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Urtikaria Familie Partnerschaft

Nadine Mayer Keizl über ihre Urtikaria: wie lebt sie damit?

Urtikaria, Familie, Partnerschaft: Wie lebt man mit der Urti?

Wie haben Sie nach der Urtikaria-Diagnose Ihrem Partner gesagt, dass Sie Unterstützung benötigen?

Das ist eine schwierige Frage. Am Anfang habe ich gar nichts gesagt, sondern alles mit mir selbst ausgemacht. Denn ich bin eine starke Frau, die immer alles auf die Reihe bekommt. Beruf, Haushalt, Kinder und wenn nötig auch die Enkelkinder und die Freunde. Ich war immer stark und habe mir alle Sorgen und Probleme der anderen angehört. Auf einmal war alles anders, denn auf einmal brauchte ich Hilfe. Das passte nicht in mein Weltbild.
Ich bin zu verschiedenen Hautärzten und Heilpraktikern gegangen, um meine Urtikaria behandeln zu lassen. Ich habe alles Mögliche ausprobiert, jedoch wurde ich immer verzweifelter, weil mir zunächst keiner eine Diagnose stellen konnte. Das Einzige, was mir geholfen hat, war hochdosiertes Kortison, aber davon habe ich immer weiter zugenommen.

Ein halbes Jahr nach der Urtikaria-Diagnose starb plötzlich mein Vater und neun Monate darauf auch meine Mutter. In dieser Zeit habe ich wieder alles Mögliche versucht, um die richtige Therapie für die Urtikaria zu finden, jedoch half nichts. Ich war nicht mehr wiederzuerkennen, denn ich hatte keine Lebensfreude mehr. Mein Mann und mein Sohn haben in dieser Zeit schon den ganzen Haushalt gemacht, ohne dass ich es registriert habe. Ich hatte eine schlimme Depression und habe gemerkt, dass ich das nicht allein schaffe. Ich bat meine Familie um Hilfe und diese war schlichtweg erleichtert, dass ich von selbst draufgekommen bin. Damit hatten sie recht, ich hätte mir nichts sagen lassen. Ich bin dann am nächsten Tag zum Hausarzt gegangen. Der hat mir dann eröffnet, dass ich einen Burnout habe und hat mir ein Antidepressivum verordnet. Zusammen mit meinem Therapeuten und natürlich mit meiner Familie und meinen Freunden habe ich diese schwere Phase hinter mich gebracht.

 

Und wie geht es Ihnen heute mit der Urtikaria?

Das Ganze ist jetzt 5 Jahre her und ich habe mittlerweile auch wieder Freude am Leben. Der erste Satz, den mein Therapeut damals zu mir gesagt hat, war: „Nehmen Sie die Krankheit als Teil Ihres Lebens an und lernen Sie, damit zu leben, sonst brauchen wir gar nicht anzufangen.“ Das war der beste Satz, den er mir sagen konnte.

Heute weiß ich, dass auch ich um Hilfe bitten kann. Ich nehme mir meine Auszeit, wenn ich sie brauche. Ich kann nur jedem raten, sofort mit dem Partner und der Familie zu sprechen, denn gemeinsam kann man viel mehr erreichen. Heute spreche ich offen mit allen über die Urtikaria, das kommt gut an, denn viele wissen gar nicht, was das genau ist und welche Symptome zu einer Urtikaria gehören. Das Verständnis, wenn ich mal wieder spontan eine Einladung absagen muss, ist ganz anders geworden. Keiner ist sauer oder fühlt sich veräppelt, weil sie einfach wissen, was mit mir los ist.

Welche Form der Unterstützung von der Familie hilft am meisten beim Umgang mit der Urtikaria?

Wir reden viel miteinander, auch gerade wegen der Urtikaria. Sie heißt bei uns nur noch „Urti“ und seit dieser Zeit ist auch die Familie viel sensibilisierter. Ein Beispiel: Vor 2 Jahren hat mein Mann abends ein Klimagerät mitgebracht. Ich leide ja an einer Wärmeurtikaria und er hatte gemerkt, dass ich nachts nicht schlafen konnte. Ständig war es mir zu warm und ständig stand ich unter der eiskalten Dusche. Ich habe mich natürlich sehr darüber gefreut.

Seitdem ich die Urtikaria mehr mit der Familie teile, geht alles besser. Sie ist ein Teil von mir geworden und ich akzeptiere das. Meine jüngste Enkelin hat Neurodermitis. Sie kennt den Juckreiz nur zu gut. Sie sagt dann schon mal: „Oma, deine ‚Urti‘ und meine ‚Neuro‘ sind schon doof.“ Wir kämpfen als Familie und Partner weiter und sind so noch enger zusammengewachsen. Ich hoffe natürlich, dass es irgendwann ein Heilmittel gibt und solange kämpfen wir eben weiter.

Mein Fazit: Ich lasse mich von der Urtikaria nicht mehr deprimieren, sondern ich kämpfe weiter und mache mein Leben mit Hilfe meiner Familie lebenswert.

Vielen Dank, Frau Mayer Keizl, für dieses Interview!

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