Pruritus Juckreiz Therapieoptionen

Prof. Sonja Ständer berichtet über Pruritus - Juckreiz. Wird es bald neue Therapieoptionen geben?

Pruritus - Juckreiz: Gibt es bald neue Therapieoptionen?

Biologika werden zurzeit also nicht allein zur Juckreiz-Therapie eingesetzt?

Hierzu wurde kürzlich eine klinische Studie an Patienten mit chronischer Prurigo durchgeführt. Eine chronische Prurigo entsteht, wenn Patienten langfristig kratzen, so dass Juckknoten entstehen. Die Grundlage kann eine atopische Dermatitis, eine Psoriasis oder eine Nieren- oder Lebererkrankung sein, aus der sich als weitere Erkrankung die genannten Juckreizknoten entwickeln.

In der Studie wurde das noch nicht zugelassene Biologikum Nemolizumab zur Behandlung derchronischen Prurigo eingesetzt, denn es gab Hinweise, dass das IL-31 in der Haut bei der chronischen Prurigo erhöht ist. Die Ergebnisse sollen demnächst veröffentlicht werden. Wir dürfen also gespannt sein, ob mittelfristig eine reine Prurigo-Therapie mit einem Biologikum zur Verfügung stehen wird.

Darüber hinaus werden aktuell in den USA weitere Untersuchungen zum Interleukin-31-Rezeptor durchgeführt. Hierbei liegt der Fokus auch auf der Möglichkeit, nur bestimmte Untereinheiten von IL-31 gezielt zu blockieren, um aktuell auftretende Nebenwirkungen zu vermeiden.

 

Für welche Patienten ist die Therapie mit Biologika die richtige Therapie?

Für die Biologika-Therapie mit dem bereits zugelassenen Biologikum Dupilumb kommen Patienten mit schwerer atopischer Dermatitis in Frage. Ansonsten haben wir für chronischen Pruritus eine Leitlinie entwickelt, in der auf verschiedene Formen und allgemeine Therapieprinzipien eingegangen wird. Auch für die Prurigo nodularis, eine Erkrankung, zu der es kaum Studien gibt, haben wir eine Stufentherapie entwickelt.

Darüber hinaus spielen die gesundheitlichen Gegebenheiten des Patienten eine Rolle. Dazu gehören das Alter des Patienten, das Vorhandensein von Komorbiditäten, Einnahme von Medikamenten oder ob eine Schwangerschaft vorliegt.

Auch die persönlichen Umstände der Patienten werden bei der Therapieentscheidung zunehmend berücksichtigt. So sind zum Beispiel stationäre Klinikaufenthalte für viele Patienten heutzutage nicht mehr umsetzbar, sei es aufgrund der Berufstätigkeit oder weil Kinder oder zu pflegende Angehörige zu versorgen sind.

Das heißt, auch das persönliche Umfeld der Patienten wird bei der Therapieentscheidung berücksichtigt?

Es gilt, sich an den Bedürfnisse des Patienten zu orientieren, und diese entsprechen nicht immer den Erwartungen. So zeigt zum Beispiel die Forschung von Prof. Matthias Augustin, UKE Hamburg, dass für viele Neurodermitis-Patienten nicht das Abheilen der Hautläsionen an erster Stelle steht. Für viele Patienten ist es in erster Linie wichtig, Medikamente an die Hand zu bekommen, die ihnen ein Stück Unabhängigkeit bieten und die ihnen häufige Klinikbesuche ersparen.

Die Biologika erfüllen diese Bedürfnisse, auch weil sie nicht täglich verabreicht werde müssen. Allerdings monitoriert man die Patienten in der ersten Therapiephase auch engmaschiger, um sicher zu gehen, dass die Verträglichkeit gegeben ist. Insbesondere die Laborwerte der Leber und Nieren werden beobachtet, um eine Schädigung der Organe zu vermeiden. Der Patient muss sich also in gewissen Abständen zur Blutuntersuchung vorstellen.

All diese Faktoren, sowie die Steuerung, Dauer und potenzielle Nebenwirkungen der Therapie  müssen mit den Betroffenen ausführlich besprochen werden, um eine praktikable Therapieentscheidung treffen zu können. Es ist wichtig, dass die Therapie für den Patienten umsetzbar ist und dass er weiß, was auf ihn zukommt.

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Was ist in der Pipeline und in welchem Stadium?

Neben den bereits erwähnten Studien arbeiten Firmen an einem Antikörper gegen Interleukin-31-Rezeptor. Eine Phase-I-Studie zur atopischen Dermatitis wurde bereits erfolgreich durchgeführt, und eine Studie zur Prurigo ist in Vorbereitung. Recht weit ist man auch bei den sogenannten Small Molecules, wie den JAK-Inhibitoren oder den Neurokinin-1-Rezeptor-Antagonisten. Sie adressieren ebenfalls Prurigo bzw. chronischen Pruritus.

Für die Patienten ist dies eine sehr positive Entwicklung, die Hoffnung gibt, denn vor dem Jahr 2013 gab es hierfür keinerlei Therapieansätze. Um die Patienten besser über die Erkrankung und über neue Entwicklungen zu informieren, haben wir die Prurigo nodularis Liga gegründet, die auch durch eine Facebook-Gruppe vertreten ist. Hier berichten wir im Anschluss an Kongresse über neue Therapieansätze und stoßen damit bei den Betroffenen auf großes Interesse. Es wird zwar noch geraume Zeit dauern, bis diese neuen Therapieansätze in Form von zugelassenen Medikamenten zur Verfügung stehen, aber es gibt ein Licht am Horizont.

Frau Prof. Ständer, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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