Angioödem ACE-Hemmer

Dr. Jens Greve, Oberarzt an der HNO-Klinik des Universitätsklinikums Ulm

Arzneimittelreaktion: Angioödeme durch ACE-Hemmer? Was kann helfen?

Zu Ihrer Studie: Wo setzt die Therapie des ACE-Hemmer-vermittelten Angioödems an?

In unserer Studie haben wir erfolgreich den  Wirkstoff Icatibant, einen Bradykinin B2 Rezeptorblocker, der seit 2008 für die Behandlung des hereditären Angioödems zugelassen ist, bei Patienten mit einem ACE-Hemmer induzierten Angioödem eingesetzt. Dabei wird das Bradykinin an seinem B2 Rezeptor, der überwiegend für die Entstehung eines Angioödems zuständig ist, gehemmt, wodurch sich das Angioödem zurückbildet.

Wird der Wirkstoff denn heute schon eingesetzt?

Der Wirkstoff ist eine zugelassene Therapie für die Indikation „hereditäres Angioödem“ und wird dafür auch eingesetzt. Hierbei handelt es sich um eine vererbbare, auf einer Genmutation beruhenden, Angioödemform, welche ebenfalls Bradykinin-vermittelt ist.

Zur Behandlung von akuten Angioödemen, ausgelöst von ACE-Hemmern, ist der Wirkstoff noch nicht zugelassen. Das bedeutet, wenn man den Wirkstoff „off label“, d.h. außerhalb der Zulassung, einsetzen will, muss man den Patienten darüber aufklären, dass es sich um eine für diese Indikation nicht zugelassene Therapie handelt, eine Wirksamkeit aber in Studien schon belegt werden konnte.

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Gleiches gilt aber auch für die Behandlung von ACE-Hemmer induzierten Angioödemen mit Kortsion und Antihistaminika. Auch diese sind zur Behandlung der ACE-Hemmer induzierten Angioödeme nicht zugelassen; hier konnte aber bisher auch keine Wirksamkeit nachgewiesen werden.

Die Patienten, die mit einem akuten Angioödem zu Ihnen kommen, befinden sich in einer Notsituation, wie gehen Sie hier vor?

Wenn die Patienten zu uns kommen, haben sie in der Regel bereits vom Notarzt Kortison oder ein Antihistaminikum erhalten. Wenn man dann durch die Anamnese feststellt, dass es sich höchstwahrscheinlich um ein ACE-Hemmer induziertes Angioödem handelt und Kortison und Antihistaminikum keine Wirkung zeigen, versorgen wir den Patienten, nach entsprechender Aufklärung über die „off-label-Behandlung“ mit dem Bradykinin-Antagonisten. In der Regel ist der Patient in der Lage, seine Zustimmung zur Behandlung zu geben. Besteht akute Erstickungsgefahr, handeln wir, den mutmaßlichen Patientenwillen vorausgesetzt, ebenso.

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Welche Alternativen gibt es zu den ACE-Hemmern?

Kommt es zu einem ACE-Hemmer verursachten Angioödem empfehlen wir, dass der Hausarzt den Patienten auf ein anderes Medikament umstellt. Allerdings möglichst nicht auf ein sogenanntes Sartan, d.h. einen Angiotensin II Rezeptorblocker, da auch diese Angioödeme auslösen können. Alternativen wären ein Kalziumantagonisten oder Betablocker, je nachdem, was der Hausarzt oder der Kardiologe empfiehlt.

Würden Sie empfehlen, dass ACE-Hemmer aufgrund des Angioödem-Risikos generell weniger häufig verordnet werden?

Ich würde nicht generell von ACE-Hemmern abraten. ACE-Hemmer haben eine ganze Reihe von Vorteilen für den Patienten und die Angioödemrate ist selten. Bei Auftreten eines Angioödems, kann dieses nun mittlerweile auch sehr gut behandelt werden.

Wichtig ist, dass wir als betreuende Ärzte wissen, dass es diese ACE-Hemmer induzierten Angioödeme gibt und dass diese nicht in direktem Zusammenhang mit der Ersteinnahme stehen, sondern auch nach Jahren der Einnahme noch auftreten können. Insbesondere dann, wenn der Patient keine Reaktion auf Kortison und Antihistaminika zeigt, sollte man an diese Möglichkeit denken. Und noch ein Hinweis: Die ACE-Hemmer induzierten Angioödeme treten immer ohne Juckreiz und Nesselsucht, d.h. Quaddelbildung auf. Auch dies ist ein deutlicher Unterschied zum allergischen Angioödem.

Herr Dr. Greve, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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