Solare Urtikaria Lichturtikaria

Prof. Dr. med. habil. Bettina Wedi, Oberärztin und Leitung Dermatologische Tagesklinik, Allergologie, Labor Dermatologie/Allergologie, QM; Vorstandsvorsitz MHH-Allergiezentrum (MHH-AZ) an der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Medizinischen Hochschule Hannover

Solare Urtikaria – Lichturtikaria: Symptome, Ursachen, Diagnose, Therapie

Wie erfolgt die Diagnose der Lichtallergie?

Die  Diagnose wird durch die standardisierte Provokationstestung mit Licht an nicht sonnenexponierter Haut, z. B. am Gesäß und die dadurch ausgelösten typischen, juckenden und flüchtigen Quaddeln gesichert. Die Provokationstestung wird mit UVA, UVB und sichtbarem Licht durchgeführt, um das auslösende UV-Spektrum und die auslösende Dosis (minimale urtikarielle Dosis) einzugrenzen.

Wie therapiert man die Lichturtikaria? Muss man die Sonne stets meiden?

Nur bei wenigen Patienten reichen konsequente Lichtschutzmaßnahmen wie Lichtschutzfilter, UV-dichte Kleidung, Kopfbedeckung, UV-Schutzfolien für Fenster etc., bezogen auf das jeweilige Lichtspektrum aus. Zu beachten ist, dass auch im Schatten UV-Licht vorkommt und auch UV-A durch Fenster- und Windschutzscheiben dringt. Bei sichtbarem Licht ist eine Meidung nicht wirklich möglich.

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Medikamentöse Therapie der  ersten Wahl ist der Einsatz von modernen H1-Antihistaminika, gegebenenfalls  in erhöhter Dosierung bis zu vierfach (leitliniengerecht). Sollte dies nicht ausreichen, kann vor Beginn der sonnenreicheren Saison ein UV-Hardening  versucht werden, d.h. eine gezielte Gewöhnung an das Licht durch Anwendung ansteigender Dosierungen mit dem auslösenden UV-Spektrum. Eine weitere Möglichkeit für therapie-resistente Betroffene ist das monatliche Spritzen von Omalizumab (anti-IgE-Antikörper) unter die Haut. Omalizumab ist bisher allerdings nur für die Behandlung der chronischen spontanen Urtikaria zugelassen, so dass bei der solaren Urtikaria eine off-label-Anwendung besteht.

Ergeben sich aus der neuen Urtikaria-Leitlinie auch Konsequenzen für die Diagnose oder Behandlung der solaren Urtikaria?

Da die solare Urtikaria so selten vorkommt, gibt es bisher keinen zugelassenen Therapieansatz. Die Behandlung kann schwierig sein. In den Leitlinien empfohlen wird - wie bei anderen induzierbaren Urtikariaformen auch -  das Meiden des Auslösers und die Gabe von modernen H1-Antihistaminika, Photohardening, Omalizumab. Weitere Möglichkeiten mit positiven Einzelfallbeschreibungen sind Plasmapherese, Ciclosporin A, Photopherese, Plasmaaustausch, intravenöse Immunglobuline, (Hydroxy-)Chloroquin.

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Ist bei der Lichturtikaria auch das Bestimmen einer Reizschwelle relevant?

Der Erfolg der Behandlung kann durch Veränderung der Reizschwelle (minimale urtikarielle Dosis) vor und unter der Therapie beurteilt werden.

Frau Prof. Wedi, herzlichen Dank für dieses Interview!

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