Zöliakierisiko Magen-Darm-Infekte Atemwegsinfekte

PD Dr. Andreas Beyerlein, Institut für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München zum Risiko, durch Magen-Darm oder Atemwegsinfekte an Zöliakie zu erkranken!

Zöliakie: Steigt das Zöliakierisiko durch frühe Infektionen?

Eine Auswertung der Daten der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns brachte es an den Tag: Wiederholte Magen-Darm-Infektionen und Atemwegsinfektionen im ersten Lebensjahr erhöhen das Risiko, an einer Zöliakie zu erkranken.1) Die Wissenschaftler hatten anonymisierte Datensätze von 295.420 Kindern der Jahrgänge 2005 bis 2007 ausgewertet. MeinAllergiePortal sprach mit Erstautor PD Dr. Andreas Beyerlein, Institut für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH).

Herr Privatdozent Beyerlein, Ihr Forschungsfokus liegt eigentlich auf Diabetes, wie kamen Sie zum Thema Zöliakie?

Sie haben Recht, an unserem Institut beschäftigen wir uns hauptsächlich mit dem Typ-1-Diabetes. Dieser weist jedoch einige Parallelen zur Zöliakie auf: Beides sind Autoimmunerkrankungen, die häufig schon im Kindes- und Jugendalter auftreten, und Kinder, die Typ-1-Diabetes entwickeln, haben genetisch bedingt auch ein höheres Risiko für Zöliakie und umgekehrt. Daher haben wir uns auch schon in früheren Arbeiten hin und wieder mit Zöliakie beschäftigt. Bei dieser Studie kam noch der Aspekt hinzu, dass wir in den gleichen Daten für den Typ-1-Diabetes eine stärkere Assoziation mit frühen Atemwegserkrankungen als mit Magen-Darm-Infekten gesehen hatten. Bei der Zöliakie erwarteten wir das eher andersherum, was sich dann auch in den Daten bestätigt hat. Insofern stellt diese neue Auswertung auch eine Art Bestätigung unserer früheren Ergebnisse zum Typ-1-Diabetes dar.

Sie haben in Ihrer Studie festgestellt, dass „wiederholte Magen-Darm-Erkrankungen im ersten Lebensjahr das Risiko erhöhen, an einer Zöliakie zu erkranken“ – welche Veränderungen lösen diese Erkrankungen aus?

Das Risiko für Zöliakie unterschied sich in unseren Daten nicht wesentlich zwischen viralen und bakteriellen Infektionen. Das könnte darauf hindeuten, dass es weniger ein bestimmter Erreger ist, der für die beobachteten Zusammenhänge verantwortlich ist, sondern eher ein länger anhaltender Entzündungszustand des Magen-Darm-Trakts, der durch wiederholte Infektionen verursacht wird.  

Um wieviel größer ist das Zöliakie-Risiko bei Kindern, die früh Infektionen hatten, im Vergleich zu Kindern, die keinerlei Infektionen hatten?

Kinder, bei denen im ersten Lebensjahr mindestens eine Magen-Darm-Infektion ärztlich diagnostiziert wurde, hatten verglichen mit Kindern ohne eine solche Infektion eine um 32 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, bis zum 8. Lebensjahr eine Zöliakie zu entwickeln. Bei Kindern mit wiederholten Magen-Darm-Infektionen war das Risiko sogar um 115 Prozent, also mehr als das Doppelte, erhöht.

Steigt das Risiko mit der Anzahl der Infekte bzw. dem Schweregrad?

Zum Schweregrad der Infektionen können wir auf der Basis der vorliegenden Daten leider keine Aussage treffen.

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