Zöliakierisiko Magen-Darm-Infekte Atemwegsinfekte

PD Dr. Andreas Beyerlein, Institut für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München zum Risiko, durch Magen-Darm oder Atemwegsinfekte an Zöliakie zu erkranken!

Zöliakie: Steigt das Zöliakierisiko durch frühe Infektionen?

Was weiß man über den Effekt viraler Infekte generell auf die Barrierefunktion der Schleimhäute bzw. das Mikrobiom? Kann man aus Ihren Untersuchungen schließen, dass die „Tight Junctions“ hiervon betroffen sein könnten?

Meines Wissens gibt es hierzu viele Theorien, aber wenige gesicherte Erkenntnisse. Auch wir können keine fundierten Aussagen zu den genauen Mechanismen machen, da unsere Daten keine Labormessungen oder Bioproben umfassen.

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Zu einem geringeren Grad war ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für Zöliakie auch im Zusammenhang mit frühen Atemwegserkrankungen nachweisbar. Wie hoch ist dieses Risiko im Vergleich zu den Magen-Darm-Infektionen bzw. den infektionsfreien Kindern?

Kinder mit mindestens einer bzw. mit wiederholten ärztlich diagnostizierten Atemwegsinfektionen hatten im Vergleich zu Kindern ohne Atemwegsinfekten ein bei einmaligen Atemwegsinfektionen um 22 Prozent bzw. bei mehrmaligen um 31 Prozent erhöhtes Risiko für Zöliakie bis zum Alter von 8 Jahren.

Sie haben mit anonymisierten Daten gearbeitet. Konnte man dennoch zwischen mit Zöliakie erblich vorbelasteten Kindern und nicht vorbelasteten unterscheiden? Wenn ja, gab es hier Unterschiede im Zusammenhang mit dem Erkrankungsrisiko?

Leider war auch diese Betrachtung mit unseren Daten nicht möglich.

Denkbar wären solche genetischen Unterschiede schon, so fand beispielsweise eine ähnliche kürzlich erschienene Studie einen deutlich stärkeren Zusammenhang zwischen Magen-Darm-Infektionen und zöliakiebezogener Autoimmunität bei Kindern mit bestimmten sogenannten HLA-Genen.2)

Wo sehen Sie Möglichkeiten der Prävention und wie könnten diese aussehen?

Zunächst mal: Eltern sollten jetzt nicht auf Grund unserer Ergebnisse in Panik geraten, wenn ihr Kind einmal einen Husten oder eine Durchfallerkrankung bekommt. Infektionen im frühen Kindesalter lassen sich kaum vermeiden, und bei weitem die meisten Kinder mit wiederholten Magen-Darm-Infektionen erkrankten später nicht an Zöliakie. Wir wissen noch nicht einmal sicher, ob die Zusammenhänge wirklich kausal sind, z. B. könnte auch eine allgemeine Schwäche des Immunsystems dafür verantwortlich sein, dass manche Kinder sowohl mehr Magen-Darm-Erkrankungen bekommen als auch später eine Zöliakie entwickeln. Sollte sich der Verdacht von frühen Infektionen als mögliche Auslöser von Zöliakie weiter erhärten, könnten frühe antiinflammatorische Therapien oder – falls doch ein bestimmter Erreger verantwortlich gemacht werden kann – gezielte Impfungen bei Risikokindern mögliche Präventionsmaßnahmen darstellen.

Herr Privatdozent Beyerlein, herzlichen Dank für dieses Interview!

 

Quellen:

1)    Beyerlein, A. et al. (2017): Infections in early life and development of celiac disease, American Journal of Epidemiology, DOI: 10.1093/aje/kwx190

2)    Kemppainen KM, Lynch KF, Liu E, Lönnrot M, Simell V, Briese T, Koletzko S, Hagopian W, Rewers M, She JX, Simell O, Toppari J, Ziegler AG, Akolkar B, Krischer JP, Lernmark Å, Hyöty H, Triplett EW, Agardh D; TEDDY Study Group, Factors That Increase Risk of Celiac Disease Autoimmunity After a Gastrointestinal Infection in Early Life, Clin Gastroenterol Hepatol.  2017 May;15(5):694-702.e5. doi: 10.1016/j.cgh.2016.10.033. Epub 2016 Nov 10, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27840181

 

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