dann immer noch unsicher ist, lässt man lieber die Finger davon. In vielen Ländern fällt es oft schwer „Nein“ zu sagen, weil sich die Menschen oft so viel Mühe geben – da ist dann Fingerspitzengefühl und Einfühlvermögen gefordert, damit man niemandem auf die Füße tritt! Wenn man aber lieb zu verstehen gibt, dass man sonst sehr krank wird, haben aber meist alle Verständnis dafür!

Frau Pietsch, herzlichen Dank für dieses Interview!