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Intoleranz-Urtikaria Diät

Privatdozentin Dr. med. Petra Staubach, Leiterin der Urtikaria und Angioödem-Sprechstunde der Hautklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz

Intoleranz-Urtikaria: Helfen pseudoallergen- und histaminarme Diäten?

Die chronische Urtikaria ist ein heterogenes Krankheitsbild, man unterscheidet spontane von induzierbaren Formen. Die chronisch spontane Urtikaria kann in jedem Alter vorkommen, sowohl Kinder als auch ältere Menschen können betroffen sein. Frauen im mittleren Alter trifft die chronisch spontane Urtikaria besonders häufig, ein Phänomen, das man auch bei Patienten mit nicht-allergischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten, auch Intoleranzen genannt, beobachtet hat. Interessant ist es deshalb, dass man mit speziellen sogenannten „Urtikaria-Diäten“ bei bestimmten Formen der chronisch spontanen Urtikaria, der Intoleranz-Urtikaria, gute Erfolge erzielt. MeinAllergiePortal sprach mit Privatdozentin Dr. med. Petra Staubach, Leiterin der Urtikaria und Angioödem-Sprechstunde der Hautklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz über pseudoallergen- und histaminarme Diäten und wie sie helfen können.

Autor: Sabine Jossé M. A. 

Interviewpartner: PD Dr. med. Petra Staubach

Frau Privatdozentin Staubach, wie hoch ist der Anteil der Intoleranz-Urtikaria bei den Patienten mit chronischer spontaner Urtikaria?

Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass bei einem Drittel der Patienten mit chronischer spontaner Urtikaria eine Intoleranz Urtikaria zugrunde liegt.

Wie können Sie feststellen, dass eine Intoleranz-Urtikaria der Auslöser der chronisch spontanen Urtikaria ist?

Leider gibt es bisher keinen Laborwert, mit dem man eine Intoleranz-Urtikaria nachweisen könnte. Deshalb bekommen bei uns die Patienten mit chronisch spontaner Urtikaria eine Diätempfehlung. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass ein Drittel unserer Patienten auf die Urtikaria-Diät anspricht, wenn dies länger als drei Wochen durchgehalten wird.

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Was verstehen Sie im Zusammenhang mit der Urtikaria-Diät unter „ansprechen“?

Unter „ansprechen“ verstehen wir, dass sich bei den Patienten nach drei bis vier Wochen eine Verbesserung um mindestens 50 Prozent einstellt. Diese „Verbesserung“ kann sich auf die Symptomreduktion beziehen, sie kann aber auch bedeuten, dass die Patienten unter der Urtikaria-Diät weniger Antihistaminika einnehmen müssen.

Ist dies nicht der Fall, wird die Urtikaria-Diät nicht weiter fortgeführt. Natürlich ist es eine Ermessensfrage, ob auch bei einer unter 50 Prozent liegenden Optimierung eine Beibehaltung der Urtikaria-Diät sinnvoll ist. Es gibt Patienten, die einen sehr hohen Leidensdruck haben, und die auch bei einer weniger stark ausgeprägten Verbesserung von der Urtikaria-Diät profitieren. Diese Entscheidung treffen wir in Absprache mit unseren Patienten.

Die Symptome der Intoleranz-Urtikaria unterscheiden sich aber nicht von den Symptomen der chronisch spontanen Urtikaria?

Nein, die Symptome der Intoleranz-Urtikaria unterscheiden sich nicht von den anderen chronisch spontanen Formen der Urtikaria. Es kann zu den typischen Quaddeln kommen, d.h. roten, erhabenen Hautveränderungen, die sehr stark jucken. Die Quaddeln können auch ineinander übergehen und größere Areale bilden. Quaddeln können überall am Körper und in allen Größen auftreten, allerdings typischerweise nie länger als 24 Stunden an einer Stelle. Möglich ist jedoch, dass es danach an einer anderen Körperstelle erneut zu Quaddeln kommt und dies über einen längeren Zeitraum immer wieder an unterschiedlichen Stellen. Ab einer Dauer von mehr als sechs Wochen nennt man das eine chronisch spontane Urtikaria.

Wie sieht eine Urtikaria-Diät aus?

Es gibt zwei verschiedene Urtikaria-Diäten, die pseudoallergenarme Diät und die histaminarme Diät. In der Urtikaria-Leitlinie wird die pseudoallergenarme Diät empfohlen. Daneben wird diskutiert, inwieweit bei Patienten mit einer Intoleranz-Urtikaria auch eine Histaminintoleranz eine Rolle spielen könnte.

In einer Untersuchung, die wir hier in Mainz gerade durchgeführt haben, konnten wir zeigen, dass die Patienten mit chronisch spontaner Urtikaria von einer histaminarmen Kost genauso profitieren, wie von einer pseudoallergenarmen Kost. Die hat sich insbesondere bei Patienten gezeigt, die auch unter Symptomen wie Magengrummeln oder breiigen Stühlen leiden, also den typischen Symptomen einer Histaminintoleranz. Bei einer chronisch spontanen Urtikaria lohnt es sich auf jeden Fall, eine Urtikaria-Diät auszuprobieren. Es kann sein, dass die Patienten dadurch vollkommen beschwerdefrei werden, es ist aber auch möglich, dass weiterhin, eventuell reduziert, Antihistaminika benötigt werden.  

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Wie sieht eine pseudoallergenarme Diät aus?

Bei einer pseudoallergenarmen Diät muss der Patient auf Stoffe verzichten, die eine Pseudoallergie auslösen können. Pseudoallergien, d.h. Scheinallergien, sind Unverträglichkeitsreaktionen des Körpers, die durch Beschwerden gekennzeichnet sind, wie sie bei Allergikern vorkommen. Mögliche Pseudoallergene sind Lebensmittelzusatzstoffe wie Farb- und Konservierungsstoffe, Medikamente, aber auch natürlicherweise in Lebensmitteln vorhandene Substanzen wie Aromastoffe. Meist sind es mehrere dieser Stoffe,  auf die man reagieren kann und häufig kommen sie in Fertigprodukten vor.

Wie sieht eine histaminarme Diät aus?

Bei einer histaminarmen Diät sind geräucherte, gepökelte, vergorene oder marinierte, aber auch schlecht gelagerte und nicht mehr ganz frische Lebensmittel grundsätzlich verboten. Aber auch der Verzehr von biogenen Aminen und die Aufnahme von Alkohol oder bestimmten Medikamenten verzögern den Abbau von Histamin. Kaffee und Schwarztee sind als Verstärker beschrieben und es gibt Nahrungsmittel, die die Ausschüttung von Histamin begünstigen können, sogenannte Histaminliberatoren, wie z.B. Erdbeeren, Tomaten usw..

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Bei Unverträglichkeiten ist es oft möglich, bestimmte Nahrungsmittel nach einer gewissen Karenz wieder in den Speiseplan einzuführen. Gilt dies auch für die Intoleranz-Urtikaria oder muss man die Diät lebenslang einhalten?

Auch wir starten bei unseren Urtikaria-Patienten nach einer gewissen Zeit wieder mit einem langsamen Kostaufbau. Meist kennen die Patienten dann auch schon ihre Triggerfaktoren und wissen, was sie nicht zusammen essen dürfen. Gerade bei der Histaminintoleranz ist es ja sehr wichtig zu wissen, welche Lebensmittel man auf keinen Fall ist Kombination zu sich nehmen sollte. Ein typisches Beispiel dafür ist die Kombination von Rotwein und reifem Käse. Viele Histaminintolerante vertragen ein Glas Rotwein ohne Probleme, wenn sie dazu aber z.B. reifen Parmesan essen, vertragen sie das nicht.

Wie Sie sagten, gibt es aktuell für die Intoleranz-Urtikaria keinen Marker, wird hierzu geforscht?

Zum Thema Marker für Intoleranzen wird schon lange geforscht. Leider hat man aber bisher keine relevanten Anhaltspunkte gefunden und es gibt noch keinen Laborwert, der validiert zeigen könnte, was der Auslöser der Unverträglichkeitsreaktion ist und was man demzufolge aus dem Speiseplan streichen sollte. Deshalb kann ich den Patienten nur davon abraten, teure Laboruntersuchungen durchführen zu lassen. IgG-Tests kosten viel Geld, zu einer Klärung der Ursachen für die Beschwerden der Urtikaria-Patienten führen sie aber nicht.

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Frau Privatdozentin Staubach-Renz, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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