Omalizumab für Urtikaria, Angioödem und Mastozytose

Prof. Dr. med. Markus Magerl, Leiter klinischer Studien am Allergie-Centrum-Charité in Berlin.

Omalizumab zur Therapie von Urtikaria, Angioödem und Mastozytose

Stichwort "Nebenwirkungen" – welche Nebenwirkungen können denn bei Omalizumab auftreten?

Nach meiner persönlichen Erfahrung sind lokale Reaktionen um die Einstichstelle herum die häufigsten Beschwerden. Auch eher unspezifische Beschwerden, wie leichte Kopfschmerzen und Schwindelgefühle sind nicht ganz selten. Besondere Aufmerksamkeit des Arztes erfordern möglicherweise auftretende Gerinnungsstörungen, inklusive thrombembolischer Ereignisse. Die in der Fachinformation beschriebenen schweren anaphylaktischen Informationen sind in der Praxis äußerst selten.

Wie sieht in Ihrem Hause die Behandlung mit Omalizumab genau aus?

Omalizumab wird subkutan verabreicht, d.h. der Wirkstoff wird unter die Haut gespritzt. Wir beginnen die Behandlung bei unseren Patienten mit einer Dosierung von 150 mg, alle vier Wochen, - dies entspricht einer Spritze. Wenn daraufhin kein Ansprechen zu verzeichnen ist, erhöhen wir die Dosierung auf 300 mg alle vier Wochen. Wenn dies ebenfalls nicht zum Erfolg geführt hat, was selten der Fall ist, erhöhen wir entweder die Dosis auf 450 mg alle vier Wochen, oder wir verkürzen die Zeitabstände. In der Regel sprechen die meisten Patienten auf eine Dosierung von 150 mg oder 300 mg alle vier Wochen an. Die Dosierung, bei der die Beschwerden dann nicht mehr vorhanden sind, ist dann auch die Erhaltungsdosis.

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Muss diese Behandlung mit Omalizumab dann lebenslang durchgeführt werden?

Es handelt sich hier um eine symptomatische Behandlung, d.h. man führt die Behandlung so lange durch, wie die Symptome bestehen. Auch eine chronische Urtikaria hat jedoch die Tendenz, irgendwann einmal zurückzugehen. Dementsprechend führen wir bei Patienten, die unter Omalizumab beschwerdefrei sind, alle sechs bis zwölf Monate einen Auslassversuch durch und überprüfen so das Fortbestehen der Indikation.

Sie hatten bereits erwähnt, dass die Wirkung von Omalizumab bei Patienten mit allergischen Hauterkrankungen sehr schnell eintritt. Ist die bei allen Patienten der Fall?

Bei den meisten Patienten tritt unter Omalizumab eine sehr schnelle Besserung der Beschwerden ein. Unterschiede gibt es in Bezug auf die einzelnen Formen der Urtikaria. Es gibt Unterformen, z.B. die induzierbaren Formen der Urtikaria, bei denen die Wirkung des Omalizumab erst nach der zweiten oder dritten Spritze eintritt. Diese Beobachtungen basieren jedoch auf einer überschaubaren Fallzahl.

Bei der chronischen Form der Urtikaria tritt die Wirkung jedoch erstaunlich schnell ein – die Mehrzahl der Patienten ist bereits nach einer Woche beschwerdefrei. Wir führen deshalb sogar gerade bei unseren Patienten erste Untersuchungen durch, in denen ermittelt werden soll, in wie vielen Stunden die Wirkung von Omalizumab einsetzt.

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Anfang 2014 soll Omalizumab auch zur Behandlung von Urtikaria zugelassen werden. Wie sollten Betroffene vorgehen, wenn sie sich für eine Behandlung mit Omalizumab interessieren?

Aktuell, d.h. vor der Zulassung durch die europäischen Behörden, ist eine Therapie der Urtikaria mit Omalizumab noch relativ schwierig. Größere Zentren haben hier mehr Erfahrung, sowohl in Bezug auf die Therapie als auch mit der Beantragung der Kostenübernahme. Ist das Medikament zugelassen, wird dies sicher einfacher. Vor allem schwer betroffene Patienten, denen die üblichen Therapien nicht oder nur unzureichend helfen, werden davon mehrheitlich profitieren.

Herr Prof. Magerl, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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