Chronische induzeirbare Urtikaria

Prof. Dr. med. Marcus Maurer, Oberarzt und stellvertretender Leiter des Allergie-Centrums-Charité und Direktor für Forschung an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité Universitätsmedizin in Berlin

Chronische induzierbare Urtikaria: Neues zur Diagnose und zur Therapie! - Wie bestimmt man den auslösenden Reiz und die Reizschwelle bei der chronischen induzierbaren Urtikaria?

Wie bestimmt man den auslösenden Reiz und die Reizschwelle bei der chronischen induzierbaren Urtikaria?

dermographometer Dermographometer © Prof. Dr. med. Marcus Maurer, Charité in BerlinReiz und Reizschwelle bestimmt man bei der chronischen induzierbaren Urtikaria vornehmlich durch Provokationstestungen.

In manchen Fällen gibt bereits die Anamnese eindeutige Hinweise. Berichtet ein Patient z.B. von einem Juckreiz und dass sich nach dem darauf folgenden Kratzen, rote, juckende quaddelartige Hauterhebungen an den Kratzstellen bilden, so dass man auf die Haut regelrecht „Schreiben“ oder Muster einritzen kann, weist dies auf eine Urtikaria facticia hin, die häufigste Form der chronischen induzierbaren Urtikaria. Durch das Kratzen der Haut mit einem Stift oder Stäbchen lässt sich die Diagnose leicht überprüfen. Dieser Provokationsrest sollte am Unterarm des Patienten erfolgen, damit der Patient die Hautreaktion gut nachvollziehen kann. Oft wird diese Testung am Rücken vorgenommen, was zum einen intransparent für den Patienten ist und zum anderen unangenehm, wenn er in der Folge versucht, sich am Rücken zu kratzen.

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Gibt es weitere Möglichkeiten zur Bestimmung der Reizschwelle?

urtikaria diagnose mit dem temptestUrtikaria-Diagnose mit  TempTest © Prof. Dr. med. Marcus Maurer, Charité in BerlinFür fast alle Formen der chronischen induzierbaren Urtikaria gibt es diagnostische Geräte, mit deren Hilfe sich die Reizschwelle und damit die Aktivität der Erkrankung bestimmen lassen.

Bei der Urtikaria facticia lässt sich die Reizschwelle mit Hilfe eines Dermographometer bestimmen, einer kleinen Plastikscheibe mit unterschiedlich langen Zinken. Damit kann die Haut des Patienten mit unterschiedlichem Druck, d.h. mit unterschiedlichen Reizintensitäten, gekratzt werden. Wenn selbst der leichteste Reiz zu einer Hautreaktion führt, liegt eine schwere Urtikaria facticia vor und die Therapie kann entsprechend ausgerichtet werden. Im Laufe der Behandlung dient der Dermographometer der Überprüfung des Therapieerfolgs. Ziel muss es sein, dass die Haut keinerlei Reaktionen zeigt.

Für die Kälteurtikaria und die Wärmeurtikaria gibt es ebenfalls ein Tool, mit dessen Hilfe man die Reizschwelle ermitteln kann. Damit lassen sich Temperaturen zwischen 4 °C und 44 °C testen. Der Patient bekommt so eine exakte Information über die für ihn verträglichen Temperaturen und auch der Therapieerfolg lässt sich regelmäßig überprüfen und anpassen.    

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Wie behandeln Sie die chronische induzierbare Urtikaria?

Wie für die chronische spontane Urtikaria gilt für die chronische induzierbare Urtikaria das Behandlungsziel, das Auftreten von urtikariellen Reaktionen zu vermeiden und nicht, die Reaktionen zu behandeln. Das Ziel ist eine völlige Symptomfreiheit.

Bei der chronischen induzierbaren Urtikaria stellt das Meiden des jeweiligen Auslösers einen wichtigen Teil der Therapie dar. Bei der Urtikaria facticia, z.B., sollte man enge und scheuernde Kleidung und enge Gürtel meiden. Patienten mit einer Kälteurtikaria oder einer Wärmeurtikaria hingegen, sollten z.B. nicht außerhalb des für sie verträglichen „Temperaturkorridors“ duschen, baden oder Schwimmen gehen, um bedrohliche Schocksituationen zu vermeiden.

Zur Behandlung der chronischen induzierbaren Urtikaria sind „nicht sedierende Antihistaminika der 2. Generation“ die Therapie der Wahl. Bei Nichtansprechen kann eine Höherdosierung auf bis zu vier Tabletten am Tag erfolgreich sein. Diese Medikamente kann man langfristig einnehmen, ohne dass Nebenwirkungen zu befürchten sind. Bringt auch eine hochdosierte Antihistaminika-Therpie nicht den gewünschten Erfolg, ist der zusätzliche Einsatz von Omalizumab, Cyclosporin A oder Montekulast möglich. Die Wirksamkeit dieser Wirkstoffe wurde in kontrollierten Studien nachgewiesen, allerdings sind beide Substanzen zur Behandlung der chronischen induzierbaren Urtikaria nicht zugelassen, d.h. eine mögliche Behandlung würde „off-label“ erfolgen.

Herr Prof. Maurer, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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